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03.02.2011

11:58 Uhr

Bundesbankvorstand Dombret

"Landesbanken können keine Global Player mehr sein"

VonPeter Köhler, Oliver Stock

Bundesbankvorstand Andreas Dombret begrüßt das deutsche Gesetz zur Restrukturierung angeschlagener Banken, räumt allerdings dennoch einen Rest an Unsicherheit ein. Doch eins stellt er im Interview klar: Alle Fortschritte bei der Konsolisierung der Landesbanken seien bisher nur durch Druck der EU erzielt worden.

Andreas Dombret: Der Bundesbankvorstand fordert ein international abgestimmtes Vorgehen. EUROFORUM Deutschland SE, Dietma

Andreas Dombret: Der Bundesbankvorstand fordert ein international abgestimmtes Vorgehen.

Handelsblatt: Herr Dombret, Sie sind jetzt ein knappes Jahr im Vorstand der Bundesbank. Davor waren Sie vor allem in angelsächsischen Häusern wie JP Morgan und der Bank of America in leitender Funktion tätig. Unterscheiden sich die Kulturen stark?

Dombret: Es gibt natürlich deutliche Unterschiede. Vor allem die Anreizsysteme sind völlig andere: Bei den Investmentbanken kennt man vor allem die monetäre Belohnung, bei der Bundesbank stehen übergeordnete qualitative Ziele wie die Festigung der Finanzstabilität im Vordergrund. Ich fühle mich bei der Bundesbank jedenfalls rundum wohl. Und was Sie vielleicht überraschen wird: Ich bin heute sogar international mehr unterwegs als je zuvor.

HB: Aber zunächst sind Sie im Inland gefordert, für die WestLB stehen entscheidende Weichenstellungen an. Am 15. Februar muss die Landesbank bei EU-Wettbewerbskommissar Almunia einen Zukunftsplan vorlegen. Treibt Sie das um?

Dombret: Diesen Termin hat die Kommission gesetzt. Aus unserer Sicht ist entscheidend, dass alle Seiten konstruktiv und flexibel zusammenarbeiten.

HB: Und das heißt?

Dombret: Es wäre nicht hilfreich, wenn eine Situation geschaffen würde, die weitergehende Folgen hätte, als man mit dieser Entscheidung bewirken will. Es geht hier im Kern um eine Entscheidung der Wettbewerbskommission. Man kann aber bei solch weitreichenden Entscheidungen nicht die Frage der Finanzstabilität außer Acht lassen. Insofern würde ich mich persönlich dafür aussprechen, alle Aspekte, die hier wichtig sind, auch zu berücksichtigen und in eine Entscheidung einfließen zu lassen.

HB: Viele Beteiligte bei der WestLB haben Angst, dass die Bank zum ersten Restrukturierungsfall unter dem neuen Gesetz des Bundes wird und man nicht absehen kann, was dann eigentlich passiert.

Dombret: Das ist eine hypothetische Aussage.

HB: Trotzdem: Das Restrukturierungsgesetz steht jetzt. Könnte es dazu beitragen, dass das ganze System stabiler wird. Was ist Ihre Einschätzung?

Dombret: Zunächst ist das Restrukturierungsgesetz erst einmal grundsätzlich zu begrüßen, weil es in die richtige Richtung geht. Warum? Weil es die Lehren aus der Finanzkrise umsetzt und auch das „moral hazard“-Problem aufgreift. Das Restrukturierungsgesetz ist zugleich aber auch eine neue gesetzliche Grundlage, die noch nicht getestet worden ist und die es bisher so nirgends sonst in Europa und im Gemeinsamen Binnenmarkt gibt. Fakt ist: Es ist noch nie ein Restrukturierungsgesetz dieser Art angewandt worden, und bei all den Gesetzen, die nie getestet worden sind, fehlt ein wenig die Sicherheit hinsichtlich der genauen Auswirkungen. Einen Rest an Unsicherheit gibt es in solchen Situationen naturgemäß immer.

HB: Was ist zu tun?

Dombret: Wir brauchen vor allem ein international abgestimmtes Vorgehen, zumindest aber eines auf EU-Ebene, als Grundlage für die grenzüberschreitende Abwicklung von großen, komplex verflochtenen, systemrelevanten Kreditinstituten, den sogenannten SIFIs.

HB: Wenn man immer sagt, das muss europäisch abgestimmt werden, dann ist das manchmal auch so ein Verschieben auf den Sankt Nimmerleinstag. Vielleicht sollte man besser zuhause anfangen …

Dombret: Das hat die Bundesregierung ja gerade getan, indem sie das Restrukturierungsgesetz eingeführt hat. Es wäre aber gut und notwendig, wenn andere Länder jetzt zeitnah nachziehen würden.

Kommentare (1)

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Stefan L. Eichner

03.02.2011, 11:00 Uhr

Die „too-big-to-fail“-Problematik wurde im Zuge der Krise durch Regierungen und behörden ja erst einmal noch weiter verschärft, indem Übernahmen von in Schieflage geratenen instituten genehmigt und so noch größere Player geschaffen wurden (beispiele: JP Morgan Chase: bear Stearns und Washington Mutual, bank of America: Countywide und Merrill Lynch). Eine neue M&A-Welle ist durch die Krise in Gang gekommen – nicht nur, aber vor allem auch im bankensektor.

Die Frage, inwieweit die in der Krise aufgetretene instabilität des bankensystems nicht eventuelle gerade auch eine Folge der die spezifischen Marktstruktur ist, das heißt durch die Dominanz einer sehr begrenzten Anzahl sehr großer Player induziert wird, wird in der aktuellen Diskussion über die SiFis komplett ausgeblendet.

Große institute einfach als systemrelevant und nicht ersetzbar zu erklären, ist ja letztlich nicht nur eine bestandsgarantie. Es ist auch eine Kapitulation vor der Aufgabe, funktionsfähige Märkte zu schaffen, die deswegen stabil sind, weil es einen wirksamen Wettbewerb gibt. Denn: Wirksamer Wettbewerb ist die stärkste regulierende Kraft, die wir haben. Zur Verdeutlichung: banken einfach zu SiFis zu erklären, ist nichts anderes als der Versuch der Regierungen bzw. der Aufsicht, eine Art „Als-ob“-Wettbewerb zu realisieren. Das ist ein sehr gewagtes Experiment mit zweifelhaftem Ausgang.

ich bin kein befürworter eines sich selbst überlassenen, freien Wettbewerbs – schon deswegen nicht, weil es einen sich selbst regulierenden Wettbewerb m. E. nicht gibt. Das ist eine der Lehren aus der Finanzmarktkrise. Es stellt sich deswegen natürlich die Frage, wie wirksamer Wettbewerb stattdessen zu definieren wäre – für den bankensektor. Denn gegenwärtig existiert dort zweifellos Wettbewerb, aber er erfüllt – neben anderen Unvollkommenheiten - nicht seine regulierende Funktion. Gerade auch deswegen ist es ja zu den Entgleisungen gekommen, die die Finanzmärkte ins Chaos zu stürzen drohten. Daran hat sich im Grundsatz auch nichts geändert, was eine latente Gefahr für die Stabilität der Märkte darstellt.

Es steht zu befürchten, dass die aktuellen bestrebungen ihr Ziel der Systemstabilität nicht erreichen, wenn dieser Aspekt nicht mitbetrachtet und berücksichtigt wird.

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