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01.02.2012

19:22 Uhr

Coba-Investmentbanker

Eltern reagierten ungläubig auf Bonuskürzung

Seit Jahren kämpfen Investmentbanker der ehemaligen Dresdner Kleinwort um ihre Millionen-Boni, die von der neuen Mutter Commerzbank drastisch gekürzt worden waren. Nun machte einer von ihnen in London seine Aussage.

Der Schriftzug Dresdner Kleinwort an einer Bankfiliale in der Londoner City: 104 ehemalige Investmentbanker zogen gegen die Dresdner Kleinwort vor Gericht. dpa

Der Schriftzug Dresdner Kleinwort an einer Bankfiliale in der Londoner City: 104 ehemalige Investmentbanker zogen gegen die Dresdner Kleinwort vor Gericht.

LondonIm Prozess um nicht gezahlte Millionen-Boni bei der Commerzbank hat am Mittwoch erstmals einer der betroffenen Investmentbanker ausgesagt. Steven Garrett berichtete vor dem High Court in London, Leute außerhalb der Bank, vor allem seine Eltern, hätten ungläubig reagiert, als er ihnen erzählte, dass er nur zehn Prozent der versprochenen Sonderzahlung tatsächlich bekommen sollte. Garrett hatte bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort 2008 ein Gehalt von 120.000 Pfund bekommen. Dazu hatte er nach den Versprechungen von Investmentbank-Vorstand Stefan Jentzsch einen Bonus von 1,6 Millionen Euro erwartet - doch nach der Übernahme durch die Commerzbank wurden nur 160.000 Euro davon ausgezahlt.

„Die meisten haben mir gesagt: „Steve, das muss ein Fehler sein. Du musst durchhalten und das intern ausfechten'“, sagte Garrett aus. „Ich war natürlich sehr verärgert, dass ich nicht entlohnt wurde“, sagte der damalige Leiter des Geschäfts mit Zinsoptionen, die Hände unter dem Tisch verschränkt. Jentzsch hatte seiner Mannschaft insgesamt 400 Millionen Euro an Boni zugesagt, nachdem Dresdner Kleinwort ein Exodus drohte, als der bevorstehende Verkauf ruchbar wurde.

„Er hat im Grunde gesagt: „Ihr könnt es hier aushalten... konzentriert euch, arbeitet weiter, und denen, die gute Leistung zeigen, wird es gutgehen“, beschrieb Garrett die Versammlung, in der Jentzsch zur Belegschaft gesprochen hatte. Doch als Garrett die Aufzeichnung von Jentzschs Rede noch einmal ansehen wollte, sei sie im Intranet der Bank gelöscht gewesen. Und als er sich darüber beschweren wollte, habe man ihm gedroht, ihn wegen Belästigung zu melden.

Im Februar 2009 wurden die Boni radikal zusammengestrichen, einige Investmentbanker erhielten nur ein Zehntel von dem, was ihnen versprochen worden war. Dresdner Kleinwort hatte in der Finanzkrise einen Verlust von mehr als sechs Milliarden Euro erwirtschaftet. Blessing hatte den Schritt am Montag vor dem Londoner Gericht verteidigt. Die Krise habe sich so beschleunigt und verschärft, dass er die Zahlungen gekürzt habe. Er habe die Boni in dieser Höhe im Übrigen schon immer für unklug und überzogen gehalten. Der Commerzbank-Vorstand selbst muss sich seit 2008 mit einem Grundgehalt von 500.000 Euro begnügen, nachdem der deutsche Staat der Bank mit 18 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen hat. Boni sind für die Führungsspitze daher derzeit verboten.

In dem Londoner Prozess wollen 104 Banker die Nachzahlung von 52 Millionen Euro an Boni erstreiten - die Forderungen der einzelnen Mitarbeiter reichen von 15.000 bis 2,6 Millionen Euro. Letztlich geht es um die Frage, inwieweit die Zusagen der Bank als verbindlich anzusehen waren oder ob Klauseln wirksam sind, die die Boni bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage infrage stellen. Jentzsch selbst wird am kommenden Montag als Zeuge der Kläger erwartet.

Von

rtr

Kommentare (6)

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bobi

01.02.2012, 19:31 Uhr

Nicht nur Eltern, mir ging's genau so.
Der Mann ist nicht mal 16.000€ wert.

Willi

01.02.2012, 20:34 Uhr

Zusagen sind einzuhalten.

Account gelöscht!

01.02.2012, 20:43 Uhr

Pacta sunt servanda. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Punkt aus !

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