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07.04.2011

12:37 Uhr

Bundesbank-Vorstoß

Deutschland bremst beim Stresstest

Die deutschen Bankenaufseher wollen mit einem überraschenden Vorstoß die Geldhäuser entlasten: Nach all dem Wirrwarr dringen sie nun darauf, den europäischen Banken für die Abgabe des Stresstests mehr Zeit einzuräumen.

Die Zentrale der NordLB in Hannover: mehr Zeit für den Stresstest. Quelle: pressefoto

Die Zentrale der NordLB in Hannover: mehr Zeit für den Stresstest.

FrankfurtDeutschland tritt bei den neuen Stresstests für die europäische Bankenbranche auf die Bremse. Die deutschen Finanzaufseher dringen darauf, den Geldhäusern zwei Wochen mehr Zeit zu geben, ihre Stresstest-Unterlagen bei der Europäischen Bankenaufsicht EBA einzureichen. Grund ist der andauernde Streit darüber, ob die hierzulande weit verbreitete Kapitalform der Stillen Einlagen bei den Belastungsproben anerkannt wird. Ein Sprecher der Bundesbank sprach am Donnerstag von Verzögerungen bei der Definition des Kapitals und anderer Test-Parameter.

Der deutsche Vorstoß dürfte Finanzkreisen zufolge indes wenig Aussicht auf Erfolg haben, da dadurch der gesamte Zeitplan für die Tests ins Wanken geraten könnte. Mit den Proben sollen die Folgen einer Rezession und einer Verschärfung der Schuldenkrise auf die Kapitalausstattung der Banken untersucht werden.

Eigentlich sollten die Daten der Institute Ende April bei der EBA vorliegen, Ergebnisse sollen dann Ende Juni veröffentlicht werden. Dazu müssten die 88 teilnehmenden Banken die Unterlagen bereits in der kommenden Woche bei ihren nationalen Aufsehern einreichen. Doch erst an diesem Freitag will die EBA festlegen, wie das Kapital genau definiert wird, an dem die Banken gemessen werden. Fallen die Stillen Einlagen heraus, wird es vor allem für die beiden gut durch die Krise gekommenen Landesbanken Helaba aus Frankfurt und NordLB aus Hannover eng. Denn ihr Kapital besteht zu einem großen Teil aus diesen Instrumenten. Die hessische Landesregierung hat deshalb eine Klage gegen die EBA nicht ausgeschlossen.

EBA-Chef Andrea Enria machte den Landesbanken am Mittwochabend wenig Hoffnung: „Die Definition wird am Ende nicht weg sein von den Basel-III-Vorschriften, wie sie nach deren Umsetzung in den ersten Monaten von 2013 gelten. Ich gehe davon aus, dass sie sogar etwas härter sein wird.“ Ein Großteil der Stillen Einlagen wird unter Basel III nicht mehr zum harten Kernkapital gezählt, damit würden sie auch bei den Stresstests herausfallen. Entscheidend sei, dass es in Europa eine einheitliche Linie gebe. „Wir können nicht 27 verschiedene Kapitaldefinitionen in Europa haben - das ist inakzeptabel“, sagte der oberste europäische Bankenaufseher.

Aufsichtskreisen zufolge wird in dem Test wohl eine harte Kernkapitalquote von fünf Prozent als Minimum gefordert. Alle Banken, deren Kapitalausstattung unter Stressbedingungen unter diese Marke sinkt, würden demnach durchfallen. Die EU-Kommission und die EBA wollen solche Banken zwingen, sich ein höheres Kapitalpolster zuzulegen. Für die neue Behörde ist der Stresstest eine erste Bewährungsprobe. Sie hat angekündigt, dass die Untersuchung härter ausfallen wird als der Test im vergangenen Jahr, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Damals waren nur sieben Institute durchgefallen, unter allem alle irischen Banken, die kurze Zeit später vom Staat aufgefangen werden mussten.

 

Von

rtr

Kommentare (2)

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KurtM

07.04.2011, 10:40 Uhr

Jeglicher Stresstest ist eine Farce
Da wird manipuliert und gelogen wies beliebt...
Und das naive Volk glaubt auch noch diesen verlogenen Unsinn.
Sehr bald kracht es ganz gewaltig.
Als Auslöser werden vermutlich "Naturkatastrophen" herhalten müssen.
Und auch das wird das naive Volk wieder glauben - genauso wie z.B. vor kurzem in Japan.

j.beck

07.04.2011, 11:32 Uhr

Einfach unglaublich. Keinem Unternehmer würde jemals erlaubt werden Prüfungen, weil es gerade noch nicht so gut läuft, einfach zu verschieben oder gar faule Bilanzwerte in Bad Banks auszulagern. Was führt uns die Politik hier vor? Mit welchem Recht werden Menschen noch für irgend etwas zur Verantwortung gezogen, wenn eine Gruppe derart schmerzlos machen kann was sie will. Wutbürger? Selbstverständlich!

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