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01.03.2013

10:27 Uhr

Britische Großbank

Umstrittene Produkte brocken Lloyds Verluste ein

Britische Bankenbranche unter Druck: Wegen umstrittener Finanzprodukte muss die Großbank Lloyds 1,9 Milliarden Pfund Entschädigung zahlen. Daher erzielt das teilverstaatlichte Haus einen Verlust von 570 Milliarden Pfund.

Filiale von Lloyds TSB an der Oxford Street in London. AFP

Filiale von Lloyds TSB an der Oxford Street in London.

LondonMilliardenschwere Belastungen wegen des Verkaufs umstrittener Finanzprodukte haben der britischen Großbank Lloyds im vergangenen Jahr erneut einen Verlust eingebrockt. Das in der Finanzkrise mit Steuergeldern gerettete und teilverstaatlichte Geldhaus musste den Angaben von Freitag zufolge 1,9 Milliarden Pfund zur Entschädigung von Kunden zurückstellen. Dies habe zu einem Vorsteuerverlust von 570 Millionen Pfund (rund 660 Millionen Euro) geführt. 2011 war noch ein Fehlbetrag von 3,5 Milliarden Pfund angefallen. An der Börse kam die Bilanz der größten Privatkundenbank des Landes nicht gut an: Lloyds-Aktien gaben fast fünf Prozent nach.

Bei den umstrittenen Finanzprodukten geht es um von vielen Kunden gar nicht benötigte Restschuldversicherungen. Für diese Fälle hat Lloyds nach mehreren Aufstockungen mittlerweile eine Vorsorge von 6,8 Milliarden Pfund gebildet und bereits 4,3 Milliarden ausgezahlt - so viel wie keine andere Bank auf der Insel. Solche Milliarden-Lasten schlagen auch bei Barclays, der Royal Bank of Scotland und HSBC ins Kontor.

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Die FSA hat festgestellt, fand in mehr als 90 Prozent der Fälle Gesetzesverstöße.

Insgesamt belaufen sich die Rückstellungen der Branche bereits auf 14 Milliarden Pfund - 25 Milliarden könnten es Insidern zufolge noch werden. Außerdem haben Lloyds & Co komplexe Zinswetten an Mittelständler verkauft, die bei kleinen Firmen zum Teil zu existenzgefährdenden Verlusten führten.

Die britische Regierung hatte 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 20 Milliarden Pfund in die Rettung des Instituts gesteckt und dafür 39 Prozent der Anteile übernommen. Bankchef Antonio Horta-Osorio sagte, er sei sehr zuversichtlich, dass der Steuerzahler sein Geld zurückbekomme. Dies sei sein Hauptziel in den nächsten Jahren, woran auch Sonderzahlungen geknüpft seien.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Die Bank will ihrem Chef einen Bonus von 1,5 Millionen Pfund gewähren, sollte sich der Aktienkurs gut entwickeln oder der Staat einen Teil seines Aktienpakets zu Preisen oberhalb des Einstiegsniveaus loswerden. Von den angestrebten Kursen ist die Aktie allerdings noch ein gutes Stück entfernt.

Lloyds verwies zudem auf operative Fortschritte. So stieg der um Sonderlasten bereinigte Gewinn auf 2,6 Milliarden Pfund, nachdem es 2011 nur 638 Millionen waren. Diese Zahlen lagen über den Analystenerwartungen.

Von

rtr

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