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28.03.2013

06:27 Uhr

Comdirect-Chef im Interview

„Kunden sehen, wie wertvoll ein deutsches Konto ist“

VonSven Afhüppe, Laura de la Motte, Martin Dowideit

Thorsten Reitmeyer spricht über die Sorgen deutscher Sparer nach der Zypern-Enteignung, den Wettbewerb mit der eigenen Mutter Commerzbank, die Gefahren der Inflation und warum sich Apple an Comdirect verschlucken würde.

„Viele unserer Kunden kaufen oder verkaufen Papiere vor wichtigen politischen Entscheidungen.“ - Comdirect-Chef Thorsten Reitmeyer. Christian Gogolin für Handelsblatt

„Viele unserer Kunden kaufen oder verkaufen Papiere vor wichtigen politischen Entscheidungen.“ - Comdirect-Chef Thorsten Reitmeyer.

Herr Reitmeyer, durch den Angriff auf die Sparkonten in Zypern fürchtet auch die Hälfte der Deutschen laut einer Umfrage um ihre Ersparnisse. Haben Kunden der Comdirect schon Konten leergeräumt?

Nein, solche Reaktionen hat es bei uns nicht gegeben. Vereinzelt haben Kunden angerufen und gefragt, ob die Sparguthaben auch in Deutschland mit einer Zwangsabgabe belastet werden könnten. Diese Kunden konnten wir aber mit dem Versprechen der Bundeskanzlerin beruhigen, dass die Einlagen in Deutschland sicher sind.

Bilder von Schlangen an Geldautomaten gehen um die Welt. Hat die Politik der Finanzbranche einen Bärendienst erwiesen?

Mit der Entscheidung, auch die Sparer in die Zypern-Rettung einzubeziehen, ist sicherlich Vertrauen zerstört worden. Die Andeutungen, dass die Beteiligung der Bankkunden in Zypern als Vorbild für andere kriselnde Euro-Länder dienen könne, haben die Unruhe unter den Sparern unnötig erhöht. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die aktuelle Debatte keine negative Auswirkungen auf deutsche Banken haben wird. Das Gegenteil dürfte der Fall sein. Die Menschen sehen, wie wertvoll es, ist ein Konto in Deutschland zu haben. Wer derzeit Millionen in einem Krisenland hat, fragt sich doch, ob das Geld bei einer Bank in Deutschland nicht besser aufgehoben wäre.

Größte deutsche Direktbanken nach Kundenzahl

Platz 10

Norisbank

500.000 Kunden (12/2014)

Platz 9

DAB Bank

582.000 Kunden (12/2014)

Platz 8

Advanzia Bank

660.000 Kunden (10/2015)

Platz 7

BMW Bank

770.000 Kunden (Ende 2012)

Platz 6

Consorsbank

843.000 Kunden (09/2015)

Platz 5

Mercedes-Benz Bank

1,112 Millionen Kunden (12/2014)

Platz 4

Volkswagen Bank

1,184 Millionen Kunden (12/2014)

Platz 3

Comdirect Bank

1,957 Millionen Kunden (08/2015)

Platz 2

DKB, Deutsche Kreditbank AG

3,16 Millionen Kunden (09/2015)

Platz 1

ING-Diba

7,975 Millionen Kunden (12/2015)

Quelle

modern-banking.de, Stand: Ende 2015

Sie könnten von der Krise profitieren und reichen Russen und Zyprern eine neue Heimat bieten.

Unser Geschäftsmodell konzentriert sich auf den deutschen Markt und hiermit fahren wir gut.

Wie reagieren Privatkunden auf die neuerliche Verschärfung der Euro-Krise?

Viele unserer Kunden kaufen oder verkaufen Papiere vor wichtigen politischen Entscheidungen. Oft liegen sie mit ihren Entscheidungen richtig. Und nicht nur die Trader sind in solchen Phasen aktiv. Auch der typische Sparer beobachtet die Entwicklung sehr genau, entscheidet aber gelegentlich ungünstig. Wenn die Lage an den Märkten angespannt ist, baut der eine oder andere Liquidität auf. Das kann dann schon zum Nachteil werden.

