Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.10.2011

16:44 Uhr

Carsten Kengeter

UBS-Investmentbank-Chef soll zurücktreten

Erst der Rücktritt von UBS-Konzernchef Oswald Grübel, jetzt soll Investmentbank-Chef Carsten Kengeter folgen. Das fordern die Aktionäre der Großbank. Die „NZZ“ spricht von einem „Bauernopfer“.

Soll zurücktreten: Carsten Kengeter.

Soll zurücktreten: Carsten Kengeter.

ZürichNach dem Handelsskandal bei der Schweizer Großbank UBS und dem Rücktritt von Konzernchef Oswald Grübel haben Aktionäre auch Investmentbank-Chef Carsten Kengeter zum Rücktritt aufgefordert. Im Top-Management der UBS müsse der Generationswechsel weitergehen, erklärte die einflussreiche Anlagestiftung Ethos. „Dies betrifft insbesondere auch die Position des Chefs der Investmentbank“, erklärte ein Ethos-Sprecher am Donnerstag. Der Rücktritt der beiden Chefs des UBS-Aktienhandels am Mittwochabend sei „ein Bauernopfer der UBS“ titelte die angesehene „Neue Zürcher Zeitung“ (Donnerstagausgabe).

Auffallend sei, wie schwer sich die Bank mit der Disziplinierung von Kengeter tue, der offenbar erst einmal nicht zu ersetzen sei, so die Zeitung. Es sei nicht ersichtlich, auf welcher Grundlage die am Mittwoch gemeldeten Personalentscheidungen getroffen worden seien, erklärte der Ethos-Sprecher weiter. UBS hatte am Mittwochabend mitgeteilt, die beiden Co-Chef des Aktienhandels Francois Gouws und Yassine Bouhara seien zurückgetreten, „da sie die Gesamtverantwortung für die effektive Führung des Equity-Geschäfts tragen“.

Dass es zu dem Milliardenverlust in London kam, lag nach Einschätzung des neuen Konzernchefs Sergio Ermotti an der mangelnden Durchsetzung interner Kontrollen. Die Risikokontrollsysteme hätten zwar ungeklärte und nicht genehmigte Aktivitäten angezeigt. „Dem wurde allerdings zu wenig nachgegangen“, schrieb Ermotti in einem internen Brief an die Mitarbeiter. In dem von den beiden zurückgetretenen Managern geleiteten Bereich hatte der inzwischen festgenommene Händler Kweku Adoboli gearbeitet und ein Loch von 2,3 Milliarden Dollar hinterlassen.

Der Rücktritt der beiden Manager zeige, dass UBS Maßnahmen ergreife und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen werde, erklärte der Bankenanalyst Andreas Venditti von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Ein anderer Analyst sagte, es sei von außen schwer einzuschätzen, wie stark Kengeter selbst für den Handelsverlust die Verantwortung übernehmen müsste. Kurz nach dem Rücktritt Grübels hatte UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger erklärt, Kengeter habe bei der Schadensbegrenzung einen exzellenten Job gemacht.

Ermotti kündigte in seinem Schreiben „scharfe Disziplinarmassnahmen gegen weitere Personen aus dem Equities-Geschäft und andere verantwortliche Funktionen“ an. Nach Angaben von mit der Sache vertrauten Personen wurden sechs Händler beurlaubt. Kengeter schrieb in einem eigenen Brief an seine Mitarbeiter, die Investment Bank werde alle Empfehlungen umsetzen, die sich aus der vom UBS-Verwaltungsrat eingeleiteten unabhängigen Untersuchung ergeben. Insgesamt würden die Kontrollen verschärft. UBS werde in Bereiche investieren, die in einem neuen regulatorischen und wirtschaftlichen Umfeld wirtschaftlich und strategisch sinnvoll seien und Geschäfte dort aufgeben, wo dies nicht der Fall sei.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×