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23.01.2004

15:52 Uhr

Bundesregierung fordert Konsolidierung der Branche

Rampl heizt Spekulationen über Bankenfusion an

Die Spekulationen über bevorstehende Fusionen im deutschen und europäischen Bankensektor haben neue Nahrung erhalten. „Ich halte im laufenden Jahr größere Zusammenschlüsse in Europa für möglich“, sagte der Chef der Hypo-Vereinsbank (HVB), Dieter Rampl, in einem Zeitungsinterview.

HB FRANKFURT. Auch die Bundesregierung appellierte an die Branche, den lange verzögerten Konzentrations- und Fusionsprozess jetzt in Angriff zu nehmen. „Das Zeitfenster ist begrenzt“, sagte Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser dem „Handelsblatt“ am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. In anderen Ländern sei die Umstrukturierung schon weiter fortgeschritten.

„Ich halte im laufenden Jahr größere Zusammenschlüsse in Europa für möglich“, sagte Rampl der „Börsen-Zeitung“. „Wenn der erste Zusammenschluss über die Bühne geht, könnten andere Player unter Zugzwang geraten.“ Kehrseite der von der Politik geforderten Konsolidierung sei aber eine mögliche Fortsetzung des Filialsterbens.

Der HVB-Chef schließt auch Übernahmen deutscher Institute durch ausländische Konkurrenten nicht aus. Ausländische Banken, die aus einem konsolidierten Heimatmarkt heraus handelten, hätten „mit Sicherheit Größeres in Europa im Sinne“, sagte er.

Bei der Beurteilung einer Fusionsofferte für das eigene Haus spiele eine entscheidende Rolle, welche Bedeutung der Bank und ihren Beschäftigten zukomme. „Wen die HVB nur wegen Österreich und Osteuropa interessiert, der hat bei uns wohl kaum eine Chance“, sagte der Manager.

Seit Monaten wird über ein Zusammengehen der HVB mit der Commerzbank spekuliert. Beide Häuser hatten jedoch erst vergangene Woche laufende Fusionsgespräche als „Unsinn“ bezeichnet. Auch Spekulationen über eine Fusion der HVB mit der Bayerischen Landesbank halten sich hartnäckig. Diese Lösung brächte der HVB laut Rampl vor allem das Kreditgeschäft mit Großkunden ein. „Man gewinnt aber keinen breiten Kundenstamm wie es sich zum Beispiel aus dem Retailgeschäft einer Bank ergäbe“, so der HVB-Chef. Daher mache die bayerische Lösung nur begrenzt Sinn.

Bankenexperten gehen davon aus, dass Rampl sein Institut allmählich für eine Fusion positioniert. „Seit Anfang des Jahres redet Rampl viel. Ich glaube, er sieht die Konsolidierung mittelfristig ganz sicher kommen und wirft seinen Hut in den Ring“, sagte Konrad Becker von Merck Finck in München. Die Position der Politik sei ebenfalls klar: „Es ist der Bundesregierung sicher lieber, dass die deutschen Banken zunächst intern konsolidieren und nicht von ausländischen Instituten aufgekauft werden.“

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