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27.01.2016

16:14 Uhr

Comdirect-Chef Arno Walter

„Ich kann mir Negativzinsen nicht vorstellen“

VonYasmin Osman

Der neue Vorstandschef des Online-Brokers Comdirect setzt erste Duftmarken: Er führt Ratenkredite ein. Das ist auch nötig: Die Commerzbank-Tochter verdient zwar prächtig mit Wertpapieren, doch das Zinsgeschäft läuft mau.

Comdirect-Bank-Chef Arno Walter.

Will Zinseinnahmen stärken

Comdirect-Bank-Chef Arno Walter.

Frankfurt am MainArno Walter gehört zu den Bankern, die gerne mal selbst ausprobieren, was sie ihren Kunden da so alles anbieten. Deshalb hat er sich auch früh bei Paydirekt registriert, dem Konkurrenzprodukt der deutschen Kreditwirtschaft zum Internetbezahldienst Paypal. Mittlerweile hat er Paydirekt sogar für einen ersten Einkauf genutzt, wie er dem Handelsblatt im Interview erzählt. Gar nicht übel, wenn man bedenkt, dass die Zahl der an Paydirekt angeschlossenen Händler noch überschaubar ist. So etwas nennt man echten Einsatz.

Herr Walter, die Comdirect hat vor Steuern einen Rekordgewinn erzielt. Trauen Sie sich so ein Ergebnis auch in diesem Jahr zu?
Wir geben aus gutem Grund immer erst nach dem ersten Halbjahr eine Jahresprognose ab. Wir können schließlich nicht versprechen, dass unsere Kunden wieder eine Rekordzahl an Trades durchführen – auch wenn sich das erste Quartal angesichts der hohen Marktvolatilität in dieser Hinsicht wieder gut angelassen hat. Auf der anderen Seite ist sicher, dass der Zinsüberschuss weiter rückläufig sein wird. Die Zinssätze für Tagesgeld sind ja jetzt schon sehr niedrig, die kann man nicht weiter senken.

Sie könnten die Negativzinsen an die Kunden weitergeben, praktisch eine Guthabengebühr einführen. Wäre das denkbar, wenn die Geldmarktzinsen noch tiefer ins Minus rutschen?
Ich kann mir Negativzinsen nicht vorstellen, auch wenn ich zugeben muss, dass es früher auch als undenkbar galt, dass die Bundesanleihen eine negative Rendite abwerfen könnten. Für Kunden ist die Situation aber so schon schwierig, Vermögensaufbau wird auf die Art kaum noch möglich, es sei denn, man investiert in Wertpapiere.

Wie stellen Sie sich auf die Niedrigzinsphase ein?
Nur jeder zehnte Deutsche ist aktuell in Wertpapieren investiert. Mit intuitiven Zugängen wollen wir den Menschen den Einstieg vereinfachen. Ein Beispiel könnte ein Spar-Service sein, bei dem bei jeder Kreditkartentransaktion ein Prozent des Umsatzes als Sparbetrag in ETFs angelegt wird. Das wäre eine logische Weiterentwicklung unseres aktuellen Wechselgeldsparens.

Top- und Flop-5 der Anlageberatung (Stiftung Warentest, 01/2016)

Top 1

Frankfurter Volksbank
Lösen des Anlageproblems: 2,5
Ermitteln des Kundenstatus: 1,3
Produkt- und Kosteninformation: 2,0
Gesprächsablauf: 1,6
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: gut (2,2)

Top 2

Sparda-Bank Berlin
Lösen des Anlageproblems: 2,5
Ermitteln des Kundenstatus: 1,4
Produkt- und Kosteninformation: 2,5
Gesprächsablauf: 2,2
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: gut (2,3)

Top 3

Nassauische Sparkasse
Lösen des Anlageproblems: 2,2
Ermitteln des Kundenstatus: 2,5
Produkt- und Kosteninformation: 3,8
Gesprächsablauf: 1,7
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: gut (2,5)

Top 4

Berliner Sparkasse
Lösen des Anlageproblems: 2,8
Ermitteln des Kundenstatus: 1,6
Produkt- und Kosteninformation: 2,7
Gesprächsablauf: 2,1
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: befriedigend (2,6)

Top 5

Commerzbank
Lösen des Anlageproblems: 2,8
Ermitteln des Kundenstatus: 1,3
Produkt- und Kosteninformation: 2,8
Gesprächsablauf: 2,1
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: befriedigend (2,6)

Flop 1

Deutsche Postbank
Lösen des Anlageproblems: 4,5
Ermitteln des Kundenstatus: 1,9
Produkt- und Kosteninformation: 3,0
Gesprächsablauf: 2,1
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: ausreichend (3,8)

Flop 2

BW-Bank
Lösen des Anlageproblems: 3,2
Ermitteln des Kundenstatus: 2,7
Produkt- und Kosteninformation: 3,7
Gesprächsablauf: 2,1
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 3
Gesamtnote: ausreichend (4,1)

Flop 3

Sparkasse Leipzig
Lösen des Anlageproblems: 3,7
Ermitteln des Kundenstatus: 1,5
Produkt- und Kosteninformation: 4,0
Gesprächsablauf: 1,8
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 3
Gesamtnote: ausreichend (4,3)

Flop 4

Hypo-Vereinsbank
Lösen des Anlageproblems: 4,6
Ermitteln des Kundenstatus: 2,2
Produkt- und Kosteninformation: 3,5
Gesprächsablauf: 2,6
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: mangelhaft (4,6)

Flop 5

Hannoversche Volksbank
Lösen des Anlageproblems: 4,8
Ermitteln des Kundenstatus: 1,1
Produkt- und Kosteninformation: 2,3
Gesprächsablauf: 1,3
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: mangelhaft (4,8)

Eigentlich wollten Sie Ihr Zinsgeschäft stärken, indem Sie Ratenkredite einführen. Bleibt es dabei?
Wir haben mit dem Drei-Raten-Service bereits im Dezember den nächsten Schritt gemacht. Und wir wollen im Frühjahr Ratenkredite einführen.

Welche Rolle sollen die Ratenkredite spielen?
Unser Schwerpunkt liegt natürlich auf dem Thema Investieren, Sparen, Anlegen mit Wertpapieren. Aber uns ist wichtig, dass wir Kunden alle Produkte anbieten, die bei jeder Vollbank dazugehören. Deshalb meinen wir es ernst mit der Einführung dieses Angebots. Wir werden dafür aber keine große Werbekampagne fahren.

Wie stark nutzen Ihre Kunden eigentlich den Paypal-Konkurrenten der deutschen Banken, Paydirekt?
Ich würde sagen, das ist erwartungsgemäß gestartet. Das Feedback ist gut, auch wenn sich bislang noch keine allzu große Zahl von Kunden dort angemeldet hat. Aber das ist auch kein Wunder. Um den Jahreswechsel herum haben Kunden anderes zu tun, als sich um ein neues Bezahlsystem zu kümmern.

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