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03.04.2006

14:35 Uhr

Cerberus kauft GMAC-Mehrheit

Hedge Fonds bekommt Zuschlag für GM-Perle

Der angeschlagene US-Autobauer General Motors verkauft die Mehrheit an seiner Finanzsparte GMAC. Das beschert ihm Milliarden. Doch dafür fehlt den Detroitern künftig der profitabelste Bereich im Konzern.

Motiv einer Markenkampagne der General-Motors-Tochter GMAC in Europa.

Motiv einer Markenkampagne der General-Motors-Tochter GMAC in Europa.

HB DETROIT. 51 Prozent von GMAC würden für 14 Mrd. Dollar (11,7 Mrd. Euro) an ein Konsortium gehen, das vom Hedge Fonds Cerberus Capital Management angeführt werde, teilte GM am Montag mit. Dem Konsortium gehören auch die Citigroup und die japanische Aozora Bank an. Neben Cerberus hatte sich auch der Finanzinvestor KKR um einen Kauf der GM-Finanztochter bemüht.

10 Mrd. Dollar erhält GM sofort, die restlichen 4 Mrd. Dollar sollen sich in den kommenden drei Jahren aus den Buchwerten von GMAC realisieren. Der Kauf solle bis zum vierten Quartal 2006 abgeschlossen sein. GMAC und GM würden auch nach diesem Zeitpunkt weiter zusammenarbeiten. GM hatte im Oktober angekündigt, sich vom Kontrollanteil der General Motors Acceptance Corp. (GMAC) zu trennen. Die Anteile sollten GM einen dringend benötigten Geldzufluss bescheren.

GM steht unter starkem Sanierungsdruck. Ein Verlust von 10,6 Mrd. Dollar im Jahr 2005, behördliche Untersuchungen, rückwirkende Bilanzkorrekturen, Herabstufung der Kredit-Ratings durch die Rating-Agenturen und ein notleidendes Nordamerika-Autogeschäft haben GM mächtig zugesetzt. Der weltgrößte Autokonzern hat bereits mit dem Verkauf von Vermögenswerten sowie Beteiligungen an anderen Firmen begonnen.

Die Finanzsparte GMAC, zuständig für Autofinanzierungen sowie Hypotheken- und andere Finanzgeschäfte, ist die gewinnträchtigste GM-Tochter. Sie hatte im vergangenen Jahr 2,4 Mrd. Dollar Gewinn an GM abgeführt. Sie leidet mit ihren Kredit-Ratings aber ebenfalls unter der Misere der Muttergesellschaft. GM-Konzernchef Rick Wagoner hatte einen Verkauf der GMAC-Mehrheitsbeteiligung bereits im vergangenen Jahr angepeilt, doch erwies er sich wegen der GM-Probleme als schwierig.

GM hofft, dass das GMAC-Kredit-Rating mit einem finanzstarken neuen Mehrheitsbesitzer hochgestuft wird. Damit könnte die Finanzfirma ihre Mittelbeschaffungskosten wieder reduzieren und GM kostgünstigere Finanzierungsmöglichkeiten für die Kunden einräumen. GM würde allerdings zukünftig auch nur noch die Hälfte des GMAC-Gewinns erhalten. GMAC hatte in den vergangenen Jahren den Löwenanteil der GM-Gewinne erbracht, während mit Autos selbst nur wenig Geld verdient wurde. GM gibt zudem die Kontrolle über das für den Fahrzeugverkauf so bedeutende Leasinggeschäft auf.

GM-Boss Rick Wagoner war indes dringend auf einen Achtungserfolg angewiesen, nachdem der Konzern vor wenigen Tagen überraschend wegen Bilanzfehlern seinen Verlust für das abgelaufene Jahr rückwirkend um 2 Mrd. Dollar auf 10,6 Mrd. Dollar aufstockten musste.

Neues Ungemach droht GM durch die Krise seines wichtigsten Zulieferers Delphi. Die insolvente Firma beantragte am Freitag beim Insolvenzrichter die Auflösung aller Tarifverträge in den USA, was einen für GM existenzgefährenden Streik beim Zulieferer näher rücken lässt. Delphi will zudem fast 30 000 Stellen weltweit streichen und mehr als zwei Drittel seiner US-Werke schließen. Nach US-Recht haben die Gewerkschaften bis zur frühestens im Mai erwarteten Entscheidung des Gerichts eine Friedenspflicht. Ein Streik könnte GM nach Meinung von Experten in die Insolvenz treiben. Für den Fall einer Genehmigung des Delphi-Antrags zur Tarifaufkündigung hält es Ron Gettelfinger, der Präsident der mächtigen Autogewerkschaft UAW, „für scheinbar ausgeschlossen, dass ein langer Streik vermieden werden kann“.

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