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25.01.2005

08:05 Uhr

Bürgermeister wehrt sich gegen Pläne des Verbandes

Stralsunder Sparkasse will unabhängig bleiben

VonFrank Matthias Drost (Handelsblatt)

Der Oberbürgermeister der norddeutschen Stadt Stralsund macht erneut als Sparkassenrebell von sich reden. Harald Lastovka, setzt zum Ärger des regionalen Sparkassenverbandes auf die Unabhängigkeit des kommunalen Institut. Vor Jahresfrist sorgte er bundesweit für Furore, als er die Sparkasse Stralsund an ein privates Institut verkaufen wollte. Das wäre ein Novum in Deutschland gewesen. Ein Grundsatzstreit über die Strukturen im deutschen Kreditgewerbe war die Folge.

BERLIN. Damals durchkreuzte die SPD/PDS-geführte Landesregierung die Pläne des Oberbürgermeisters von Stralsund. Nachdem die Regierung im März 2004 eine Lücke des Sparkassengesetzes geschlossen hatte, musste Lastovka die Verkaufspläne der Sparkasse aufgegeben. Er hatte vor, die Sparkasse aufzulösen und nur die Vermögensgegenstände (Assets) zu verkaufen.

Nun ist Lastovka gegen die vom Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverband (OSGV) favorisierte Fusion mit der Sparkasse Vorpommern. „Bei mir sind Zweifel aufgekommen, ob das der richtige Weg ist“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. An dem fusionierten Institut würden die Städte nur gut elf Prozent halten. Am 22. Februar wird die Stralsunder Bürgerschaft eine Entscheidung über die Eigenständigkeit treffen. „Wir beobachten die Entwicklung sehr aufmerksam“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Mecklenburg-Vorpommern. Ein jetzt in Auftrag gegebenes Gutachten bei Deloitte & Touche soll darüber Aufschluss geben, ob die Sparkasse allein lebensfähig ist. Am Ende könnte eine Zwangsfusion stehen. „Das sehe ich gelassen“, sagte Lastovka.

Der OSGV hat erhebliche Zweifel, dass die Sparkasse Stralsund allein lebensfähig ist. Er taxiert die Belastung für den städtischen Haushalt für einen Drei-Jahres-Zeitraum auf rund 20 Mill. Euro. „Das kann ich nicht nachvollziehen“, sagte Lastovka. Die Sparkasse musste durch verlustträchtige Engagements in Aktiengeschäften Lehrgeld zahlen, räumt der Bürgermeister ein, der auch Verwaltungsratschef der Sparkasse ist. Dadurch sei das Institut in eine missliche Lage gekommen. Zudem nahm die Bank Wertberichtigungen auf einzelne Kredite in Höhe von 17,6 Mill. Euro vor. Jetzt sei man aber auf der sicheren Seite, da die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zudem die 30 größten Kreditengagements geprüft habe.

Unter dem Strich werde die Stadt der Sparkasse Kapital in Höhe von sechs Mill. Euro zuführen und eine Bürgschaft über drei Mill. Euro übernehmen. Das sei nur unwesentlich mehr, als die Stadt bei einer Fusion mit der Sparkasse Vorpommern aufzubringen hätte. Und die sei längst nicht so durchleuchtet worden wie die Sparkasse Stralsund. Zudem könnte sich die Stadt Stralsund Kosten in Höhe von 4,5 Mill. Euro schenken, die für einen fusionsbedingten Abbau von 40 auf 120 Arbeitsplätzen anfielen. „Der OSGV sollte sich freuen, dass es noch Städte wie Stralsund gibt, die aufgrund ihrer Haushaltslage ihr Institut noch stützen können“, sagt Lastovka.

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