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30.10.2013

18:03 Uhr

Commerzbank

Filialumbau wird viele Jahre dauern

Die Commerzbank will ihre Filialen umbauen, damit die Kunden nicht nur die Automaten im Vorraum nutzen, sondern mit den Beratern in Kontakt treten. Allerdings wird die Umgestaltung wohl einige Jahre dauern.

Commerzbank in Frankfurt: „Das ist ein langfristiger Prozess.“ Reuters

Commerzbank in Frankfurt: „Das ist ein langfristiger Prozess.“

FrankfurtDie Commerzbank will sich mit dem geplanten Umbau ihrer 1200 Filialen in Deutschland mehrere Jahre Zeit lassen. „Das ist ein langfristiger Prozess“, sagte Privatkunden-Vorstand Martin Zielke auf einer Veranstaltung der „Börsen-Zeitung“ in Frankfurt. Man könne nicht erwarten, dass in zwei bis drei Jahren die Hälfte des Filialnetzes ein neues Gesicht bekommen werde. Damit dürften die Commerzbank-Filialen dem laufenden Umbau des Privatkundengeschäfts hinterherhinken, der bis 2016 abgeschlossen sein soll. Im Zuge dessen sollen 1800 der 12.000 Filial-Mitarbeiter ihre Jobs verlieren.

Die erste „neue“ Filiale solle Anfang Dezember in Berlin eröffnet werden, sagte Zielke. Ob sie tatsächlich zum Vorbild für alle neuen Geschäftsstellen wird, ist aber fraglich. „Wir werden uns die Zeit lassen, das ausführlich zu testen“, sagte der Vorstand. Weitere Pilot-Filialen sollen folgen. Mit ihnen will die Bank verhindern, dass wie bisher bis zu 70 Prozent der Kunden nur die Geldautomaten und Kontoauszugdrucker im Vorraum nutzen, wenn sie in eine Filiale kommen. Die Geräte sollten in den Schalterraum integriert werden, die Angestellten sollen auf den Kunden zugehen statt umgekehrt.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die Commerzbank hatte nach der Fusion mit der Dresdner Bank das gemeinsame Filialnetz um ein Viertel ausgedünnt - vor allem durch die Schließung eng beieinander liegender Filialen. Damit habe die Bank 800 Millionen Euro gespart, das seien 20 Prozent der Gesamtkosten im Privatkundengeschäft.

Zielke prophezeite der Bankenbranche einen Umbruch, „wie ich ihn in 30 Jahren nicht erlebt habe“. Banken, die jetzt nicht wie die Commerzbank ihr Geschäftsmodell radikal umbauten, drohten vom Markt zu verschwinden. Neue Kunden ließen sich nur in einem Verdrängungswettbewerb anlocken. „Wer wachsen will, muss Marktanzeile gewinnen“, sagte Zielke. Zwei Drittel aller Kunden wollten eine Bank, die Filial- und Direktbank zugleich sei. „Bis Ende 2014 bietet die Commerzbank alles, was eine Direktbank hat.“ Sie gewinne derzeit rund 5000 Privatkunden pro Woche. „Das entspricht in etwa einer Filiale.“ Im ersten Halbjahr seien es schon 100.000 gewesen.

Von

rtr

Kommentare (4)

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scharfschuetze

30.10.2013, 18:32 Uhr

Ich bin dafür daß die Commerzbank abgewickelt wird. Es ist dies das dümmste und überflüssigste Institut seiner Art. NICHTS funktioniert dort, gar nichts. Ich war lange Jahre zufriedener Dresdner Bank Kunde und wurde mit übernommen, und dann ging es bergab. Heute bin ich bei einer VR-Bank, und siehe da: SO geht Bank auch.

Banker

31.10.2013, 16:49 Uhr

Bravo Herr Zielke, das sind ja wieder ganz fundierte Botschaften. Wie man darauf nur kommen kann und dass Sie anderen Häusern Ratschläge und Warnungen geben ist richtig klasse. Sie "beweisen " ja wirklich laufend Ihre strategische Kompetenz. Jetzt sollen Ihre Mitarbeiten sogar auf die Kunden zugehen, das ist schon revolutionär für eine Vertriebsorganisation... Vielleicht ist es das ja wirklich für eine Bank die von Technokraten an der Spitze kaputtgewirtschaftet wird. 5.000 neue Kunden gewinnen Sie, Bravo Damit, dass Sie Ihr Produkt verschenken und alle Ihre Preise dauerhaft kaputt machen, so nie mehr aus dieser Abwärtsspirale raus kommen.Ist ja einfacher las auf Mitarbeiterkompetenz zu setzen. Sie managen wieder auf Zeitgewinn (alle Positive dauert, jetzt bis 2016, vorher bis 2012...) Somit halten Sie sich im Amt und irgendwann wird die Bank still und leise zwangs-fusioniert. Dann war es wieder der böse Markt, aber keinesfalls die Unfähigkeit des Managements. Leidtragende sind wieder die eh schon frustrierten Mitarbeiter, Sie persönlich gehen mit vollen Taschen (coc-Klausel) heim.
Schade um diese Bank.

Phil

04.11.2013, 14:27 Uhr

Ach die Berater sollen auch noch bei Kontoausdrucken auf Ihre Kunden zugehen.
Das nervt natürlich diejenigen, die nur Ihren Kontoauszug haben wollen.
Schon jetzt nerven die Berater die Stammkunden, indem Sie ständig anrufen und irgenteinen Ramsch verkaufen wollen.
Toll, so macht man die Bank kaputt.

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