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17.06.2011

12:06 Uhr

Bundesbank

Banken müssen mehr Geld zurücklegen

Es war die größte Finanzkrise des Jahrzehnts, in die uns nicht zuletzt der Leichtsinn der Banker führte. Die Bundesbank will, dass so etwas nie wieder passiert. Doch die Branche wehrt sich.

Dunkle Wolken über Frankfurt: Die Aufsicht will Banken zu mehr Vorsorge zwingen. Quelle: dpa

Dunkle Wolken über Frankfurt: Die Aufsicht will Banken zu mehr Vorsorge zwingen.

EltvilleSystemrelevante Großbanken müssen sich nach Einschätzung der Bundesbank auf zusätzliche Kapitalanforderungen der Regulierer von bis zu drei Prozent einstellen. „Ich rechne damit, dass am Ende des Tages die Höhe der zusätzlichen Kapitalanforderung (...) aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwo zwischen zwei und drei Prozent liegen wird“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Freitag laut Redemanuskript auf einer Konferenz in Eltville im Rheingau. Endgültige Entscheidungen über die geplanten höheren Kapitalanforderungen für große, besonders vernetzte oder in anderer Weise für das gesamte Finanzsystem wichtige Institute, sogenannte „SIFIs“, seien aber noch nicht gefallen. In Deutschland würde die zusätzliche Kapitalanforderung die Deutsche Bank betreffen.

Die Regulierer wollen erreichen, dass die systemrelevanten Banken mehr Eigenkapital vorhalten müssen und somit geringere Risiken eingehen können, da ihr Zusammenbruch gravierende Folgen für das Weltfinanzsystem haben kann. Dombret erwartet, dass weltweit zunächst 25 bis 30 Institute in die Kategorie der sogenannten „SIFIs“ eingeordnet werden. Fachleute gegen davon aus, dass aus Deutschland nur der Branchenprimus Deutsche Bank zu dieser Bankengruppe zählen wird. Nach einem Bericht der „Financial Times“ soll die Deutsche Bank künftig eine Kernkapitalquote von 9,5 Prozent vorhalten müssen - 2,5 Prozent mehr als es die Mindestkapitalvorschriften nach „Basel III“ vorsehen, die für alle Banken ab 2013 schrittweise eingeführt werden.

In der Diskussion um die von den systemrelevanten Banken vorzuhaltende Kapitalform möchte die Bundesbank den Instituten entgegen kommen. Reines Eigenkapital scheine zwar die „natürliche Wahl“ für den zusätzlichen Aufschlag zu sein, sagte Dombret. Die Bundesbank sei aber dafür, dass die Banken außerdem von Fremd- in Eigenkapital wandelbare Instrumente (contingent capital) benutzen können, um die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen.

Kommentare (6)

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flyingfridge

17.06.2011, 12:32 Uhr

"Es war die größte Finanzkrise des Jahrzehnts". Ich erinnere mich: Politiker und Medien, die so gerne Ängste schüren, haben während der Krise immer davon geredet, dass es die Schlimmste der letzten hundert Jahre ist, noch viel schlimmer als nach 1929. Jetzt wo es vorbei ist, wird es wieder kleiner geredet. Vermutlich, damit das "weiter so" der Politik in besserem Licht steht. Ich bin nur froh, dass es inzwischen das Internet gibt, in dem unabhängige Meinungen geäußert werden von Leuten, die nicht so schnell vergessen wie Politik und Medien.

Mollemopp

17.06.2011, 12:44 Uhr

Was heißt hier: "Es war die größte Finanzkrise..."???
Wir sind mitten drin. Wenn die unzähligen Rettungspakete geschnürt werden, dann doch nur weil sonst wieder ein paar Banken Vermögen verlieren oder hopps gehen würden. Das ist die Finanzkrise. Der echte Bankenzusammenbruch steht noch bevor. Es werden doch schon wieder reichlich Luftschlösser gebaut, damit die Banken ihre Luftnummern mit Substanz auffüllen können. Es muss sich grundlegend etwas ändern im Finanzsystem. So gesehen hat doch jedes Land Schulden ohne Ende. Es werden nur Zinsen gezahlt. Für Tilgung ist nie Geld da. Die Banken haben doch genug verdient. Lasst doch mal endlich ein Reset bei den Schulden in der ganzen Welt machen. Jeder muss kleinere Brötchen backen. Warum nur diese verdammten Banken nicht?

Peter

17.06.2011, 13:00 Uhr

Die Banken zu zwingen, mehr Eigenkapital vorzuhalten? Das bringt doch alles nichts.
Das einzig wahre Kriterium ist der Lender of Least Resort, der Steuerzahler als Letzter in der Reihe, der im Zweifel für alles aufkommt. Die Banken haben seit Lehmann, AIG und HRE ausgiebig getestet, wie weit sie mit dem Steuerzahler gehen können. Und sie haben damit ziemlich gute Erfahrungen gemacht. Also werden sie weiter testen und sehen, an welche Grenzen sie noch gehen können. Das liegt einfach in der Natur der Sache und ist per se aus meiner Sicht nichts Verwerfliches.
Können die Banken dabei irgendwann tatsächlich an eine Grenze geraten? Ich meine ja. Die für den Steuerzahler schmerzhafteste Variante besteht darin, dass er nicht mehr zahlen kann. Die weniger schmerzhafte wäre, er lässt die Banken Pleite gehen. Da der Prozess der Annäherung an das natürliche Limit aber schleichend verläuft ist die Politik regelmäßig geneigt, zunächst die Banken zu "retten", immer hoffend, dass es nicht zu weiteren und teureren Aktionen kommen wird. Gerade die Rettungsaktionen aber provozieren die immer weitere Ausdehnung des Risikos, welche die Banken eingehen und für die der Steuerzahler bei der nächsten Krise erneut einzustehen hat.
Im Ergebnis wird es also damit enden, dass die Gesamtverschuldung irgendwann ein Ausmaß erreicht, welches nicht mehr durch Steuereinnahmen zu decken ist. Dann bricht das ganze Schneeballsystem in sich zusammen.
Bedauerlicherweise haben sich solche Prozesse in der jüngeren Geschichte nicht immer friedlich vollzogen.

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