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22.07.2016

09:27 Uhr

Commerzbank im Vorteil

Welche Löcher die Deutsche Bank ins Filialnetz schlägt

VonMartin Dowideit, Michael Brächer

Die Deutsche Bank dünnt ihr Filialnetz kräftig aus. Eine Handelsblatt-Analyse zeigt: Wo sich das Institut zurückzieht, ist der Rivale Commerzbank weiter vor Ort. Zumindest noch.

Dieser Außenposten in Frankfurt-Bornheim steht auf der Schließungsliste. dpa

Deutsche-Bank-Filiale

Dieser Außenposten in Frankfurt-Bornheim steht auf der Schließungsliste.

Düsseldorf/FrankfurtDeutsche Bank und Commerzbank sind die großen Rivalen im privaten Bankensektor mit engmaschigem Filialnetz im ganzen Land. Doch Deutschlands größtes Geldhaus streicht die Zahl der Geschäftsstellen mächtig zusammen, wie viele andere Geldhäuser auch (siehe Handelsblatt-Titelthema). Doch dort wo Deutsche-Bank-Privatkundenvorstand Christian Sewing 188 von 723 Filialen schließt, fällt auf: Die Deutsche Bank geht, die Commerzbank bleibt.

Kunden, die von der Deutschen Bank auf andere Filialen verteilt werden, haben es zukünftig im Schnitt deutlich näher zu einer Filiale des Rivalen Commerzbank als zur Deutschen Bank – und zwar in 151 der 188 Fälle. Eine Analyse des Handelsblatt (hier komplett einsehbar) zeigt, dass die von der Deutschen Bank den von Schließungen betroffenen Kunden als Alternative genannten Filialen im Durchschnitt mehr als 12 Kilometer Fahrtstrecke von den geschlossenen Geschäftsstellen entfernt liegen. Commerzbank-Filialen liegen im Schnitt nur 4,5 Kilometer entfernt.

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Diese Werte werden von einigen großen Distanzen in ländlichen Regionen verzerrt. Der Median der Distanzen zwischen zu schließenden und künftig bestehenden Deutsche-Bank-Filialen beträgt aber auch noch satte 5,4 Kilometer. Das heißt: Mehr als die Hälfte der auch künftig geöffneten Deutsche-Bank-Filialen liegt mehr als fünf Kilometer von geschlossenen Außenposten entfernt – das ist drei mal mehr als der Median der Distanz zu bestehenden Commerzbank-Filialen.

Bankkunden setzen auf Online-Geschäfte und sind vielmals nur selten auf Filialbesuche angewiesen, doch das trifft nicht auf alle Kundengruppen zu. Eine Präsenz vor Ort ist gleichzeitig teuer – und in Zeiten von Niedrigzinsen oft zu teuer für die Banken. So hat auch die Commerzbank in hat den vergangenen Jahren deutlich Geschäftsstellen abgebaut. Nach der Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2008 hatte das Institut mehr als 1.500 Filialen, zuletzt waren es noch 1.050. Doch Commerzbank-Privatkundenvorstand Michael Mandel will seinen Konkurrenten Marktanteile wegschnappen – und zitiert gerne das Credo des Vorstandschefs Martin Zielke: „Filialen schließen ist keine Wachstumsstrategie“.

Die Bank baut ihr Privatkundengeschäft seit Jahren aus und wirbt aggressiv um Neukunden. Rund zwei Drittel davon kämen zur Kontoeröffnung in die Filiale. „Jede Filialschließung kostet uns Erträge“, sagte Mandel im Juni bei der Vorstellung seiner Strategie. Dabei rechnete er vor, dass die Filialmiete selbst nur zwischen sieben und acht Prozent der Kosten ausmache. Die Botschaft: Wir bleiben, wo andere gehen. Nach einem Abbau von mehr als 450 Filialen in den vergangenen Jahren sicherlich eine gewagte These. Doch sollte das Netz tatsächlich so aufrecht erhalten bleiben wie derzeit, kann die Commerzbank zumindest in Bezug auf die Kundennähe gegenüber der Deutschen Bank punkten.

Denn der Vergleich zur Deutschen Bank zeigt deutlich Vorteile für die „Gelben“. In Bad Reichenhall, im äußersten Südosten des Landes, schließt die Deutsche Bank. Es sind von dort mehr als 70 Kilometer Fahrstrecke bis zur alternativen Geschäftsstelle in Rosenheim. Die Commerzbank hat aber eine Filiale in Bad Reichenhall. Im Norden schließt die Deutsche Bank die Geschäftsstelle Husum, bis zur auch künftig geöffneten Geschäftsstelle in Flensburg sind es mehr als 45 Kilometer. Die Commerzbank hat aber eine Filiale in Husum. Natürlich sind jeweils auch Sparkassen und Volks- oder Raiffeisenbanken vor Ort.

