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19.01.2012

07:42 Uhr

Commerzbank

EU signalisiert grünes Licht für Eurohypo-Pläne

VonYasmin Osman, Thomas Ludwig

ExklusivEine Auflage der EU-Kommission, die die Commerzbank zum Verkauf der Tochter Eurohypo verpflichtet, scheint zu kippen. Das berichten mit den Verhandlungen vertraute Personen. Die Ersatzauflagen dürften verschmerzbar sein.

Das Logo der Eurohypo auf der Fassade der Commerzbank-Zentrale. Reuters

Das Logo der Eurohypo auf der Fassade der Commerzbank-Zentrale.

FrankfurtIn den Verhandlungen über die Zukunft der Commerzbank-Tochter Eurohypo mit der EU-Kommission zeichnet sich nach Handelsblatt-Informationen eine baldige Lösung ab. Die EU-Kommission habe signalisiert, dass sie mit den Plänen der Commerzbank einverstanden sei, Teile der Eurohypo zu integrieren und den Rest abzuwickeln. Die Gespräche könnten bereits im kommenden Monat abgeschlossen werden, hieß es.

Dafür wird das Geschäft der Eurohypo aber wohl gründlich gestutzt. Den Informationen zufolge wird die Kommission der Commerzbank zwar aller Wahrscheinlichkeit nach erlauben, Teile des profitablen Immobiliengeschäfts der Eurohypo in den Konzern zu integrieren. „Das werden aber wohl sehr kleine Teile sein, der Rest wird abgewickelt“, heißt es aus den mit den Gesprächen vertrauten Kreisen.

Es gilt als wahrscheinlich, dass die Eurohypo sich zumindest aus einem Teil ihres gesunden Kerngeschäfts im Ausland zurückziehen muss. Ende Juni 2011 bestand das Kerngeschäft der Eurohypo noch aus einem 26,8 Milliarden Euro großen deutschen und einem 30 Milliarden Euro großen ausländischen Immobilienkreditbuch.

Wie chancenlos ein Verkauf der Eurohypo derzeit wäre, belegt gestern die Mitteilung der Ratingagentur Moody’s. Sie kündigte an, die Ratings der Commerzbank und der Eurohypo auf eine Herabstufung hin zu prüfen. Grund sei die negative Entwicklung bei der Eurohypo. Die Eurohypo wäre ohne Unterstützung ihres Mutterkonzerns in den Augen der Ratinganalysten praktisch nicht überlebensfähig.

Als Achillesferse gilt die Refinanzierung. Ohne ordentliche Sicherheiten erhält die Eurohypo ohnehin an den Kapitalmärkten kein Geld. Und auch die Refinanzierung über Pfandbriefe, also über Anleihen, die zusätzlich mit Immobilien- oder Staatskrediten besichert sind, sei zuletzt nicht leicht gewesen, berichten Finanzexperten. In so einem Zustand wäre es äußerst schwierig gewesen, einen Käufer zu finden.

Auch die schwache Kapitalbasis der Eurohypo ist Moody’s angesichts der schwelenden Staatsfinanzierungskrise in Europa ein Dorn im Auge. Immerhin besitzt die Commerzbank-Tochter noch immer griechische Staatsanleihen im Volumen von 1,4 Milliarden Euro, die erst auf 50 Prozent ihres Ursprungswerts abgeschrieben sind. In den Verhandlungen über einen Schuldenschnitt zeichnet sich aber längst ab, dass die Verluste auf griechische Bonds letztlich wohl bei mindestens 70 Prozent liegen dürften. Das hieße, dass das Institut im vierten Quartal wohl erneut mindestens 500 Millionen Euro abschreiben muss.

Die Probleme der Commerzbank

Das bisherige Ziel: Staatshilfe zurückzahlen

Commerzbank-Chef Martin Blessing bemüht sich seit drei Jahren, die Staatshilfen zurückzuzahlen, mit denen die zweitgrößte deutsche Bank in der Kreditklemme 2008 gestützt wurde. Nun droht die Schuldenkrise in Europa die Bank  wieder auf das Startfeld zurückzuwerfen.

Die Kapitelerhöhung

Im vergangenen Jahr hat Blessing das Kapital der Bank um 11 Mrd. Euro erhöht. Eine Aktienplatzierung sowie eine Wandlung der stillen Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin in Aktien und Überschusskapital ermöglichten es der Bank, im Juni 14,3 Mrd. Euro an Staatshilfen zurückzuzahlen.

