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17.01.2012

07:22 Uhr

Commerzbank

Blessing kann Schäuble für seinen Masterplan begeistern

VonYasmin Osman, Sven Afhüppe

Martin Blessing musste gestern Abend zum Rapport bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Der Commerzbank-Chef sollte seine Kapitalpläne vorstellen. Immerhin hat der Bund als Hauptaktionär Mitspracherecht.

Commerzbank-Chef Martin Blessing hat offenbargut verhandelt. dapd

Commerzbank-Chef Martin Blessing hat offenbargut verhandelt.

Frankfurt/BerlinDie Aktie der Commerzbank kennt seit Tagen nur eine Richtung. Seit sich abzeichnet, dass Bankchef Martin Blessing seine 5,3 Milliarden Euro große Kapitallücke ohne Staatshilfen - und wohl ohne Kapitalerhöhung - stopfen will, hat sich die Aktie um etwa 14 Cent auf mittlerweile 1,44 Euro verteuert. Gestern stellte Blessing seine Pläne Finanzminister Wolfgang Schäuble persönlich vor.

Schäuble habe die Pläne mit Wohlwollen begrüßt, hieß es in Berlin. Er legt besonders großen Wert darauf, dass die Bank auf keinen Fall noch einmal den Staat um Geld bittet. "Der Fall muss unter allen Umständen vermieden werden", hieß es in Regierungskreisen. Tatsächlich hat Blessing Schäuble einen Plan vorgestellt, in denen Staatshilfen kein Thema sind. Selbst die Notfallpläne, die die Bank erarbeitet hat, falls ihr Plan A zu optimistisch sein sollte, enthielten keine Staatshilfen, hieß es.

Die Probleme der Commerzbank

Das bisherige Ziel: Staatshilfe zurückzahlen

Commerzbank-Chef Martin Blessing bemüht sich seit drei Jahren, die Staatshilfen zurückzuzahlen, mit denen die zweitgrößte deutsche Bank in der Kreditklemme 2008 gestützt wurde. Nun droht die Schuldenkrise in Europa die Bank  wieder auf das Startfeld zurückzuwerfen.

Die Kapitelerhöhung

Im vergangenen Jahr hat Blessing das Kapital der Bank um 11 Mrd. Euro erhöht. Eine Aktienplatzierung sowie eine Wandlung der stillen Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin in Aktien und Überschusskapital ermöglichten es der Bank, im Juni 14,3 Mrd. Euro an Staatshilfen zurückzuzahlen.

„Weit aus dem Fenster gelehnt“

Blessing "hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Äußerungen seit Oktober, die Commerzbank werde keine Staatshilfe beantragen", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie könnten erklären, dass die Regeln mitten  im Spiel geändert wurden, aber sie werden alles versuchen, bevor sie nochmals staatliche Hilfe annehmen müssen."

Die große Gefahr

Blessing hat sich dazu verpflichtet, keine staatlichen Hilfen mehr anzunehmen, obwohl die Commerzbank unter Druck steht, ihr Kapital auszuweiten, um striktere Vorschriften zu erfüllen. Doch sollte die EBA ihre Kapitalanforderungen deutlich anheben, dürfte die Commerzbank beim Rettungsfonds Soffin um Hilfen ersuchen müssen.

Das neue Ziel: Notwendiges Kapitalniveau erreichen

Die Commerzbank muss dringend Maßnahmen ergreifen, um das Kapitalniveau auf den von der EBA geforderten Wert zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter anderem den Rückkauf hybrider Anleihen und die Auslagerung von Staatsanleihen in eine sogenannte "Bad Bank".

Soffin reaktivieren

Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds Soffin aufgelegt. Der hat Milliardensummen in die Finanzbranche, die Tore für neue Hilfen aber Ende 2010 geschlossen. Doch unter Umständen wird das zurückgenommen; der Soffin könnte der Eurohypo also vielleicht zur Verfügung stehen.

Erneute Staatshilfe vermeiden

Natürlich will die Commerzbank wenn es irgendwie geht verhindern, erneut die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits angekündigt hat die Bank Pläne, die risikogewichteten Aktiva um bis zu 30 Milliarden Euro zu verringern.

Sorgenkind Eurohypo

Zudem hat das Institut die Kreditvergabe bei der Hypothekentochter Eurohypo vorübergehend einzustellen. Für die Tochter sucht die Commerzbank zudem nach Kaufinteressenten, auch eine Übernahme durch den Staat ist im Gespräch, wie aus unterrichteten Kreisen verlautete.

Hohen Verlust in Kauf nehmen

Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Die Bank erwägt eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.

Verkauf strategischer Beteiligungen

Nun prüft die Commerzbank auch den Verkauf nicht strategischer Beteiligungen. Nur die Anteile an der Comdirect Bank und der polnischen BRE Bank stehen nicht zur Disposition. Damit will die Commerzbank bis Mitte 2012 die Kapitalanforderungen der EBA bis Mitte 2012 erfüllen.

Aktienkurs im Sinkflug

Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der zweiten Jahreshälfte 2011 um 56 Prozent eingebrochen. Damit zeigte die Aktie im deutschen Benchmarkindex Dax die schlechteste Performance. 2012 ging es aber wieder aufwärts.

Stattdessen soll der Abbau von risikotragenden Aktiva 2,7 Milliarden Euro Kapital freisetzen. Das geht nur über den Verkauf von Vermögenswerten oder eine Reduzierung des Kreditgeschäfts. Die Kernmärkte Deutschland und Polen sind davon ausgenommen - aus Sicht der Regierung, die eine Kreditklemme unbedingt vermeiden will, ein wichtiger Punkt.

Zudem will die Bank bis Ende Juni rund eine Milliarde Euro verdienen. Daneben soll die Allianz ihre 750 Millionen Euro große stille Einlage in hartes Kapital umwandeln. 700 Millionen Euro nahm die Bank ein, indem sie Nachranganleihen günstig zurückkaufte. Bislang ist aber erst ein kleiner Teil der Pläne umgesetzt. Deshalb halten Analysten sie für ambitioniert.

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Keine Staatshilfe, keine Kapitalerhöhung. Allein der Markt soll nach Handelsblatt-Informationen das Milliarden-Loch der Commerzbank schließen. Doch die recht eigenwilligen Pläne von Chef Blessing stoßen auch auf Skepsis.

Kommentare (3)

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svebes

17.01.2012, 08:53 Uhr

Da dürfen sie wieder spielen, wenns schiefgeht, klar - zahlt wieder der Steuerzahler. Was hat der Burschi schon alles versprochen . . . .

fondsberater

17.01.2012, 09:55 Uhr

...eine im Prinzip wunderbare deutsche Bank gemanagt von Faschingsprinzen

Account gelöscht!

17.01.2012, 10:34 Uhr

Wenn Herr Blessing es ernst meint mit seinem Masterplan, sollte er zuerst seine und alle Einkommen seiner Bankangestellten temporär halbieren. So wird ein Schuh daraus. Lippenbekenntnisse ohne eigene finanzielle Opfer zu bringen sind feige und unberechenbar.

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