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23.02.2012

12:55 Uhr

Commerzbank-Chef

Blessing vertröstet den Staat

Das Versprechen, dem Bund die stillen Einlagen 2011 zu verzinsen, hat Martin Blessing nicht einhalten können. Das hält ihn nicht davon ab, die Erwartungen zu schüren. Sehr konkret wird er dabei aber nicht.

Schuldenkrise belastet die Commerzbank

Video: Schuldenkrise belastet die Commerzbank

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Frankfurt/DüsseldorfDie Commerzbank macht dem Bund erneut Hoffnung auf eine Zinszahlung für die erhaltenen Rettungsmilliarden. „Es bleibt unser Ziel, die stillen Einlagen des Soffin künftig zu bedienen und auch wieder eine Dividende zu zahlen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des teilverstaatlichten Konzerns, Martin Blessing, am Donnerstag in Frankfurt. Er verwies jedoch zugleich auf das weiterhin herausfordernde Umfeld angesichts der anhaltenden Schuldenkrise in Europa.

Auch vor einem Jahr hatte Blessing große Ankündigungen gemacht: „Wir werden alles daran setzen, die stillen Einlagen des Bundes für das Jahr 2011 zu bedienen“, sagte er damals bei der Bilanzvorlage. Doch die für die Zinszahlung maßgeblichen Zahlen fielen erneut tiefrot aus: Nach dem für das deutsche Bilanzrecht maßgeblichen Handelsgesetzbuch (HGB) ergaben sich für das vergangene Jahr 3,6 Milliarden Euro Verlust. Damit entgehen dem Staat rund 170 Millionen Euro Zinszahlungen für die verbliebenen 1,9 Milliarden Euro Stille Einlage. 14,3 Milliarden Euro der nach der Dresdner-Übernahme in der Finanzkrise 2008/2009 erhaltenen Staatshilfe hatte die Commerzbank im vergangenen Jahr zurückgezahlt. Es ist das vierte Jahr in Folge, dass die Commerzbank die Zinsen an den Staat nicht bezahlt.

Commerzbank: Blessing leidet mit seinen Aktionären

Commerzbank

Blessing leidet mit seinen Aktionären

Die besseren Zeiten der Commerzbank liegen lange zurück.

Für die Verzinsung ist relevant, ob ein HGB-Gewinn anfällt. Deshalb spielt es keine Rolle, dass Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS einen Konzerngewinn von 638 Millionen Euro verbuchen konnte - nicht einmal halb so viel wie im Vorjahr. Der ausgehandelte Schuldenschnitt für Griechenland belastete die Bilanz mit rund 2,3 Milliarden Euro. Insgesamt schrieb die Bank ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen um knapp 74 Prozent ab. Das ließ auch die gute Entwicklung im Kerngeschäft in den Hintergrund treten.

Die Probleme der Commerzbank

Das bisherige Ziel: Staatshilfe zurückzahlen

Commerzbank-Chef Martin Blessing bemüht sich seit drei Jahren, die Staatshilfen zurückzuzahlen, mit denen die zweitgrößte deutsche Bank in der Kreditklemme 2008 gestützt wurde. Nun droht die Schuldenkrise in Europa die Bank  wieder auf das Startfeld zurückzuwerfen.

Die Kapitelerhöhung

Im vergangenen Jahr hat Blessing das Kapital der Bank um 11 Mrd. Euro erhöht. Eine Aktienplatzierung sowie eine Wandlung der stillen Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin in Aktien und Überschusskapital ermöglichten es der Bank, im Juni 14,3 Mrd. Euro an Staatshilfen zurückzuzahlen.

„Weit aus dem Fenster gelehnt“

Blessing "hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Äußerungen seit Oktober, die Commerzbank werde keine Staatshilfe beantragen", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie könnten erklären, dass die Regeln mitten  im Spiel geändert wurden, aber sie werden alles versuchen, bevor sie nochmals staatliche Hilfe annehmen müssen."

Die große Gefahr

Blessing hat sich dazu verpflichtet, keine staatlichen Hilfen mehr anzunehmen, obwohl die Commerzbank unter Druck steht, ihr Kapital auszuweiten, um striktere Vorschriften zu erfüllen. Doch sollte die EBA ihre Kapitalanforderungen deutlich anheben, dürfte die Commerzbank beim Rettungsfonds Soffin um Hilfen ersuchen müssen.