„Weit aus dem Fenster gelehnt“

Blessing "hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Äußerungen seit Oktober, die Commerzbank werde keine Staatshilfe beantragen", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie könnten erklären, dass die Regeln mitten  im Spiel geändert wurden, aber sie werden alles versuchen, bevor sie nochmals staatliche Hilfe annehmen müssen."

Die große Gefahr

Blessing hat sich dazu verpflichtet, keine staatlichen Hilfen mehr anzunehmen, obwohl die Commerzbank unter Druck steht, ihr Kapital auszuweiten, um striktere Vorschriften zu erfüllen. Doch sollte die EBA ihre Kapitalanforderungen deutlich anheben, dürfte die Commerzbank beim Rettungsfonds Soffin um Hilfen ersuchen müssen.

Das neue Ziel: Notwendiges Kapitalniveau erreichen

Die Commerzbank muss dringend Maßnahmen ergreifen, um das Kapitalniveau auf den von der EBA geforderten Wert zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter anderem den Rückkauf hybrider Anleihen und die Auslagerung von Staatsanleihen in eine sogenannte "Bad Bank".

Soffin reaktivieren

Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds Soffin aufgelegt. Der hat Milliardensummen in die Finanzbranche, die Tore für neue Hilfen aber Ende 2010 geschlossen. Doch unter Umständen wird das zurückgenommen; der Soffin könnte der Eurohypo also vielleicht zur Verfügung stehen.

Erneute Staatshilfe vermeiden

Natürlich will die Commerzbank wenn es irgendwie geht verhindern, erneut die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits angekündigt hat die Bank Pläne, die risikogewichteten Aktiva um bis zu 30 Milliarden Euro zu verringern.

Sorgenkind Eurohypo

Zudem hat das Institut die Kreditvergabe bei der Hypothekentochter Eurohypo vorübergehend einzustellen. Für die Tochter sucht die Commerzbank zudem nach Kaufinteressenten, auch eine Übernahme durch den Staat ist im Gespräch, wie aus unterrichteten Kreisen verlautete.

Hohen Verlust in Kauf nehmen

Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Die Bank erwägt eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.

Verkauf strategischer Beteiligungen

Nun prüft die Commerzbank auch den Verkauf nicht strategischer Beteiligungen. Nur die Anteile an der Comdirect Bank und der polnischen BRE Bank stehen nicht zur Disposition. Damit will die Commerzbank bis Mitte 2012 die Kapitalanforderungen der EBA bis Mitte 2012 erfüllen.

Aktienkurs im Sinkflug

Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der zweiten Jahreshälfte 2011 um 56 Prozent eingebrochen. Damit zeigte die Aktie im deutschen Benchmarkindex Dax die schlechteste Performance. 2012 ging es aber wieder aufwärts.

Das marode Staatsanleihen-Portfolio der Eurohypo war bereits 2011 Grund dafür, dass die Commerzbank den europäischen Stresstest nicht bestand und nun bis Juni ihre Kapitallücke von mindestens 5,3 Milliarden Euro schließen muss. Nach der gestrigen Vorstandssitzung der Commerzbank konkretiesieren sich die Pläne, wie das Institut dies bewerkstelligen will. Aus der Commerzbank erfuhr das Handelsblatt, der Vorstand verfolge primär einen Plan A, der ausschließlich Maßnahmen umfasse, mit denen die Bank die Kapitallücke vor allem durch den Abbau von Risiken schließen wolle.

Die Umwandlung der stillen Einlage der Allianz in hartes Kapital sei nur in einem Plan B vorgesehen, hieß es. Der Vorstand will verhindern, dass neben dem Bund ein zweiter Großaktionär Einfluss erhält. Nach einer Umwandlung ihrer stillen Einlage wäre die Allianz mit rund 15 Prozent zweitgrößter Anteilseigner der Commerzbank.


Kommentare (1)

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oldendorp

19.01.2012, 09:10 Uhr

.....................
COBANK - RETTUNG
.....................
die anzeichen für eine erfolgreichen stresstest der
COBANK werden positiver..
..
zzt. wird der aktienkurs wegen dieser unsicherheit
und der bestehenden staatsbeteiligung gedeckelt...
..
sollten diese allerdings beseitigt werden, wird sich
die situation wieder anders darstellen..
..
risikobereite anleger sind bereits engagiert..!!
..
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