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01.02.2008

10:23 Uhr

Commerzbank

Essen Hyp bringt Lasten mit

VonAndrea Cünnen und Hans G. Nagl

Die Integration des Staatsfinanzierers Essen Hyp sorgt bei Commerzbank für eine "schwarze Null" in der Staatsfinanzierung. Nun wird die Essen Hyp in die Eurohypo integriert und steht damit vor dem Aus. Den Mitarbeitern sollen Ersatz-Stellen im Konzern angeboten werden.

Unter der Führung ihres Vorstands Michael Reuther, möchte die Commerzbank das Portfolio bereinigen. Foto: AP ap

Unter der Führung ihres Vorstands Michael Reuther, möchte die Commerzbank das Portfolio bereinigen. Foto: AP

FRANKFURT. Die Integration des Staatsfinanzierers Essen Hyp sorgt bei der Commerzbank im laufenden Jahr für eine deutliche Belastung. "Wir werden Teile des Essen-Hyp-Portfolios, die nicht zum originären Bestand der Staatsfinanzierung zählen, bereinigen", sagte Commerzbank -Vorstand Michael Reuther am Donnerstag. Hinzu kämen Kosten beispielsweise für die Vereinheitlichung der IT-Plattformen. In Summe werde der Bereich Staatsfinanzierung der Commerzbank deshalb nur ein "ausgeglichenes Ergebnis" liefern. Verglichen mit 2006 ist das ein drastischer Einbruch: Damals wurde in dem Segment unter Einschluss der Liquiditätssteuerung (Treasury) noch ein Vorsteuergewinn von 275 Mill. Euro verbucht. Für das vergangene Jahr legt die Commerzbank am 14. Februar die Zahlen erst noch vor.

Das Institut hatte bis in den November hinein nur 51 Prozent an der 1987 gegründeten Essen Hyp gehalten. Das Staatsfinanzierungsgeschäft wurde parallel in der Eschborner Tochter Eurohypo betrieben, wodurch in großem Umfang Synergien verschenkt wurden. Reuther musste fast ein Jahr lang mit dem Essen-Hyp-Miteigentümer Schuppli verhandeln, bis dieser schließlich ausstieg. Branchenkreisen zufolge zahlten die Frankfurter hierfür rund 400 Mill. Euro.

Nun wird die Essen Hyp in die Eurohypo integriert und steht damit vor dem Aus. Den 203 Mitarbeitern sollen Stellen im Konzern angeboten werden, die sich zum Teil jedoch im Rhein-Main-Gebiet befinden. Die Rating-Agentur Fitch begrüßte die Integration der EssenHyp, bestätigte die "A"-Bonitätsnote der Commerzbank und sprach von auf mittlere Sicht positiven Aussichten. Reuther deutete an, dass die Belastungen durch Essen Hyp im laufenden Jahr in einer Größenordnung von 140 bis 150 Mill. Euro liegen könnten.

Analysten gaben sich angesichts der Prognosen für das Segment überrascht. "Man könnte sich die Frage stellen, ob da nicht noch negative Nachrichten folgen", meinte ein Experte. Nach Reuthers Worten ist die Essen Hyp in der Vergangenheit vergleichsweise hohe Zinsrisiken eingegangen. Der Banker ließ offen, ob im Zuge der Finanzkrise Abschreibungen auf das Wertpapierportfolio als indirekte Folge der Finanzkrise drohen. Vor kurzem war in Branchenkreisen bekannt geworden, dass die Essener 2007 mit einem Verlust abschließen. Im Jahr 2010 soll die Sparte aber wieder einen operativen Gewinn von 250 bis 300 Mill. Euro einfahren.

Durch die Integration entsteht Europas drittgrößter Staatsfinanzierer hinter der belgisch-französischen Dexia und der Depfa, die seit Sommer zur Hypo Real Estate gehört. Der Bestand an Staatsfinanzierungen der neuen Eurohypo dürfte bei rund 180 Mrd. Euro liegen. "Wir streben einen Platz unter den Top-Zwei der europäischen Staatsfinanzierer an", sagte Reuther.

Am Pfandbriefmarkt wird das Institut auf Anhieb die neue Nummer eins und löst die spanische AyT, die Gemeinschaftsemissionen spanischer Sparkassen bündelt, ab. Nach Daten der Dresdner Kleinwort kommen Essen Hyp und Eurohypo gemeinsam allein am für Großinvestoren wichtigen Jumbo-Markt für Pfandbriefe und internationale Covered Bonds ab einer Mrd. Euro auf ein Volumen von gut 79 Mrd. Euro. AyT hat hingegen nur knapp 50 Mrd. Euro ausstehen.

Die Integration der Essener macht nach Meinung von Analysten grundsätzlich Sinn. "Auf Dauer wäre es ineffizient, das Staatsfinanzierungsgeschäft aus Frankfurt und Essen heraus zu betreiben", sagt Annegret Hasler, Analystin bei Dresdner Kleinwort.

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