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13.01.2016

14:41 Uhr

Christian Bittar und Euribor

Ex-Händler der Deutschen Bank ab Herbst 2017 vor Gericht

Christian Bittar, der frühere Star-Händler der Deutschen Bank, muss sich ab Herbst 2017 vor Gericht verantworten. Zunächst musste er eine Kaution von 1,3 Millionen Euro zahlen, um der Untersuchungshaft zu entgehen.

Der Franzose war bekannt geworden, weil er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte. Reuters

Christian Bittar vor dem Westminster Magistrates' Court in London

Der Franzose war bekannt geworden, weil er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte.

LondonEin früherer Star-Händler der Deutschen Bank und fünf weitere Investmentbanker müssen sich ab Herbst nächsten Jahres wegen eines Skandals um manipulierte Zinsen vor einem Londoner Gericht verantworten. Es ist weltweit das erste Verfahren, in dem es um den europäischen Referenzzinssatz Euribor geht.

Der Richter am Southwark Crown Court setzte am Mittwoch den Prozessbeginn auf den 4. September 2017 fest, die Verhandlung dürfte sich über drei Monate hinziehen. Fünf weitere Investmentbanker - darunter vier Deutsche -, die einer Anhörung vor dem Richter am Montag überraschend ferngeblieben waren, müssen nach Auffassung von Rechtsexperten nun mit einem europäischen Haftbefehl rechnen.

Christian Bittar: So gab sich der Ex-Starbanker vor Gericht

Christian Bittar

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Er war bislang ein Phantom: Bei der Deutschen Bank sollte Christian Bittar einst den höchsten Bonus der Firmengeschichte bekommen. Jetzt trat der Ex-Händler erstmals öffentlich vor Gericht auf – mit prominenter Unterstützung.

Angestrengt hatte die Ermittlungen das für Wirtschaftskriminalität zuständige Serious Fraud Office (SFO), das als unabhängige Abteilung der britischen Regierung nur dem Generalstaatsanwalt unterstellt ist. Der Vorwurf lautet auf gemeinschaftlichen Betrug. Die Banker sollen von 2005 bis 2009 zum eigenen Vorteil am Euribor - dem kleinen Bruder des Libor - geschraubt haben. Von derartigen Interbanken-Zinssätzen hängen Geschäfte und Verträge im dreistelligen Billionen-Volumen ab. Die sechs Angeklagten sind gegen Kaution auf freiem Fuß.

Der prominenteste unter ihnen ist Christian Bittar. Der Franzose war bekannt geworden, weil er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte. Der Derivate-Spezialist, der heute in Singapur lebt, war 2011 entlassen worden. Er musste nun eine Kaution von einer Million Pfund (1,3 Millionen Euro) zahlen, um nicht in Untersuchungshaft zu müssen. Seine Anwälte haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Ein weiterer der sechs Angeklagten ist noch bei der Deutschen Bank angestellt, die übrigen vier waren Händler beim britischen Bankhaus Barclays. Auch Händler von Societe Generale und anderen Instituten sollen bei den Manipulationen dabei gewesen sein.

Wie es mit den fünf Bankern weitergeht, die am Montag nicht vor Gericht erschienen waren, darüber soll die britische Wirtschaftskriminalitätsbehörde SFO am 18. März Auskunft geben. Ein Anwalt eines Banker betonte, sie hätten das Recht gehabt, der Anhörung fernzubleiben. Experten erwarten, dass die Ermittlungsbehörde sie mit einem Auslieferungsantrag zu einer Einreise nach Großbritannien zwingen will.

Die Deutsche Bank hatte wegen der Manipulation des Euribor 2,5 Milliarden Dollar gezahlt. Insgesamt haben Banken weltweit rund neun Milliarden Dollar gezahlt, um die Verfahren wegen Zinsmanipulationen gegen sie beizulegen. Gleichzeitig laufen Prozesse gegen 30 Einzelpersonen. Zuletzt stand in London Tom Hayes, ein ehemaliger Händler von Citi und UBS, wegen Libor-Tricksereien vor Gericht und wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Von

rtr

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