Nach Filialschließung: Wie weit ist es zu alternativer Deutsche-Bank-Filiale? Wie weit zu nächster Commerzbank-Filiale?
blau = Deutsche Bank bleibt näher
gelb = Commerzbank künftig näher

Die Kundendichte ist in ländlichen Regionen nicht so hoch, sodass dort weniger Kunden von den Schließungen betroffen sind und die möglichen negativen Effekt für die Deutsche Bank geringer als bei Schließungen in Großstädten. Doch auch im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen hat künftig die Commerzbank die Nase vorn. Nur in 13 von 51 geschlossenen Filialen in dem Bundesland werden es Deutsche-Bank-Kunden künftig noch näher zu einer Filiale ihrer Bank haben. In den 38 anderen Fällen ist die Commerzbank schneller zu erreichen.

Ob die Commerzbank das dichte Netz aufrechten erhalten werde, hänge auch von einem neuen Filialkonzept ab, so Commerzbank-Vorstand Mandel. Das Institut wirbt mit der Idee von Flagship-Filialen, die mit Lounge-Charakter neue Kunden anziehen sollen. 65 bis 100 Filialen will der Bank-Manager in moderne Geschäftsstellen verwandeln, etwa in Bochum, Bremen oder Hannover.

Die Deutsche Bank weiß um das Ausmaß ihrer Kürzungen. Daher sollen rund 30 an ländlichen Standorten geschlossene Filialen auch in „Finanzagenturen“ umgewandelt werden. Diese sollen demnach einen Großteil des heutigen Beratungsangebots weiter fortführen und über SB-Zonen mit Geldautomaten verfügen. „Damit bleiben wir also auch auf dem Land für unsere Kunden gut zu erreichen“, so Deutsche-Bank-Vorstand Sewing. Außerdem solle es künftig zusätzlich sieben Beratungscenter in Deutschland geben, in denen 360 ausgebildete Bankkaufleute per Video, Chat oder Telefon die Kunden beraten, auch außerhalb der klassischen Banköffnungszeiten.

So klappte der Konkurrenzvergleich

Die Daten

Die Deutsche Bank hat auf einer Webseite Informationen zu den 188 Filialen veröffentlicht, die sie schließen wird. Unter anderem enthalten die PDF-Dokumente jeweils Angaben zu den Filialen, die als "aufnehmende Filiale" die Konten der Kunden weiterführen werden.

Die Analyse

Aus den veröffentlichten Dokumenten hat das Handelsblatt die Informationen zu den einzelnen Filialen extrahiert und dann mit Hilfe der Postleitzahlen über Abfragen der Commerzbank-Filialdatenbank die jeweils nächste Filiale des Konkurrenten erfasst.

Der Vergleich

Über die Google Maps API hat die Redaktion dann die Distanzen zwischen den schließenden Deutsche-Bank-Filialen und den künftigen Deutsche-Bank-Filialen beziehungsweise den Commerzbank-Geschäftsstellen ermittelt.

Das Ergebnis

Die Daten zeigen, dass in 151 der 188 Fälle künftig eine Commerzbank-Filiale näher zur geschlossenen Deutsche-Bank-Filiale liegt als eine weiterhin geöffnete Deutsche-Bank-Filiale. Der durchschnittliche Ortsvorteil der Commerzbank liegt über alle Filialen bei mehr als sieben Kilometern.

Alle Daten können hier abgerufen werden.

Die Aussagekraft

Ein größeres Filialnetz wie im Fall der Commerzbank muss nicht zwangsläufig ein Vorteil sein: Die Kosten dafür sind hoch, die Bedeutung einer Filiale für viele online-affinen Bankkunden irrelevant. Die Öffnungszeiten vieler Filialen sind auch so begrenzt, dass sie für Berufstätige mitunter unpraktisch sind.

Dennoch: Vor allem in vielen ländlicheren Regionen und Kleinstädten wird neben Volksbanken und Sparkassen könnte künftig nur noch die Commerzbank präsent sein. Allerdings schließt auch die Commerzbank immer wieder Filialen, sodass sich am hier gezeichneten Bild schon bald hier und da wieder etwas ändern dürfte.

Die Distanzen sind Fahrtstrecken, wie sie Google in Navigationsreports berechnet - keine Angaben zur Luftlinie.

Kommentare (5)

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Novi Prinz

22.07.2016, 09:53 Uhr

Ein Fahrzeug , das auf 100km 14l verbraucht gab es schon vor ?? Jahren !
Ich glaube der hieß damals 230E .War auch ne Gurke !

Account gelöscht!

22.07.2016, 10:35 Uhr

Häääääh?

Deutsche Bank-Filialnetz-Commerzbank-Fahrzeug-Verbrauch-230E-?????????????

G. Nampf

22.07.2016, 10:43 Uhr

Ich gebe der DB keine Überlebenschance mehr.

Diese Bank ist tot.

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