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26.09.2016

19:09 Uhr

Clearing-Branche in London

Die City droht auszubluten

London zittert vor den Folgen des Brexit-Votums: Sollte das Finanzzentrum die sogenannten Clearing-Geschäfte verlieren, stehen 100.000 Arbeitsplätzen auf der Kippe. Fraglich bleibt vor allem die rechtliche Situation.

Der Verlust der Clearing-Geschäfte würde den Finanzplatz London strategisch hart treffen. AFP; Files; Francois Guillot

Geschäftsviertel Canary Wharf

Der Verlust der Clearing-Geschäfte würde den Finanzplatz London strategisch hart treffen.

LondonDie Angst geht um in London. Die britische Hauptstadt könnte im Zuge des Brexits schon bald eines der Herzstücke ihrer City verlieren. Die Rede ist vom Clearinggeschäft. Rund 100.000 Arbeitsplätze wären in Gefahr, sollte London die Branche verlieren. Diese Ansicht vertritt Xavier Rolet, der Vorstandsvorsitzende der London Stock Exchange Group. „Wir schätzen“ – und dabei betont der Experte, wie konservativ man rechne – „, dass das absolute Minimum der Branche samt unterstützender Bereiche Risiko-Management, Compliance, Middle-Office und Verwaltung bei 100.000 Arbeitsstellen liegt.“

Es gehe nicht nur um London, sondern überall im Land drohe die Gefahr der Abwanderung. „Es steht ganz klar auf der Kippe“, so Rolet in einem Interview mit Bloomberg TV. „Der Punkt ist, dass es sehr, sehr wenige Finanzzentren in der Welt gibt, die ein solch globales Geschäft überhaupt aufnehmen könnten.“ Rolets donnernde Äußerungen erfolgten, nachdem verschiedene Manager globaler Investmentbanken in London gesagt hatten, dass sie davon ausgehen, dass Frankreich und Deutschland im Ringen um das Clearing von täglich 570 Milliarden Dollar an Euro-Derivaten die Oberhand behalten werden. In Paris und Frankfurt schielt man auf die Konkurrenz unter dem Union Jack.

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Clearing-Häuser sind so angelegt, dass sie verhindern, dass ein Ausfall außer Kontrolle gerät. Sie erreichen dies, indem sie Sicherheiten halten und Risiken beobachten. Aufsichtsbehörden halten diese Institutionen für einen der besten Wege, eine weitere Finanzkrise zu verhindern. Daher ist die Rolle der Clearing-Häuser in der globalen Finanzwelt in den vergangenen Jahren erheblich größer geworden. Auch die Verzahnung hat deutlich zugenommen.

Da das Clearinggeschäft eine so bedeutende Rolle einnimmt, ist es nicht verwunderlich, dass die europäischen Politiker nach dem Nein der Insulaner zur Union Einwände gegen einen Verbleib in London haben. Wie die viel größeren Streitpunkte bei den anstehenden Austrittsverhandlungen – etwa dem Zugang zum Binnenhandel und der Visafreiheit für EU-Bürger – ist auch das Clearing als politischer Preis zu verstehen, den die Entscheidung der Briten nach sich zieht. So hatte der französische Präsident Francois Hollande das Clearing als eines der Geschäfte hervorgehoben, das nun eindeutig in die Länder der Europäischen Union gehöre.

Nach Meinung des LSE-CEO Rolet dürfte New York, und weniger eines der europäischen Finanzzentren, wahrscheinlich der größte Nutznießer sein, wenn entsprechende Geschäfte aus London abwandern. „Ist es möglich, dass die ganze Sache abwandert? Natürlich ist es das“, warnt Rolet, bei dem aufgrund der Furcht vor dem Clearing-Exodus natürlich die Alarmglocken schlagen, wäre sein Haus doch davon unmittelbar betroffen.

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