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27.10.2011

10:54 Uhr

Commerzbank-Chef

Blessing will nie wieder Staatshilfe

Commerzbank-Chef Martin Blessing will den staatlichen Banken-Rettungsfonds Soffin nicht noch einmal anzapfen. Das Geldhaus will die höheren Kapitalanforderungen im Zuge der Euro-Schuldenkrise aus eigener Kraft stemmen.

Martin Blessing über den Soffin: „Da gehe ich nicht nochmal hin.“ dapd

Martin Blessing über den Soffin: „Da gehe ich nicht nochmal hin.“

HamburgDie teilverstaatlichte Commerzbank braucht wegen der beim EU-Gipfel festgelegten Kapitalregeln nach eigenen Angaben kein weiteres Staatsgeld. Bei aller Dankbarkeit, die die Bank für die Hilfe der Steuerzahler und der Politik empfinde, sei die „öffentliche Begleitung“ auf die Inanspruchnahme des SoFFin beim letzten Mal wenig motivierend gewesen, sagte Blessing am Mittwochabend vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. „Ich gehe da nicht nochmal hin“, fügte der Commerzbank-Chef hinzu.

Die Commerzbank hatte 2008 und 2009 insgesamt 18 Milliarden Euro Kapital vom Staat erhalten, um die Finanzkrise zu überstehen. Nun sollen die europäischen Banken ihre Eigenkapitalpuffer bis Juni 2012 auf neun Prozent hartes Kernkapital erhöhen, um für eine Staatspleite in Europa gewappnet zu sein.

Weltweit müssen die Banken ab 2013 nach den Vorgaben der Regulierer ohnehin mehr Eigenkapital vorhalten. „Wir werden dann einen Strauß von Maßnahmen einleiten, der uns ermöglicht Kapital zu generieren“, sagte Blessing. Denkbar sei der Verkauf von strategischen Beteiligungen und der Abbau von Risikoaktiva. Außerdem könnte die Bank Kredite nicht verlängern.

Die Commerzbank braucht nach Berechnungen der europäischen Bankenaufsicht EBA knapp drei Milliarden Euro an Kapital, um die auf dem Gipfel in Brüssel geforderten neun Prozent zu erreichen. Die Commerzbank musste nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers staatlich gestützt werden. Derzeit hält der Staat etwas mehr als ein Viertel des Kapitals der Bank.

In der Nacht zum Donnerstag hatte die europäische Bankenaufsicht (EBA) mitgeteilt, dass sich die europäischen Banken mit 106,45 Milliarden Euro rekapitalisieren müssen, um sich in der Euro-Schuldenkrise fit zu machen. Die größten Summen brauchen mit 30 Milliarden Euro Banken aus Griechenland sowie mit 26,16 Milliarden Euro Institute aus Spanien, mit 14,77 Milliarden Euro italienische Banken und mit 8,84 der Finanzsektor in Frankreich. Deutsche Banken brauchen frisches Kernkapital in Höhe von 5,18 Milliarden Euro.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

27.10.2011, 12:03 Uhr

Wann dankt dieser Mensch endlich ab?

Nachdenker

27.10.2011, 12:22 Uhr

Nachdenker
Dabei denkt der Herr nur an die Gehaltsbegrenzungen für die Vorstände... oder sieht das jemand anders...

Für das von Staat geliehene Geld hat man durch Tricksereien bei der Bilanzierung noch keinen Euro Zinsen bezahlt.

pekrop09

27.10.2011, 12:33 Uhr

Martin Blessing sollte nicht voreilig sein. Die Brüsseler Beschlüsse lassen zunächst einmal aufatmen, aber die Staatsschulden-Krise ist damit nicht erledigt. Nach Griechenland stehen weitere große Euro-Problemstaaten auf der Agenda. Die Frage ist, wie weit die Commerzbank noch in deren Staatsanleihen engagiert ist. Die dortigen politischen Verhältnisse sind ungelöst, die wirtschaftliche Stabilität nicht garantiert. Vielleicht überlegt sich Blessing angesichts dessen seine Aussage nochmal. Mit - gelinde gesagt - überhöhten Dispo-Krediten aus dem Kundengeschäft von zuletzt 13,4 Prozent sind weitere Belastungen jedenfalls nicht zu lösen. Eine weitere Riesen-Kapitalerhöhung ist auf weiteres kaum zu platzieren. Und mit einem nochmaliges schnöden Dankeschön an die lieben Steuerzahler ist es bei angepeilten höheren Manager-Boni der Commerzbank sicher nicht getan.

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