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05.07.2016

14:16 Uhr

Commerzbank

Einschnitte in Firmenkunden-Sparte geplant

Lahmende Kreditnachfrage, Mini-Zinsen und Einschnitte im Mittelstandsgeschäft: Die Commerzbank will ihre Firmenkunden-Sparte verschlanken. Doch ein reines Sparprogramm hat Chef Martin Zielke wohl nicht im Sinn.

Lange war die Firmenkunden-Sparte ein verlässlicher Gewinnbringer für die Bank – nun soll das Geschäft verschlankt werden. Reuters

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt

Lange war die Firmenkunden-Sparte ein verlässlicher Gewinnbringer für die Bank – nun soll das Geschäft verschlankt werden.

FrankfurtDer neue Commerzbank-Chef Martin Zielke plant wegen mauer Kreditnachfrage und niedriger Zinsen Einschnitte im Geschäft mit dem Mittelstand. Wenn Zielke im Herbst die neue Strategie des zweitgrößten deutschen Geldhauses vorstellt, sei in der Mittelstandsbank mit einem Stellenabbau zu rechnen, sagten drei mit der Situation vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. In der Sparte, die über Jahre der verlässlichste Gewinnbringer der Bank war, arbeiten rund 6000 Menschen. Doch seit einiger Zeit bröckeln die Erträge. „Die Sparte steht vor Herausforderungen. Mit Krediten lässt sich immer weniger Geld verdienen“, sagte ein Insider. „Da dreht man an allen Kostenschrauben.“ Die Commerzbank wollte sich dazu nicht äußern.

Noch sei offen, wie umfangreich der Stellenabbau ausfallen werde und ob sich zumindest ein Teil der Kostensenkungen auch über Einsparungen an anderer Stelle bewerkstelligen ließe, hieß es in Finanz- und Aufsichtsratskreisen. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagausgabe) befürchten Mitarbeiter, dass 20 bis 25 Prozent der Arbeitsplätze in der Sparte wegfallen könnten.

Commerzbank: Sollen doch andere das Geld verleihen

Commerzbank

Sollen doch andere das Geld verleihen

Die Commerzbank startet eine Plattform, auf der Kunden und Kreditgeber privat zusammen finden. Für das Bankhaus ein kluger Schachzug: Es muss kein eigenes Geld mehr verleihen. Doch wozu braucht man dann noch eine Bank?

„Vorstand Markus Beumer will unter Beweis stellen, dass er die Mittelstandsbank auf Vordermann bringen kann“, sagte einer der Insider. Beumer hatte auch als Kandidat für den Chefposten gegolten, den Posten erhielt dann aber sein Vorstandskollege Zielke, der in den vergangenen Jahren das Privatkundengeschäft grundlegend saniert hatte. „Dort hat man nicht nur Stellen gestrichen, sondern auch etwa in die Digitalisierung investiert“, hieß es in Kreisen des Aufsichtsrats. „Ein reines Sparprogramm wäre nicht das, wofür man Zielke gewählt hat.“

Digitalisierung, Wachstum und Kosten sind Insidern zufolge die Stellschrauben, an denen er arbeitet. Zielke, der am 1. Mai sein neues Amt angetreten hatte, habe die Unternehmensberatung McKinsey engagiert, die Strategie mit zu erarbeiten. Die noch von seinem Vorgänger Martin Blessing ausgegebenen bisherigen Ziele reichen nur noch bis zum Jahresende. Manche hat die Bank längst erreicht, andere gelten inzwischen als unerreichbar.

Filialsterben der Banken (2010 bis 2015)

Sparkassen

Zahl der Filialen (Ende 2010): 13.025

Zahl der Filialen (Ende 2013): 12.323

Zahl der Filialen (Ende 2015): 11.459

Veränderung 2015 vs. 2010: -12 Prozent

Quelle: Bundesbank

Volksbanken/Raiffeisenbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 11.830

Zahl der Filialen (Ende 2013): 11.335

Zahl der Filialen (Ende 2015): 10.630

Veränderung 2015 vs. 2010: -10,1 Prozent

Großbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 8.132

Zahl der Filialen (Ende 2013): 7.610

Zahl der Filialen (Ende 2015): 7.240

Veränderung 2015 vs. 2010: -11 Prozent

Regional- und Kreditbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 2.604

Zahl der Filialen (Ende 2013): 2.424

Zahl der Filialen (Ende 2015): 2.340

Veränderung 2015 vs. 2010: -10 Prozent

Im Geschäft mit dem Mittelstand hatte die Commerzbank 2015 operativ 1,06 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet, das waren 13 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Im ersten Quartal 2016 brach das Ergebnis der Firmenkunden-Sparte um 43 Prozent auf 209 Millionen Euro ein. Um die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht zu stark zu spüren, reicht die Commerzbank diese inzwischen teilweise an die Kunden weiter oder versucht sie dazu zu bewegen, ihr Geld nicht auf dem Konto zu parken, sondern anderweitig anzulegen. Darüber hinaus erwägt das Geldhaus Finanzkreisen zufolge, mehrere Milliarden Euro in Tresoren zu horten.

Dem „SZ“-Bericht zufolge erwägt die Commerzbank außerdem, Handwerker und ähnliche kleine Geschäftskunden, die bisher dem Privatkunden-Geschäft zugeordnet sind, von der Mittelstandsbank betreuen zu lassen. Diese kümmert sich bisher um Kunden mit einem Umsatz von mehr als 2,5 Millionen Euro.

Von

rtr

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