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26.02.2004

07:59 Uhr

Britischer Versicherer setzt sich von der Konkurrenz ab: besseres Ergebnis, höhere Dividende und steigender Aktienkurs

Starker Euro beschert Aviva Gewinn

VonAndreas Hoffbauer (Handelsblatt)

Am britischen Versicherungsmarkt zeichnet sich nach mehreren schwierigen Geschäftsjahren wieder ein Hoffnungsschimmer ab. Es gebe bereits deutliche Anzeichen für eine Erholung, sagte Richard Harvey, Chef der Aviva plc, gestern bei der Bilanzvorlage in London. Der größte britische Versicherer glänzte mit einem guten Ergebnis, nachdem am Vortag die Nummer zwei der Branche – Prudential – enttäuscht hatte. Der Ausblick von Prudential-Chef Jonathan Bloomer war außerdem weitaus vorsichtiger ausgefallen.

LONDON. Entsprechend fiel die Reaktion von Analysten und Anlegern aus. Die Aviva-Aktie legte gestern um fast 6 % zu – in dieser Höhe war zuvor der Prudential-Kurs eingebrochen. Grund: Der operative Gewinn 2003 (vor außerordentlichen Posten und Firmenwertabschreibungen) legte bei Aviva im Jahresvergleich um 6 % auf 1,9 Mrd. Pfund (2,8 Mrd. Euro) zu. Zudem erfreute Aviva seine Aktionäre mit einer Erhöhung der Dividende um 5 %. Rivale Prudential, der einen Gewinneinbruch um 27 % melden musste, hatte dagegen zum ersten Mal seit dem Ersten Weltkrieg die Jahresdividende gekürzt – um 40 %.

Deutlicher können die Unterschiede zweier Rivalen kaum ausfallen. Dabei ist die britische Versicherungsbranche von den Turbulenzen am heimischen Markt gleichermaßen betroffen. Ein Grund für die jüngsten Probleme ist das besonders starke Engagement der britischen Anbieter am Aktienmarkt. Zudem hat die Londoner Finanzaufsicht FSA strengere Vorschriften für die Versicherungen erlassen, nachdem die Versicherung Equitable Life an den Rand des Zusammenbruchs geraten war. Die Regeln sollen weiter verschärft werden.

Zur europäischen Konkurrenz unterscheiden sich britische Versicherungen durch einen hohen Aktienanteil im Portfolio. Während dafür in Deutschland eine Obergrenze von 35 % gilt, unterliegen die britischen Versicherer keiner solchen Beschränkung. Inzwischen haben die meisten britischen Anbieter den Anteil deutlich gesenkt. Beim größten Lebensversicherer, Standard Life, liegt die Quote aber noch immer über 50 %.

Dadurch hatte die Börsenflaute der vergangenen Jahre die britischen Versicherer – und vor allem auch deren Kunden – stark getroffen. Die Auszahlungssumme einer britischen Lebensversicherung verringerte sich zum Teil um rund ein Viertel. Viele Kunden verloren so das Vertrauen in diese Produkte; entsprechend gingen die Verkäufe der Branche zurück.

Aus diesem Grund drängt es die Versicherer der Insel zunehmend ins Ausland. Bei Aviva und bei Prudential liegt der heimische Anteil am Gesamtgeschäft inzwischen nur noch bei rund einem Drittel.

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