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11.01.2016

14:47 Uhr

Christian Bittar und Euribor

Millionenkaution für Ex-Händler der Deutschen Bank

Ein Londoner Gericht hört heute Ex-Angestellte der Deutschen Bank wegen Zinsmanipulationen an. Der berühmt-berüchtigte Ex-Deutsche-Bank-Händler Christian Bittar soll eine Kaution hinterlegen – und nicht nur er.

Der Franzose war bekannt geworden, weil er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte. Reuters

Christian Bittar vor dem Westminster Magistrates' Court in London

Der Franzose war bekannt geworden, weil er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte.

LondonEin englisches Gericht ist der Forderung der Staatsanwaltschaft gefolgt, den ehemaligen Deutsche-Bank-Händler Christian Bittar im Vorfeld eines Prozesses zu einer Kautionszahlung in Höhe von umgerechnet 1,33 Millionen Euro zu verpflichten. Der Banker muss die Summe zahlen, um auf freiem Fuß zu bleiben. Bittar war einer von elf Bankern, die den Euribor-Zinssatz manipuliert haben sollen. Über Jahre manipulierten Händler verschiedener Banken den wichtigen Referenzzins durch illegale Absprachen unter anderem in Chatrooms, lautet der Vorwurf.

Im November hatte das britische „Serious Fraud Office“ (SFO), die britische Spezialeinheit im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität, die Händler angeklagt. Am Montag erschien neben Bittar auch ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter der Deutschen Bank vor Gericht. Bittar müsse die Summe bis Freitag überwiesen haben und seinen Pass bei Gericht hinterlegen, so die Richterin. Bittar gab als Wohnsitz Singapur an.

Ebenso kamen frühere Angestellte der britischen Großbank Barclays und einer der französischen Société Générale zu der Anhörung vor dem Westminster Magistrates' Court. Sie sollen meist Kautionen zwischen 50.000 und 150.000 Pfund hinterlegen. Fünf der mit den Vorwürfen konfrontierten Personen kamen nicht nach London – vier Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank und ein Ex-Angestellter von Barclays.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Bereits Ende 2013 hatte die EU-Kommission der Deutschen Bank eine Strafe von 725 Millionen Euro wegen der Euribor-Manipulationen aufgebrummt. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Bittar ist der berühmt-berüchtigte Ex-Händler der Deutschen Bank, der in der Finanzkrise den höchsten Bonus in der Geschichte des Geldhauses zugesprochen bekam. Dieser lag wohl bei 90 Millionen Pfund. 

Im August war einer der Hauptverdächtigen im Skandal um den ebenfalls manipulierten Libor-Zinssatz in London zu 14 Jahren Haft verurteilt worden, später wurde die Strafe auf elf Jahre vermindert. Er hatte für Schweizer Großbank UBS gearbeitet. Auch bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft laufen Ermittlungen gegen fünf Beschuldigte, die gegen das Gesetz über den Wertpapierhandel (WpHG) verstoßen haben sollen.

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