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19.01.2009

10:58 Uhr

Britische Banken

RBS mit historischem Milliardenverlust

VonMichael Maisch

Die verstaatlichte britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) ist 2008 wegen der Finanzkrise tief in die roten Zahlen gerutscht. Ein Verlust von bis zu 31 Milliarden Euro sei möglich. Nun strebt die Bank eine Kapitalerhöhung an. Die Börse reagiert mit deftigen Abschlägen.

Tief in den roten Zahlen: die Royal Bank of Scotland. Foto: dpa dpa

Tief in den roten Zahlen: die Royal Bank of Scotland. Foto: dpa

LONDON.Der britische Premierminister Gordon Brown hat die heimischen Banken aufgefordert, endlich alle Risiken auf den Tisch zu legen. Die verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) nimmt sich das zu Herzen, mit allerdings unerfreulichem Ergebnis. Die einst zweitwertvollste britische Bank erwartet für das Jahr 2008 einen Verlust von bis zu 28 Mrd. Pfund. Das wäre ein neuer Rekord, mit dem die RBS selbst das Minus des Mobilfunkers Vodafone von 22 Mrd. Pfund aus dem Jahr 2006 toppen würde.

Ähnlich wie Vodafone hat sich auch die RBS an einer teuren Übernahme verschluckt. Im operativen Geschäft hat die Bank 2008 sieben bis acht Mrd. Pfund verloren. Dazu kommen Abschreibungen von 15 bis 20 Mrd. Pfund auf den Firmenwert von ABN Amro. Kurz vor Ausbruch der Finanzkrise hatte sich ein Konsortium unter Führung der RBS im teuersten Übernahmekampf der Finanzgeschichte durchgesetzt und die niederländischen Großbank für den Rekordpreis von 70,5 Mrd. Euro übernommen.

An der Börse brach die RBS-Aktie zeitweise um 65 Prozent ein. Aber nicht nur die Aktionäre waren wütend. Premier Brown machte aus seinem Ärger über „unverantwortliches Verhalten“ der Bank keinen Hehl. „Ich bin wütend“, schnaubte er auf einer Pressekonferenz. „Fast alle Verluste stammen aus dem Subprime-Markt in den USA und aus Übernahmen. Das sind unverantwortliche Risiken, die die Bank mit dem Geld ihrer britischen Kunden eingegangen ist.“

Der Absturz der RBS zog auch andere Bankaktien mit nach unten. Europas größtes Geldhaus HSBC verlor gestern 13 Prozent. Das Management betonte, dass die Bank keine Staatshilfen in Anspruch nehmen wolle. An der RBS hält der britische Staat nach Hilfsmaßnahmen über 15 Mrd. Pfund die Mehrheit. Jetzt will Brown die Bank finanziell entlasten, in dem er die Beteiligung von Vorzugs- in Stammaktien umwandelt. Dadurch steigt der Anteil der Regierung von 58 auf 70 Prozent. Die Umwandlung spart der RBS 600 Mill. Pfund an jährlichen Dividenden, und die Regierung hofft, dass das Institut dadurch sechs Mrd. Pfund an zusätzlichen Krediten vergeben kann.

Im Gegensatz zur RBS hat die Großbank Lloyds TSB, an der der Staat 43 Prozent hält, die Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien abgelehnt. Vorstandschef Eric Daniels will verhindern, dass die Regierung die Kontrolle übernimmt.Die Aktie von Lloyds brach gestern allerdings um 38 Prozent ein.

Bereits Anfang 2008 musste der britische Staat die Hypothekenbank Northern Rock übernehmen. Auch dieses Institut will Brown jetzt nutzen, um die Kreditklemme auf der Insel zu lösen. Bereits im Sommer 2008 hat die Londoner Regierung bei den Wettbewerbsbehörden der EU eine Kapitalspitze von drei Mrd. Pfund für Northern Rock beantragt. Mit diesem Geld soll die Bank ihre Kreditvergabe wieder ausweiten.

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