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16.05.2017

21:04 Uhr

Bundesbank-Statistik

Das große Bankensterben

VonMilena Merten

Der deutsche Bankenmarkt schrumpft immer schneller. Banken werden zusammengelegt, Filialen geschlossen. Darunter leiden die Bankmitarbeiter und Kunden auf dem Land.

Bundesbank kennt die Gründe

Darum haben Kunden Vorteile, wenn Banken fusionieren

Bundesbank kennt die Gründe: Darum haben Kunden Vorteile, wenn Banken fusionieren

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FrankfurtIn Deutschland gibt es immer weniger Banken. Die Gesamtzahl der Geldhäuser ist im vergangenen Jahr um 72 auf 1.888 gesunken – ein Rückgang von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigt eine aktuelle Statistik der Deutschen Bundesbank.
Bereits 2015 war die Zahl der Banken um 1,5 Prozent gesunken. „Der Konsolidierungsprozess hat an Fahrt gewonnen“, kommentiert Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Er führt das Bankensterben auf die anhaltend niedrigen Zinsen zurück. Diese schmälern die Gewinne und zwingen die Banken zum Sparen.

Die Geldhäuser reagieren vor allem mit Fusionen, insbesondere die Volks- und Raiffeisenbanken. Ihre Zahl schrumpfte 2016 um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit liegt die Zahl der Genossenschaftsbanken mit 976 erstmals unter 1.000. Auch bei den Sparkassen wurden zehn Institute zusammengelegt. Die Anzahl der Kreditbanken schrumpfte um neun Banken auf 381.

Gleichzeitig dünnen die Banken ihr Filialnetz aus. Die Anzahl der inländischen Zweigstellen verringerte sich 2016 auf 32.026 – das entspricht 5,9 Prozent weniger Zweigstellen als im Vorjahr. Die Sparkassen, die das größte Filialnetz in Deutschland haben, schlossen die meisten Zweigstellen: insgesamt 922. Aber auch Genossenschaftsbanken, Kreditbanken, Regionalbanken und Bausparkassen reduzierten die Zahl ihrer Filialen.

Deutsche Banken im Strudel der Finanzkrise

BayernLB

Die Landesbank hatte sich im Zuge der US-Hypothekenkrise verspekuliert und musste mit Notkrediten von zehn Milliarden Euro gestützt werden. Die EU-Kommission verordnete eine radikale Schrumpfkur mit Halbierung der Bilanzsumme. Für das vergangene Jahr konnte die BayernLB wieder einen Nettogewinn von 545 Millionen Euro vermelden - zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Commerzbank

Die zweitgrößte deutsche Privatbank geriet nach der riskanten Übernahme der Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise in Turbulenzen. Der Staat sprang ein. Die direkten Staatshilfen haben die Frankfurter vor einigen Jahren zurückgezahlt. Der Bund ist mit rund 15 Prozent aber weiterhin größter Einzelaktionär der Commerzbank.

HRE

Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate war im Jahr 2008 fast kollabiert und musste mit staatlichen Milliardenhilfen aufgefangen werden, um den Finanzplatz Deutschland nicht zu gefährden. Ein Jahr später wurde die Bank notverstaatlicht. Die Altlasten wurden 2010 in eine Abwicklungsanstalt ausgelagert, die weiter im Staatsbesitz ist. Die profitable Kernbank Deutsche Pfandbriefbank kam 2015 an die Börse, doch blieb der Bund Großaktionär.

HSH Nordbank

Die Landesbank geriet 2008 in den Strudel der Finanzkrise und musste von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gerettet werden. Im Gegenzug für die Genehmigung milliardenschwerer Ländergarantien setzte die EU-Kommission den Verkauf des Instituts bis 2018 durch.

IKB

Die IKB Deutsche Industriebank war eines der ersten Opfer der Krise. Sie verspekulierte sich mit US-Hypotheken und wurde 2007 von der staatlichen Förderbank KfW, dem Bund und anderen Banken mit Milliarden gerettet. 2008 übernahm der US-Finanzinvestor Lone Star die Mehrheit an der IKB.

LBBW

Die Eigner - das Land Baden-Württemberg, die Sparkassen im Südwesten und die Stadt Stuttgart - stützten das Institut 2009 mit einer milliardenschweren Kapitalspritze und Bürgschaften. Als Auflage für die Hilfen verordnete die EU der Bank eine Schrumpfkur und einen strengen Sparkurs. Inzwischen ist das Institut wieder auf Kurs.

SachsenLB

Das Institut stand im Sommer 2007 wegen fragwürdiger Kreditgeschäfte in Milliardenhöhe am Rand des Abgrunds. Die Bank wurde an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) notverkauft.

WestLB

Die einst größte deutsche Landesbank ist mittlerweile Geschichte. Das Institut war durch Fehlspekulationen tief in die roten Zahlen gerutscht und musste von ihren Eigentümern - dem Land NRW und den Sparkassen - mit Milliarden gestützt werden. Im Gegenzug verlangten die EU-Wettbewerbshüter eine Zerschlagung. Mitte 2012 wurde der Düsseldorfer Konzern aufgespalten. Das Sparkassengeschäft übernahm die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Und der Trend setzt sich fort: Die Beratungsgesellschaft Investors Marketing geht davon aus, dass sich die Zahl der Filialen in Deutschland bis 2025 auf 20.000 reduzieren wird – das wäre ein Rückgang von 38 Prozent im Vergleich zu 2016. Die Folge: Viele Menschen im Bankensektor werden ihre Jobs verlieren. Bereits jetzt bauen etwa die Deutsche Bank und die Commerzbank Tausende Stellen ab.

Schuld an der Entwicklung sind neben der Zinspolitik der EZB auch die Kunden: Immer mehr Menschen erledigen ihre Geldgeschäfte lieber online. Die Banken wollen deshalb stärker in die Digitalisierung investieren als in die klassischen Bankfilialen. Leiden werden darunter wohl vor allem ältere oder weniger technikbegeisterte Kunden, die die persönliche Beratung in der Filiale schätzen. Gerade auf dem Land dürften in Zukunft lange Fahrwege zur nächsten Bankfiliale zur Regel werden.

Kommentare (2)

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Herr Thomas Behrends

17.05.2017, 08:22 Uhr

Ja, es ist schon merkwürdig. Im gleichen Zeitraum, in dem immer mehr Banken (aus Kosten- und Ertragsgründen natürlich, irgendeine blöde Begründung müssen wir ja erfinden) geschlossen werden, werden die Gehälter der Vorständler dieser Finanzinstitute kräftig nach oben "angepasst". Ganz so, als ob deren Gehälter die Gewinn- und Verlustrechnung einer Bank nicht tangieren würde. Seltsame Logik.

Ich persönlich würde erst einmal den überbordenden "Wasserkopf" in den oberen Verwaltungsebenen ausdünnen. Da hätten die Banker genügend zu tun, als die kleinen Bankangestellten in den Filialen arbeitslos zu machen.

Herr Hans Klahrin

17.05.2017, 08:55 Uhr

Na ich vermute mal, dass die Bezahlung -gerade bei kleineren Banken- nach der Bilanzsumme geht. Und wenn zwei fusionieren dann bekommt der neue Vorstand mehr gehalt. Andererseits fallen Vorstandsgehälter der eingegliederten Bank weg. Müsste man mal schauen, ob unter dem Strich in der Masse wirklich mehr Gehalt an die Obersten fließt....

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