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29.01.2010

07:11 Uhr

Britische Strafsteuer

Deutsche Bank muss tief in die Tasche greifen

VonHans G. Nagl

Die von Finanzminister Alistair Darling angekündigte Bonussteuer für Kreditinstitute in Großbritannien dürfte auch bei der Deutschen Bank Spuren im Jahresabschluss hinterlassen. Analysten rechnen mit mehreren Hundert Millionen Euro an Belastung. Unklar bleibt, ob am Ende die Mitarbeiter oder die Aktionäre die Rechnung für die Boni zahlen.

Die von Finanzminister Alistair Darling angekündigte Steuer auf Boni wird die Deustche Experten zufolge mit Hunderten Millionen Euro belasten. Reuters

Die von Finanzminister Alistair Darling angekündigte Steuer auf Boni wird die Deustche Experten zufolge mit Hunderten Millionen Euro belasten.

FRANKFURT. Die italienische Großbank Unicredit schätzt die Aufwendungen für die Strafsteuer im Jahresabschluss auf rund 200 Mio. Euro. Noch weiter geht DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr in einer Kurzstudie: Er erwartet vor Steuern eine Belastung der Gewinn- und Verlustrechnung von 250 bis 350 Mio. Euro. Gemessen an dem laut Thomson Reuters für 2009 prognostizierten Vorsteuerergebnis von 5,6 Mrd. Euro entspräche dies immerhin um die fünf Prozent des Jahresgewinns.

Die Deutsche Bank wollte sich zu den Schätzungen nicht äußern und verwies auf die Veröffentlichung der Geschäftszahlen am kommenden Donnerstag. Ein Sprecher ließ offen, ob die Bonussteuer die Bank schon im abgelaufenen Quartal belasten wird.

Empörung des Steuerzahlers als Treiber

Darling hatte Ende vergangenen Jahres angekündigt, zunächst einmalig eine zusätzliche Sonderbesteuerung von 50 Prozent auf die Bonustöpfe der Institute vorzunehmen. Hintergrund ist die Empörung in weiten Teilen der britischen Bevölkerung über den Umstand, dass zahlreiche Häuser wie etwa die Royal Bank of Scotland mit Milliarden an Steuergeld gerettet wurden, mittlerweile aber vielerorts schon wieder kräftig Boni fließen.

"Die zusätzlichen Steuerbelastungen sollen von der Bank und nicht den Mitarbeitern getragen werden", schreibt Analyst Dürr. "Das Gesetzgebungsverfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen, so dass die Verbuchung unklar bleibt."

Theoretisch wäre denkbar, dass die Deutsche Bank die Lasten erst 2010 verbucht. Möglich wäre auch, dass das Institut nach Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen diese mit dem erst Mitte März erscheinenden Geschäftsbericht 2009 noch korrigiert und dann um den zusätzlichen Steueraufwand ergänzt.

Unklar ist zudem, ob die Bonussteuer bei der Deutschen Bank letztlich zulasten der gesamten Bankmitarbeiter oder aber des Gewinns und damit der Aktionäre geht. "Das ist absolut noch nicht entschieden", hatte Ackermann vor Weihnachten in einem Interview gesagt. Zugleich hatte er aber klargestellt, die britischen Mitarbeiter müssten die Zusatzbelastung nicht alleine bewältigen.

Kritik an Sozialisierung

Ackermanns Ankündigungen hatten hierzulande intern Ablehnung gerade bei Investmentbankern hervorgerufen. Diese argumentieren unter anderem damit, in der Vergangenheit auch nicht von den Steuervorteilen für ausländische Banker in London profitiert zu haben. Allerdings: Praktisch jedes große Haus dürfte Brancheninsidern zufolge den Weg gehen, die britische Sondersteuer zu sozialisieren. Andernfalls droht die Abwanderung von Spitzenpersonal.

Experten kritisieren derweil noch einen anderen Punkt: Die Banken gehen - auch auf Druck der Aufsicht - dazu über, größere Bonusanteile in Aktien und über Jahre gestreckt zu bezahlen. Damit entstehen erst in den Folgejahren Belastungen, im Personalaufwand 2009 taucht diese Position nicht auf. "Das wirkt wie eine riesige Ersparnis, ist aber nur eine Verschiebung", sagte ein Analyst.

Böse Zungen sehen hierin auch einen der Gründe dafür, warum die US-Investmentbank Goldman Sachs für das vergangene Jahr gemessen am Nettoertrag den geringsten Bonus in der Geschichte auszahlte. "Hier wird den Leuten Sand in die Augen gestreut", sagte ein Top-Investmentbanker. Goldman hat diese Vorwürfe allerdings vehement zurückgewiesen.

Kommentare (1)

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Weltenbummlerin

29.01.2010, 10:45 Uhr

Die armen banker. Den blanken Ruin vor Augen müssen sie das Jahr beginnen. Politiker, ihr müßt diese armen banker schon wieder mal mit unseren Steuergeldern retten. Gebt ihnen schnell noch einen großen Schluck aus unserer Steuerpulle und gönnt euch selbst auch einen großen Schuck. Der Steuerzahler kann nur ruhig schlafen und entgeht einer Depression, wenn es den bankern und den Politikern auf Kosten der Allgemeinheit gut geht. Die Motten im zerfressenen Pelz des Steuerzahlers.

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