Das neue Ziel: Notwendiges Kapitalniveau erreichen

Die Commerzbank muss dringend Maßnahmen ergreifen, um das Kapitalniveau auf den von der EBA geforderten Wert zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter anderem den Rückkauf hybrider Anleihen und die Auslagerung von Staatsanleihen in eine sogenannte "Bad Bank".

Soffin reaktivieren

Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds Soffin aufgelegt. Der hat Milliardensummen in die Finanzbranche, die Tore für neue Hilfen aber Ende 2010 geschlossen. Doch unter Umständen wird das zurückgenommen; der Soffin könnte der Eurohypo also vielleicht zur Verfügung stehen.

Erneute Staatshilfe vermeiden

Natürlich will die Commerzbank wenn es irgendwie geht verhindern, erneut die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits angekündigt hat die Bank Pläne, die risikogewichteten Aktiva um bis zu 30 Milliarden Euro zu verringern.

Sorgenkind Eurohypo

Zudem hat das Institut die Kreditvergabe bei der Hypothekentochter Eurohypo vorübergehend einzustellen. Für die Tochter sucht die Commerzbank zudem nach Kaufinteressenten, auch eine Übernahme durch den Staat ist im Gespräch, wie aus unterrichteten Kreisen verlautete.

Hohen Verlust in Kauf nehmen

Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Die Bank erwägt eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.

Verkauf strategischer Beteiligungen

Nun prüft die Commerzbank auch den Verkauf nicht strategischer Beteiligungen. Nur die Anteile an der Comdirect Bank und der polnischen BRE Bank stehen nicht zur Disposition. Damit will die Commerzbank bis Mitte 2012 die Kapitalanforderungen der EBA bis Mitte 2012 erfüllen.

Aktienkurs im Sinkflug

Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der zweiten Jahreshälfte 2011 um 56 Prozent eingebrochen. Damit zeigte die Aktie im deutschen Benchmarkindex Dax die schlechteste Performance. 2012 ging es aber wieder aufwärts.

Immerhin im Schlussquartal 2011 hat die Commerzbank den Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 316 Millionen Euro gesteigert. Die Erwartungen der Analysten von gut 200 Millionen Euro konnte sie damit deutlich übertreffen. Dabei profitierte sie nach eigenen Angaben von einem „positiven Einmaleffekt“ in Höhe von 735 Millionen Euro, mit dem sie weitere Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen ausgleichen konnte. Nur dank dieses Einmaleffekts gelangen im Gesamtjahr schwarze Zahlen.

Die Anleger reagierten enttäuscht auf die Zahlen: Die Aktie des Instituts brach am Donnerstag zeitweise um fast zehn Prozent ein, erholte sich aber im späteren Handelsverlauf.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

23.02.2012, 12:09 Uhr

Blessing vertröstet den Staat, was für eine Überschrift!!! Wir Steuerzahler Herr Blessing, erwarten die sofortige Rückerstattung von Steuermittel. Wenn ihre Bank dieser Aufforderung nicht nachkommt, gibt es ein anderes Mittel, dies ist: Sie persönlich und ihre Vorstandsmittglieder haften mit ihren eigenen Geldmittel, Pension, Privatvermögen usw. und schon haben wir Steuerzahler unser Geld mit Zinsen zurück.
Alternativlos.
Danke

Revisor

23.02.2012, 12:43 Uhr

Gute Sichtweise!

Nun hat Blessing (Merke: die erste Generation schaffts, die zweite erhälts, die drtte verprassts...) ja schon 14 Milliarden seinen Aktionären via Kapitalverwässerung abgenommen und dafür die Voraussetzungen geschaffen, daß die Vorstände wieder über 500.000EUR kassieren....

Schon das war allerdings noch zuviel für einen, der sich schon in der letzten HV im April 2011 einen Totalversager nennen lassen mußte!

Account gelöscht!

23.02.2012, 12:49 Uhr

Wenn die Steuerzahler Commerzbankaktien für 1,07 Euro gekauft hätten (die sind ja alle so schlau) und hätten sie nur ein paar Wochen später für 2,13 Euro verkauft, hätten sie mehr Gewinn gemacht, als mit jeder anderen Anlage. Wohl dem, der es gewagt hat.
Der Staat hat die Bank ja gedrängt griechische Staatspapiere zu kaufen. Dann muss man halt auch die Folgen tragen. Lieber Steuerzahler, Kritik am Staate steht dir zu, aber denk daran, der Staat bist du.

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