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14.10.2015

13:17 Uhr

Burnout bei Investmentbankern

Praktikanten völlig ausgebrannt

VonElisabeth Atzler

Investmentbanker schlafen auf der Toilette. Eine 80-Stunden-Woche ist erwünscht. Und man sollte immer erreichbar sein. Wie hart ein Job in der Bankenbranche noch immer ist, erzählt ein junger Analyst aus London.

Noch immer klagen Investmentbanker über Überstunden. Dabei hat sich die Branche strenge Standards gesetzt.

Burnout

Noch immer klagen Investmentbanker über Überstunden. Dabei hat sich die Branche strenge Standards gesetzt.

FrankfurtViele Investmentbanker, Analysten wie Berater, sind chronisch überarbeitet. Das gilt auch für Berufsanfänger. Wie heftig die Anforderungen in den Topadressen sind, machte ein Todesfall klar. Ein Nachwuchsbanker war Mitte 2013 nach einer extrem langen Arbeitszeit gestorben. Der junge Deutsche absolvierte ein siebenwöchiges Praktikum bei der Bank of America in London. Laut der Gerichtsmedizin starb er an Epilepsie. Weil er häufig bis morgens um fünf gearbeitet hatte, wurde sein Tod aber schnell auch mit möglicher Überarbeitung in Zusammenhang gebracht.

Die Banken geloben daher seit einiger Zeit Besserung. Am schnellsten reagierte damals Goldman Sachs: Die Investmentbank kündigte an, für ihre Praktikanten gelte ab sofort die Fünf-Tage-Woche, sie sollten nur noch in Ausnahmefällen Arbeit mit in das Wochenende nehmen. Die Bank of America wiederum empfahl ihren jungen Leuten in einem Rundschreiben, pro Monat mindestens vier Wochenendtage frei zu nehmen. JP Morgan hatte bereits angekündigt, mehr Leute einzustellen, um der Überarbeitung junger Mitarbeiter vorzubeugen.

Die 10 zynischen Gebote für das Investmentbanking

Regel 1

Wir ziehen uns konservativ an. Keine Socken zu tragen ist verboten, sie zu tragen, ist angeraten.

Regel 2

Wem es zu stressig wird, soll besser nicht bleiben.

Regel 3

Du musst der letzte am Schreibtisch sein, egal wie spät es ist. Und früher da zu sein, als die anderen, wäre sogar noch besser.

Regel 4

Wendet euch nur an einen bestimmten Kontakt mit Fragen. Wer mich fragt – das fällt negativ auf.

Regel 5

Zieht niemals das Sakko/die Jacke aus. Wir sind hier im Investmentbanking.

Regel 6

Bringt euren Mentoren Frühstück mit.

Regel 7

Bringt ein Kissen mit ins Büro. Das macht die Übernachtung im Büro einfacher.

Regel 8

Versorgt das Team mit Snacks.

Regel 9

Habt eine Reserve-Krawatte oder einen -Schal dabei - vielleicht braucht euer Betreuer einmal eine Serviette.

Regel 10

Ein Zettel hängt aus, auf dem ihr eintragt, wann und warum ihr euren Schrebtisch für wie lange verlasst. Das ist wichtig gegen Ende des Praktikums.

Quelle

Quelle: E-Mail eines Barclays-Analysten in den USA an neue Praktikanten im Frühjahr 2015.

Weniger Druck scheint bitter nötig. Anfang 2014 nahmen sich mehrere Investmentbanker das Leben. So sprang ein Investmentbanker von JP Morgan vom Dach des Londoner Büroturms der Bank in den Tod.

Trotz der tragischen Ereignisse hat sich bisher wenig geändert. Im Grunde gar nichts, wenn man einem jungen Investmentbanker glauben darf, der auf dem Jobportal efinancialcareers.co.uk seine Erfahrungen schildert. Jim Keen, so sein Pseudonym, meint, es müsse sich nach wie vor viel ändern.

Kommentare (50)

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Herr Marc Otto

14.10.2015, 13:31 Uhr

wow, das sind die Themen, welche die Welt (der Flöhe und Ameinsen) bewegt.

Herr Gerd St

14.10.2015, 13:35 Uhr

Man, was soll denn das Gejammer. Die Leute haben sich bewusst diesen Jon ausgesucht, weil sie viel (und sehr viel ) Geld verdienen wollen. Dann müssen sie in der Folge auch eine weit überdurchschnittliche Arbeitsleistung erbringen... gleich ob als Arbeit in sich selbst oder aber im Zeiteinsatz.
Wollen sie das nicht, bleibt ihnen zur Sparkasse nach Plattling oder Gummersbach zu gehen. Da geht es dann gesitteter zu und gut verdienen sie auch noch.
Aber die aufgestellte Forderung ist schon klasse : eine gute worklife Balance und ein riesiges Einkommen.
Jeder bekommt das, wofür er sich entscheidet. Mein Mitleid hält sich da stark in Grenzen.

Herr aus NRW

14.10.2015, 13:35 Uhr

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