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20.04.2016

13:08 Uhr

Commerzbank-Chef Martin Blessing

Zum Abschied ein leises Servus

VonMichael Brächer

Auf seiner letzten Hauptversammlung als Commerzbank-Chef erntet Martin Blessing höflichen Applaus von seinen Aktionären, die Stimmung ist versöhnlich. Doch für seinen Nachfolger gibt es noch viel zu tun.

Handelsblatt-Interview zur Commerzbank

Nieding: „Aus Aktionärssicht hat Blessing das Ziel verfehlt“

Handelsblatt-Interview zur Commerzbank: Nieding: „Aus Aktionärssicht hat Blessing das Ziel verfehlt“

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FrankfurtBevor die Hauptversammlung der Commerzbank beginnt, joggt Bundestrainer Jogi Löw über die Bildschirme in der Halle 11 der Frankfurter Messe. „Mit dem Erfolg wachsen die Erwartungen“, orakelt Löw im neuen Commerzbank-Werbespot. Daran gemessen dürften die Erwartungen der Commerzbank-Aktionäre überschaubar ausfallen: Sie erhalten lediglich eine Dividende von 20 Cent je Aktie.
Doch für Commerzbank-Verhältnisse ist das schon ein Erfolg. Immerhin schüttet das Geldhaus damit zum ersten Mal seit Blessings Amtsantritt 2008 wieder eine Gewinnbeteiligung aus. Blessings Abschied fiel deshalb versöhnlich aus. Doch für seinen Nachfolger bleibt noch viel zu tun.

Die Amtszeit von Commerzbank-Chef Blessing in Zitaten

2008: Übernahme Dresdner Bank

„Wir untermauern unseren Anspruch, die führende Bank in Deutschland zu werden.“ (Blessing am 1.9.2008 in Frankfurt zur am Vortag vereinbarten Übernahme der Dresdner Bank.)

2009: Vorsitzender des Vorstandes

„Das fällt unter die Überschrift 'Titel ohne Mittel', ansonsten hat sich nichts geändert.“ (Blessing am 8.5.2009 in Frankfurt zur Entscheidung des Aufsichtsrats vom Vortag, ihn vom „Sprecher des Vorstands“ zum „Vorsitzenden des Vorstands“ zu befördern.)

2010: Gemeinsame Marke

„So ein Silberbesteck können Sie doch lange benutzen – egal was für ein Logo drauf ist.“ (Blessing am 15.6.2010 in Frankfurt zu den Folgen der Umstellung von Commerzbank und Dresdner Bank auf eine gemeinsame Marke.)

2010: Finanzkrise

„Lob freut mich immer, man kriegt es heute als Banker nicht so oft.“ (Blessing am 24.9.2010 in Frankfurt zur Äußerung von Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), Blessing habe in der Finanzkrise zu jenen Bankern gehört, „die noch am ehesten zu Selbstkritik bereit waren“.)

2011: Aussteigen

„Ich finde es schöner da auszusteigen als einzusteigen.“ (Blessing am 6.4.2011 in Frankfurt auf die Frage, wie es sich anfühle, den Staat wieder loszuwerden.)

2011: Dresdner Bank

„Wie konnte man sich nur die zurechtgeschminkte Leiche Dresdner Bank auf den Bauch binden lassen?“ (Commerzbank-Aktionär Richard Mayer bei der Hauptversammlung am 6.5.2011 zur Übernahme der Dresdner Bank.)

2012: Schuldenschnitt Griechenland

„Die Freiwilligkeit bei dem Ding ist ja so, wie das Geständnis bei der spanischen Inquisition freiwillig war.“ (Blessing am 23.2.2012 zum von der Politik als „freiwillig“ bezeichneten Schuldenschnitt für die privaten Gläubiger Griechenlands.)

2012: Kursabsturz

„Dass die Aktionäre bei der Kursentwicklung bis zum Jahresende nicht happy waren, ist klar.“ (Blessing am 23.2.2012 zum Absturz des Commerzbank-Kurses im Jahr 2011.)

2012: Bilanz Blessing und Müller

„Seit 2008 haben Sie ihren gesunden Menschenverstand ausgeschaltet.“ (Aktionär Richard Mayer bei der Hauptversammlung am 23.5.2012 zur Bilanz von Blessing und Müller.)

2012: Ziele bis 2016

„Ich möchte eine Bank, der die Kunden vertrauen können.“ (Blessing am 8.11.2012 in Frankfurt zu den Zielen für Deutschlands zweitgrößtes Geldinstitut bis zum Jahr 2016.)

2012: Institut-Umbau

„Ich finde Marathonlauf am besten, wenn man selbst durchs Ziel kommt. Ich habe vor, den Lauf zu Ende zu laufen.“ (Blessing am 8.11.2012 in Frankfurt auf die Frage, ob er den erneuten Umbau das Instituts bis zum Ende verantworten will.)

2014: Rückhalt im Aufsichtsrat

„Dieser Aufsichtsrat steht hinter Herrn Blessing. Wir sind Gott dankbar, dass wir ihn haben.“ (Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller bei der Hauptversammlung am 8.5.2014 in Frankfurt.)

2015: Kapitalerhöhungen

„Sie sind der bislang ungekrönte König der Anteilsverwässerung.“ (Der Vizepräsident der Aktionärsvereinigung DSW, Klaus Nieding, bei der Hauptversammlung am 30.4.2015 in Frankfurt an die Adresse von Blessing mit Blick auf die bis dato zehn Kapitalerhöhungen in dessen Amtszeit seit 2008.)

2016: Bilanz-Vorlage

„Es ist nicht so, dass hier jetzt das Ende der Arbeit ausgebrochen ist.“ (Blessing bei der Bilanz-Vorlage am 12.2.2016 in Frankfurt.)

Unterm Strich hatte die Commerzbank im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Euro verdient. Und von den vier selbstgesteckten Zielen für das Jahr 2016 hat der scheidende Commerzbankchef immerhin die Hälfte erreicht. Er konnte die riskante Kredite abbauen und die Kapitalausstattung der Bank verbessern. Eigenkapitalrendite und Ertragsquote blieben aber unter den Erwartungen.
Für den designierten Vorstandschef Martin Zielke gibt es also noch einiges zu tun. Der bisherige Privatkundenvorstand soll im Mai den Chefposten übernehmen. Zielke selbst kam auf der Hauptversammlung nicht zu Wort. Sein Vorgänger dämpfte schon mal allzu hohe Erwartungen. Nach einem schwächeren ersten Quartal werde es „deutlich ambitionierter, das Konzernergebnis von 2015 zu erreichen“, sagte Blessing. Damals hatte die Bank immerhin eine Milliarde Euro verdient – und damit so viel wie seit 2010 nicht mehr.

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