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06.12.2013

17:36 Uhr

Chef Michael Diekmann

Niedrige Zinsen setzen Allianz nicht zu

„Wir haben einen Mix gefunden, bei dem die Ergebnisse relativ stabil bleiben“: Allianz-Chef Michael Diekmann macht sich kein Sorgen um niedrige Zinsen. Er geht weiterhin von stabilen Ergebnissen aus.

Der Vorstandsvorsitzende der Allianz, Michael Diekmann: „Unsere Lebensversicherungspolice 'Perspektive' verkauft sich wirklich gut und macht schon 16 Prozent am Neugeschäft der Vertreter aus.“ dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Allianz, Michael Diekmann: „Unsere Lebensversicherungspolice 'Perspektive' verkauft sich wirklich gut und macht schon 16 Prozent am Neugeschäft der Vertreter aus.“

BerlinDie niedrigen Zinsen bereiten Allianz-Chef Michael Diekmann kein Kopfzerbrechen. „Wir haben einen Mix gefunden, bei dem die Ergebnisse relativ stabil bleiben, gleichgültig, ob die Zinsen rauf oder runter gehen“, sagte Diekmann der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagsausgabe) laut Vorabbericht vom Freitag. Selbst in der Lebensversicherungssparte, die von den niedrigen Zinsen stark betroffen ist, fährt der Branchenprimus Gewinne ein, auch dank der Einführung einer neuen Produktreihe ohne die üblichen lebenslangen Zinsgarantien. „Unsere Lebensversicherungspolice 'Perspektive' verkauft sich wirklich gut und macht schon 16 Prozent am Neugeschäft der Vertreter aus“, sagte Diekmann. Um die Kunden zu locken, bietet die Allianz 0,3 Prozentpunkt mehr Rendite als für klassische Policen.

Die Überschussbeteiligung für seine rund neun Millionen Lebensversicherungs-Kunden hält Allianz stabil - zum ersten Mal seit fünf Jahren. Die Gesamtverzinsung einschließlich des Schlussüberschusses wird auch 2014 bei 4,2 Prozent liegen, die laufende Verzinsung klassischer Lebens-Policen bei 3,6 Prozent, wie Allianz Deutschland am Mittwoch mitgeteilt hatte. Das wurde von Experten als Kampfansage an die Konkurrenz gewertet, die angesichts der niedrigen Zinsen stärker unter Druck steht als Europas größter Versicherer. Die Allianz habe als Marktführer mit ihrer Größe und Marke in unsicheren Zeiten einen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb, sagte Diekmann.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Dass sich die Finanzaufsicht BaFin zu Schwierigkeiten und möglichen Pleiten von Lebensversicherer geäußert hat, findet Diekmann „ungewöhnlich“. Die Deutschen dürften nicht „den Glauben an das Vorsorgesparen“ verlieren. „In einer Zeit, in der kaum einer mehr an irgendetwas glaubt, reichen schon Gerüchte aus“, sagte er.

Ende November hatte die BaFin gewarnt, die neuen Eigenkapitalregeln für die europäischen Versicherer könnten einige deutsche Lebensversicherungsunternehmen in ihrer Existenz gefährden. „Ich bin nicht sicher, ob es alle Versicherer schaffen werden“, sagte der oberste Versicherungsaufseher der Behörde, Felix Hufeld, damals auf einer Veranstaltung an der Universität Frankfurt. Einige litten unter den niedrigen Zinsen und könnten deshalb das nötige Eigenkapital unter den neuen Vorschriften Solvency II nicht aufbauen. „Es könnten fünf oder zehn sein - ich weiß es nicht“, sagte Hufeld. Die BaFin beaufsichtigt in Deutschland mehr als 90 Lebensversicherer.

Von

rtr

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