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01.02.2010

11:57 Uhr

Bundesobmann

Dekabank zieht Sparkassen an

VonFrank Matthias Drost

ExklusivDer Bundesobmann der Sparkassen, Helmut Schleweis, trommelt für eine Mehrheitsbeteiligung an dem Fondsdienstleister. Eine Fusion von Sparkassen und Landesbanken lehnt er im Gespräch mit dem Handelsblatt ab.

Helmut Schleweis, Bundesobmann der Sparkassen. Pressebild

Helmut Schleweis, Bundesobmann der Sparkassen.

BERLIN. Handelsblatt: Manche Landesbanken denken aus Not darüber nach, sich von Anteilen des Fondsdienstleisters Dekabank zu trennen. Sollten die Sparkassen zugreifen?

Helmut Schleweis: Ja, auf jeden Fall. Es ist ein alter Traum der Sparkassen, die Mehrheit an der Dekabank zu besitzen. Derzeit halten ja Landesbanken und Sparkassen jeweils die Hälfte. Für die Sparkassen ist die Dekabank als zentraler Fondsdienstleister ein unverzichtbares Asset. Sollten weitere Anteile auf den Markt kommen, sollten die Sparkassen sich das nicht entgehen lassen. Die Landesbank Baden-Württemberg hat bereits signalisiert, sich von ihren Anteilen zu trennen.

HB: Würde es denn Sinn ergeben, zu einem späteren Zeitpunkt die Dekabank und die Landesbank Berlin, die sich ja vollständig in Sparkassenbesitz befindet, näher zusammenzubringen?

Schleweis: Diesen Gedanken gab es schon. Zwei Finanzdienstleister zu kombinieren ergibt nur dann Sinn, wenn ein strategischer und wirtschaftlicher Mehrwert erzielt wird. Derzeit sehe ich keine Notwendigkeit.

HB: Wird 2010 ein hartes Jahr für die Sparkassen?

Schleweis: Die schwierige wirtschaftliche Situation wird wohl nicht ohne Auswirkung auf die Kreditwirtschaft – und damit auch auf die Sparkassen – bleiben. Ich sehe da beispielsweise steigende Kreditrisiken auf uns zukommen. Die Risiken bei den Wertpapieranlagen sehe ich dagegen eher als beschränkt an.

HB: Sie rechnen mit größeren Belastungen als 2009?

Schleweis: Die Erfahrung zeigt, dass sich eine Wirtschaftskrise erst mit einer gewissen Verzögerung als Wertberichtigungen in den Büchern niederschlägt. Da wir die maßgeblichen Finanziers des Mittelstands im Aufschwung waren, ist es zu erwarten, dass wir auch von den Entwicklungen eines teilweise im Abschwung befindlichen Mittelstands berührt werden. Es wird aber unterm Strich für die Sparkassen beherrschbar bleiben.

HB: Aber auch die Sparkassen dürften nichts zu verschenken haben…

Schleweis: Natürlich ist für unsere Kreditentscheidung die Bonität maßgeblich. Aber die Sparkassen zeichnen sich durch ihre große Nähe zu ihren Kunden aus. Und bei langjährigen Beziehungen kann ein Unternehmen auch durch die Krise begleitet werden. Wir müssen immer darauf achten, dass Kredite bedient und zurückgezahlt werden können. Dies gilt aber zu allen Zeiten, daher waren die Sparkassen auch ein stabilisierendes Element in der Finanzkrise.

HB: Wenn da nicht die Landesbanken wären …

Schleweis: Wir müssen sehen, wie sich die Landesbanken weiter entwickeln. Wir werden auch zukünftig mehrere Landesbanken brauchen, um Aufgaben im Auslandsfinanzierungs- und Konsortialgeschäft stemmen zu können. Aber wir brauchen nicht so viele Landesbanken, wie wir derzeit haben.

HB: Sehen Sie eine Konsolidierung unter den Landesbanken im laufenden Jahr?

Schleweis: Nein. Betriebswirtschaftlich sind Fusionen in der Lage, in der sich die meisten Landesbanken jetzt befinden, nicht sinnvoll. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass Dekonsolidierung durch Privatisierung auch eine Form der Konsolidierung ist. Die Mehrheitseigner der BayernLB und der HSH Nordbank streben dies erklärtermaßen an. Ähnlich verhält es sich mit der WestLB. Ich könnte gut damit leben, wenn es vorerst zum Beispiel nur noch vier Landesbanken gäbe.

HB: Würde es nicht alle Probleme lösen, wenn Sparkassen und Landesbanken zusammengehen würden?

Schleweis: Fusionen von Sparkassen und Landesbanken würden nur kurzfristig den Landesbanken helfen, weil sie ihnen die Reserven der Sparkassen zugänglich machen würden. Damit würde aber nur der eigentliche strukturelle Handlungsbedarf bei den Landesbanken zugedeckt. Deshalb wird dies nur von Personen gefordert, die eigentlich bei den Landesbanken nichts ändern wollen.

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