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14.07.2014

17:18 Uhr

Citigroup zuversichtlich

Ende ohne Schrecken

VonAxel Postinett

Die Milliardenstrafe kostet die Citigroup fast den kompletten Gewinn im Vergleich zum Vorjahr. Doch die Bank kann sich glücklich schätzen: Das ist nicht so schlimm, wie einige Experten erwartet hatten.

Im zweiten Quartal hat die Citigroup deutlich weniger verdient – wegen einer Milliardenstrafe in den Staaten. dpa

Im zweiten Quartal hat die Citigroup deutlich weniger verdient – wegen einer Milliardenstrafe in den Staaten.

San FranciscoZuerst die schlechte Nachricht: Sieben Milliarden Dollar wird die Citibank als Strafe für massive Verfehlungen bei der Ausgabe der berüchtigten verbrieften Ramschhypotheken bezahlen. Das verkündete die US-Bank am frühen Montag in einer separaten Mitteilung. Dann die gute Nachricht hinterher: Die Quartalszahlen fallen nicht so schlecht aus wie befürchtet. Am Ende des Tages verbleibt trotz des Keulenschlags des Justizministeriums ein kleiner Nettogewinn von 181 Millionen Dollar. Trotzdem: Das ist ein Einbruch um 96 Prozent von 4,2 Milliarden Dollar im Vorjahr.

Die Aktie sprang daraufhin im frühen Handel um gut vier Prozent. Die Botschaft ist klar: Die Strafe war einmalig und erscheint gemessen an dem gewaltigen volkswirtschaftlichen Schaden, den die Bank angerichtet hat, geradezu gering. Bereinigt um die Strafzahlung lag der Gewinn im zweiten Quartal 2014 mit 1,24 Dollar pro Aktie nur geringfügig unter den 1,34 Dollar des Vorjahres. Die Aktionäre setzen auf eine schnelle Rückkehr zu den üblichen Milliardengewinnen.

Der Wirtschaftssender CNN berichtet unter Berufung nicht näher identifizierter Kreise, die mit den Verhandlungen vertraut seien, die Bank habe bis zuletzt auf volles Risiko gesetzt. Zu Beginn der Verhandlungen seien gerade mal 363 Millionen Dollar an Strafe angeboten worden. Erst als das Justizministerium die Bank informiert habe, man werde jetzt die Klage vorbereiten und vor Gericht ziehen, hätte der Vorstand eingelenkt.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Es stand auch eine Menge auf dem Spiel: Die Staatsanwaltschaft unter Eric Holder sparte am Montag nicht mit harscher Kritik: „Trotz der Tatsache, dass Citigroup über die ernsten und weitverbreiteten Probleme mit den zunehmenden riskanten Anleihen Bescheid wusste, haben Bank und Mitarbeiter diese Probleme verschleiert“, heißt es in einem Statement. Durch diese Lügen über die finanzielle Stabilität ihrer Produkte habe die Bank ihre eigene Situation verbessern können. Das habe sie auf Kosten von „Millionen von einfachen Amerikanern, Investoren, anderen Bankinstituten, Universitäten und Pensionsfonds“ getan. Die bleiben jetzt alle auf ihren Milliardenverlusten sitzen.

Für Citi geht es jedoch wieder aufwärts. Die Riesenstrafe trifft den Bankriesen nicht wirklich bis ins Mark: „Trotz der signifikanten Auswirkungen auf unseren Nettogewinn hat sich unsere Kapitalposition verbessert“, freut sich Citibank-Geschäftsführer Michael Corbat. Die Kernkapitalquote stieg von zehn Prozent im Vorjahr auf 10,6 Prozent. Niemand will offenbar eine erneute Destabilisierung des Sektors riskieren. Aber ganz ungeschoren sollte die Bank auch davonkommen.

Von der Gesamtsumme streicht vier Milliarden Dollar das Justizministerium ein, 500 Millionen Dollar gehen an die Staatsanwaltschat und die staatliche Einlagenversicherung. 2,5 Milliarden werden dafür aufgewandt, überschuldeten Hausbesitzer zu helfen.

Was das generelle Geschäft angeht, zeigte sich die Bank robuster als von Analysten befürchtet. Der Quartalsumsatz lag mit 19,3 Milliarden Dollar um sechs Prozent schwächer als ein Jahr zuvor. Aber unter Ausklammerung der Strafzahlungen, die mit 3,7 Milliarden Dollar im abgelaufenen Quartal eingebucht wurden, sanken gleichzeitig die operativen Ausgaben um drei Prozent. Das federt den Verlust etwas ab.

Die Einnahmen aus dem Handel mit Festverzinslichen sanken um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren brach um 26 Prozent ein. Zusammengenommen lag der Rückgang mit 15 Prozent aber niedriger als von Citibank noch im Mai befürchtet. Im eigentlichen Kerngeschäft einer Bank, der Vergabe von Krediten, ging es dagegen mit acht Prozent aufwärts.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

14.07.2014, 19:23 Uhr

Die Manager haben vorsätzlich geggen die Bankkunden gehandelt und sich dafür noch Boni genommen. Warum muss der Bankkunde die Strafe zahlen und die Manager dürfen ungestraft weitermachen?? Normal und richtig wäre. Die Bankmanager allein zahlen die Strafe!!

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