Wie die Laiki-Bank abgewickelt wird

Einlagen eingefroren

Die Laiki Bank wird sofort abgewickelt – und zu Teilen der Bank of Cyprus zugeschlagen.. Einlagen über 100.000 Euro und Mittel aus Aktien und Anleihen werden dabei eingezogen. Nur die unversicherten Einlagen über 100.000 Euro werden eingefroren, bis eine Rekapitalisierung erreicht wurde.

Bad Bank

Laiki wird in eine "Bad Bank" und eine "Good Bank" aufgeteilt. Die "Bad Bank" wird langfristig abgewickelt. Die "Good Bank" wird Teil der Bank of Cyprus (BoC). Dabei werden neun Milliarden Euro an offenen Notkrediten bei der Zentralbank eingebracht.

EZB

Die EZB wird der BoC Liquidität bereitstellen.

Rekapitalisierung

Die Rekapitalisierung der BoC erfolgt durch eine Umwandlung der Einlagen über 100.000 Euro in Aktien. Dabei werden die bisherigen Aktionäre und Anleihen-Besitzer voll einbezogen.

Umwandlung

Die Umwandlung erfolgt in der Form, dass bis zum Ende des Programms eine Eigenkapitalquote von neun Prozent erreicht wird.

Versicherte Einlagen

Alle versicherten Einlagen in allen Banken genießen den vollen Schutz der entsprechenden EU-Richtlinien.

Hilfsgelder

Die Hilfsgelder von bis zu zehn Milliarden Euro werden nicht verwendet werden, um die Laiki Bank und die BoC zu rekapitalisieren.

Warum?

Das Niedrigzinsumfeld bedeutet, dass die Kunden Geld verlieren. Null Zinsen bei zwei Prozent Inflation bedeutet: Nach 20 Jahren kosten Produkte rund 50 Prozent mehr als heute, aber Sie haben immer noch gleichviel Geld. Aktien sind da eine Alternative, denn Sparkonten führen zum sicheren Geldwertverlust. Aktien bergen zwar Risiken, aber sie bieten eben auch eine Chance, die Inflation auszugleichen oder sogar zu übertreffen.

Kommentare (58)

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Account gelöscht!

28.03.2013, 06:36 Uhr

So, so die Einlagen sind sicher?
Das gilt doch nur, wenn eine Bank pleite geht, denn nur dann greift Mutti Merkels 100 Mille Versprechen.
Unser Staat wird uns eher früher als später an die Konten gehen, und da heißt es vorsorgen, d.h. runter mit dem Geld von den Konten, und lieber in bar in den Tresor rein legen, denn Zinsen gibt's bei der Bank sowieso kaum für sein Erspartes. Was weg ist, das kann Einem der Staat nicht wegnehmen! Dazu noch genügend Edelmetall bunkern, und sich dann getrost zurücklehnen, denn der Blödzeitungsleser wird das Ganze erst realisieren, wenn es zu spät ist und dann dumm aus der Wäsche gucken, wenn seine heile Welt nicht mehr stimmt.

StanLaureel

28.03.2013, 07:05 Uhr

Das die Einlagen sicher sind ist eine "Willenserklärung" der Banken! In einer Notsituation, wenn "Gefahr im Verzug ist" können die Spareinlagen, wie in Zypern, eingehalten werden. Wie selten dämlich das Deutsche Volk für dumm verkauft wird... rofl...

kruchtitanz

28.03.2013, 07:11 Uhr

"Andernfalls droht vielen Menschen Altersarmut, selbst dann, wenn sie in ihrem Berufsleben gut verdient haben." Das ist schlicht ERPRESSUNG der KLEINEN, die die BigOne´s loswerden wollen und schon lange wollten (Rothschild, Warburg, Rockefeller, JPMorgan....) - ROkober: "So, so die Einlagen sind sicher?
Das gilt doch nur, wenn eine Bank pleite geht, denn nur dann greift Mutti Merkels 100 Mille Versprechen." Sie haben noch nicht auf die Rückseite der in Umlauf befindlichen EUROscheine gesehen und diese mit den früheren DM verglichen. Es steht keine Gegensicherung durch etwa die Deutsche Bundesbank in Gold mehr drauf: defacto sollen die vielen Mrd kleinen DUMMIES-in-Geldsachen ihre Altersvorsorge mit Papiergeld aufbauen - das sukkzessive von den Großen (auf Druck der privaten Eigner der FED usw) verbrannt wird.

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