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30.07.2013

14:21 Uhr

Britische Großbank

Barclays will Loch in der Kasse stopfen

Eine Geldspritze soll der britischen Großbank Barclays 5,8 Milliarden Pfund einbringen. Das würde helfen, um ein großes Loch in der Kasse zu stopfen. Die britische Aufsicht setzt das Institut mächtig unter Druck.

Barclays muss das Kapitalpolster dringend verstärken. dpa

Barclays muss das Kapitalpolster dringend verstärken.

London
Die britische Großbank Barclays muss ein Milliardenloch in ihrer Kapitaldecke stopfen. Die Aufsicht macht Druck: Die neue britische Regulierungsbehörde PRA gibt der Traditionsbank nur ein knappes Jahr Zeit, um 12,8 Milliarden Pfund (14,8 Milliarden Euro) zusätzliches Kapital aufzubringen. Das ist mehr als Analysten erwartet hatten. Als Sofortmaßnahme kündigte das Institut am Dienstag eine Kapitalerhöhung an, die 5,8 Milliarden Pfund einbringen soll. Zudem plant Bankchef Antony Jenkins eine kapitalschonende Schrumpfkur: 65 bis 80 Milliarden Pfund weniger Kredite will er vergeben. Die 320 Jahre alte Bank habe "schnell und entschieden" gehandelt, sagte er. Die Aufsichtsbehörde zeigte sich zufrieden mit den Plänen. Eine Kreditklemme sei nicht zu erwarten

Zusätzlich will Barclays zwei Milliarden Pfund an Anleihen begeben, die sich automatisch in Eigenkapital wandeln, wenn die Kapitalausstattung unter eine bestimmte Schwelle fällt. "Ich glaube, sie haben das Richtige getan. Sie mussten frisches Kapital aufnehmen, alles andere wäre ein fauler Kompromiss", sagte Analyst Mike Trippitt von Numis Securities.

Kapitalquoten großer Banken (2. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Bank of America

9,6 Prozent

Citigroup

10 Prozent

Commerzbank

8,4 Prozent (nach 7,5 Prozent im ersten Quartal)

Deutsche Bank

10 Prozent (nach 8,6 Prozent im 1. Quartal 2013)

Goldman Sachs

keine Angabe nach dem 2. Quartal 2013

JP Morgan

9,3 Prozent

Morgan Stanley

9,9 Prozent

UBS

11,2 Prozent

Wells Fargo

8,5 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Im Juni hatte die PRA bei den fünf großen Banken auf der Insel eine Finanzlücke von insgesamt 27 Milliarden Pfund ausgemacht. Neben Barclays waren vor allem die Royal Bank of Scotland und Lloyds betroffen. Hintergrund ist die Verschuldungsobergrenze von drei Prozent der Bilanzsumme, die die Londoner Aufseher den Banken auferlegt haben. Nach Schätzungen der PRA liegt diese Leverage Ratio bei Barclays nur bei 2,2 Prozent, Barclays selbst hatte sie auf 2,5 Prozent beziffert. "Als Konsequenz mussten wir unsere Kapital-Planungen anpassen, um das Ziel von drei Prozent bis Juni 2014 zu erfüllen", räumte Jenkins ein.

Für die Leverage Ratio, die das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme setzt, gibt es noch keinen internationalen Standard. Die Deutsche Bank hatte ihre Leverage Ratio am Dienstag auf drei Prozent beziffert, will aber ihre Bilanzsumme weiter reduzieren, damit sie über dem Grenzwert bleibt. Die Kennziffer soll verhindern, dass Banken ihre Bilanz über Gebühr aufblähen und damit in einer Krise schwerer abzuwickeln wären.

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