Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2011

12:22 Uhr

Chris Whalen

"Die Banken verlieren Flexibilität"

Über die Folgen des Schattenbanken-Systems für die Banken und die Finanzstabilität sprach Rolf Benders mit Chris Whalen, Wall-Street-Veteran und Geschäftsführer der Investmentfirma Institutional Risk Analytics.

Chris Whalen, Institutional Risk Analytics. Pressebild

Chris Whalen, Institutional Risk Analytics.

Handelsblatt: Wird die Abwanderung ganzer Abteilungen die Banken der Wall Street hart treffen?

Chris Whalen: Ehrlich gesagt kann ich das nicht erkennen. Die Einnahmeverluste zum Beispiel beim Eigenhandel für Goldman Sachs & Co werden eigentlich sehr begrenzt sein. Denn durch die eine oder andere Hintertür werden sie weiter auf eigene Rechnung handeln können. Das dürfte nicht so schwierig sein.

Handelsblatt: Wie funktioniert das trotz des Eigenhandelsverbotes durch das Regulierungsgesetz aus dem vergangenen Sommer?

Whalen: Man sieht es bereits an den Abspaltungen, die öffentlich geworden sind. Die Banken halten weiter Anteile an den neuen Firmen ihrer Ex-Mitarbeiter. Sie verdienen nicht nur mit, sondern haben nun eine neue Kundenbeziehung, die Geld abwirft. In vielen Fällen werden sie sogar Aufsichtsräte benennen und Einfluss auf die Strategie nehmen können. Außerdem kann man Eigenhandel auch ganz gut in anderen Bereichen der Bank, etwa im Kundenhandel oder in der Refinanzierung, also im sogenannten Treasury, verstecken.

Handelsblatt: Also bleibt schlicht alles beim Alten?

Whalen: Nicht ganz. Aber die verbliebenen Einnahmeverluste sind nicht das, was den Vorständen an der Wall Street wirklich wehtut. Schmerzlicher ist vor allem der Verlust an Flexibilität. Früher konnten sie ihre Quartalzahlen kurz vor der Veröffentlichung durch ein paar große Geschäfte im Eigenhandel aufpolieren und so dafür sorgen, dass das Ergebnis über den Analystenerwartungen lag. Das wird nun deutlich schwieriger.

Handelsblatt: Welcher Sektor wächst durch die Abwanderung der Händler?

Whalen: Viele werden ihr Glück mit einem eigenen Hedge-Fonds versuchen. Aber das ist derzeit ein schweres Geschäft. Die Zahl der Hedge-Fonds mag steigen. Ich rechne aber nicht damit, dass dieser Sektor, gemessen etwa am verwalteten Vermögen, dadurch wachsen wird.

Handelsblatt: Wer profitiert dann von der Entwicklung?

Whalen: Es sind eher die alteingesessenen, kleineren Finanzfirmen wie Guggenheim oder Jefferies, die wenn auch langsam, aber sehr merklich expandieren. Das sieht man bereits jetzt, auch wenn nicht so viel darüber geschrieben wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×