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11.01.2007

07:58 Uhr

Commerzbank ist jüngster Fall

USA drängen deutsche Firmen aus Iran

Die USA setzen weltweit Unternehmen massiv unter Druck, ihre Geschäfte mit dem Iran einzustellen. Mit dieser wirtschaftlichen Isolation wollen sie das Land zwingen, sein umstrittenes Atomprogramm zu stoppen. Das trifft besonders die deutschen Unternehmen hart, machen sie doch traditionell gute Geschäfte in der Region. Der jüngste Fall kommt aus der Bankenwelt.

Bewegen sich auf heiklem Terrain: Jürgen Hambrecht (BASF), Dieter Zetsche (Daimler), Wolfgang Reitzle (Linde), Klaus-Peter Müller (Commerzbank) und Klaus Kleinfeld (Siemens). Bildmontage: Handelsblatt

Bewegen sich auf heiklem Terrain: Jürgen Hambrecht (BASF), Dieter Zetsche (Daimler), Wolfgang Reitzle (Linde), Klaus-Peter Müller (Commerzbank) und Klaus Kleinfeld (Siemens). Bildmontage: Handelsblatt

BERLIN. Die Commerzbank hat nach massivem Druck der USA jetzt angekündigt, die Abwicklung von Dollar-Geschäften für Iran Ende Januar zu beenden. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte sich in seiner Eigenschaft als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken vor wenigen Monaten bereits über den Druck der Amerikaner in Sachen Iran öffentlich beschwert.

Die Commerzbank war die letzte große westliche Bank, die Dollar-Geschäfte für Iran abgewickelt hatte. Nun bleiben nach Angaben aus iranischen Finanzkreisen nur noch drei Geldhäuser aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die Teheran mit Dollar versorgen. Schon vor der Commerzbank hatten andere Kreditinstitute wie Dresdner Bank, Credit Suisse, UBS, HSBC und Barclays entsprechendem amerikanischem Druck nachgegeben. „Jede einzelne Bank in der Region wird von US-Vertretern angesprochen und gedrängt, ihr Geschäft einzustellen“, sagt der in Teheran ansässige Wiener Finanzmarktspezialist Albrecht Frischenschlager von dem Finanzberater Middle East Strategies.

Um Teheran zur Aufgabe der Urananreicherung zu bringen, hat der Uno-Sicherheitsrat Sanktionen verhängt, die aber nur die Lieferungen von Raketentechnik und zum Betrieb für Schwerwasserreaktoren nötiger Bauteile umfassen. Die USA haben hingegen einseitig eine Wirtschaftsblockade gegen Iran verhängt.

Nun bangen auch deutsche Unternehmen aus anderen Branchen um ihr traditionell gutes Iran-Geschäft. Die Folgen des verschlechterten Klimas sind schon deutlich spürbar: Die deutschen Ausfuhren nach Iran sanken 2006 deutlich – in den ersten drei Quartalen um 14 Prozent.

Deutsche Unternehmen versuchen jetzt, ihre mit Teheran abgeschlossenen Verträge am besten gar nicht öffentlich werden zu lassen. „Alles, was das US-Geschäft tangieren könnte, ist tödlich. Deshalb redet in Teheran keiner über seine iranischen Aufträge“, sagte ein deutscher Unternehmensvertreter in Teheran unter der Bedingung, dass sein Name nicht gedruckt wird. Vor allem an US-Börsen gelistete Unternehmen wie Daimler-Chrysler seien betroffen und Firmen mit großem Amerika-Geschäft. Siemens beispielsweise, das nach Handelsblatt-Informationen vor dem konkreten Abschluss eines 450 Mill. Euro umfassenden Lokomotiven-Liefervertrages mit Teheran steht, will dazu öffentlich keine Kommentare abgeben.

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