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20.09.2012

12:32 Uhr

Commerzbank-Chef

Banken müssen mit weniger Gewinn rechnen

Die Bankenbranche muss sich auf magere Zeiten gefasst machen, prophezeit Commerzbank-Chef Martin Blessing. Im eigenen Haus könnte der Trend vor allem für die Mitarbeiter spürbar werden. Demnächst drohen Entlassungen.

Commerzbank-Chef Martin Blessing prophezeit magere Zeiten für die Bankenbranche. Reuters

Commerzbank-Chef Martin Blessing prophezeit magere Zeiten für die Bankenbranche.

FrankfurtBei der Commerzbank zeichnet sich immer deutlicher ein weiterer Stellenabbau ab. Fast täglich kursieren neue Zahlen, wie der teilverstaatlichte Konzern auf den Gewinneinbruch im ersten Halbjahr reagieren will. Offiziell zeigt sich der Vorstand bedeckt: „Das kommentiere ich nicht“, sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing am Donnerstag in Frankfurt zu Meldungen, wonach im zuletzt schwächelnden Privatkundengeschäft 1000 bis 1800 Stellen auf der Kippe stehen.

Der Manager stimmte die Banken insgesamt jedoch auf magere Zeiten ein: „Die Profitabilität in der Branche wird zurückgehen.“ Dass die Commerzbank wie andere Institute - etwa die Deutsche Bank - darum zum Rotstift greifen muss, ist unstrittig. „Der Stellenabbau in der Branche wird weitergehen, auch bei der Commerzbank“, sagt ein Branchenkenner.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Blessing verwies auf den 8. November: Zur Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal will sich der Vorstand des Dax-Konzerns zu seiner neuen Strategie äußern. Bereits zur Vorlage der Halbjahreszahlen Anfang August war von Stellenabbau und Filialschließungen die Rede. Im Zuge der Integration der Dresdner Bank war der Abbau von 9000 Vollzeitstellen beschlossen worden. Dieser ist größtenteils erledigt.

Klar ist, dass das Privatkundengeschäft im Fokus des neuen Sparkurses steht. In der Sparte haben sich vier Jahre nach der Dresdner-Übernahme die großen Hoffnungen bislang nicht erfüllt. Im ersten Halbjahr 2012 verdiente die deutsche Nummer zwei im Privatkundengeschäft operativ nur noch 126 Millionen Euro und damit mehr als ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum. Im zweiten Quartal konnte die Commerzbank in der Sparte einen Verlust nur dank des Beitrags der Online-Tochter Comdirect verhindern.

„Insgesamt ist das operative Ergebnis im Segment Privatkunden nicht zufriedenstellend“, hatte Finanzvorstand Stephan Engels zur Vorlage der Halbjahreszahlen gesagt. „Wir werden die strategische Weiterentwicklung des Segments vorantreiben“, erklärte Engels, die Kosten kämen „konsequent“ auf den Prüfstand.

Spekuliert wird seither nicht nur über Stellenabbau, sondern auch über Änderungen im Filialnetz. Beschlossen ist, dass bis Ende 2012 die Zahl der Filialen von etwa 1600 auf 1200 verringert werden soll. Aktuell sind es 1290. Mit einem Kahlschlag rechnen Branchenkenner nicht, als denkbar gelten etwa flexiblere Öffnungszeiten und spezialisierte Angebote in den Geschäftsstellen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Dinger

21.09.2012, 18:10 Uhr

Welches Interesse könnte Herr Blessing haben, um den Aktienkurs der Commerzbank mit seinen negativen Aussagen in den Keller zu schicken? Ist da was im Busch?

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