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14.12.2011

10:52 Uhr

Commerzbank

Kopper nennt Staatshilfe „Untreue gegenüber dem Steuerzahler“

Commerzbank-Chef Martin Blessing muss bis Juni die Eigenkapitaldecke um 5,3 Milliarden Euro aufbessern, um die Anforderungen der EU zu erfüllen. In dieser Situation ätzt auch noch ein gewichtiger Kritiker: Hilmar Kopper.

Hilmar Kopper, Aufsichtsratsvorsitzender der HSH Nordbank, attackiert die Commerzbank. dpa

Hilmar Kopper, Aufsichtsratsvorsitzender der HSH Nordbank, attackiert die Commerzbank.

Noch hält Vorstandschef Martin Blessing an seiner Absicht fest, den Staat nicht noch einmal um Hilfe bitten zu wollen. Sollte das nicht gelingen, muss er sich auf heftigen Gegenwind einstellen. So wettert Hilmar Kopper, der ehemalige Chef der Deutschen Bank und heutige Aufsichtsratsvorsitzende der HSH Nordbank, die Commerzbank habe Anfang 2009 rund 16 Milliarden Euro Staatsgelder als verzinsliche Einlagen bekommen, dafür aber „zwei Jahre lang keinen Pfennig bezahlt“. Vor dem CDU-Wirtschaftsrat in Hamburg fügte er am Dienstag laut „Spiegel Online“ hinzu: „Warum der Staat so etwas macht, die Bundesrepublik Deutschland, ist mir völlig schleierhaft.“ Er halte dies „für einen Akt der Untreue gegenüber dem deutschen Steuerzahler“.

Ein Commerzbank-Sprecher sagte denn auch: „Unser klarer Fokus liegt jetzt auf der Umsetzung der schon beschlossenen Maßnahmen.“ Allein eine Reduzierung der Risikoaktiva etwa durch eine Einschränkung der Kreditvergabe verringere den Bedarf an Eigenkapital um bis zu 2,7 Milliarden Euro. „Darüber hinaus prüfen wir weitere Maßnahmen, um das Eigenkapital aus eigener Kraft zu stärken“, sagte der Sprecher.

Die Probleme der Commerzbank

Das bisherige Ziel: Staatshilfe zurückzahlen

Commerzbank-Chef Martin Blessing bemüht sich seit drei Jahren, die Staatshilfen zurückzuzahlen, mit denen die zweitgrößte deutsche Bank in der Kreditklemme 2008 gestützt wurde. Nun droht die Schuldenkrise in Europa die Bank  wieder auf das Startfeld zurückzuwerfen.

Die Kapitelerhöhung

Im vergangenen Jahr hat Blessing das Kapital der Bank um 11 Mrd. Euro erhöht. Eine Aktienplatzierung sowie eine Wandlung der stillen Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin in Aktien und Überschusskapital ermöglichten es der Bank, im Juni 14,3 Mrd. Euro an Staatshilfen zurückzuzahlen.

„Weit aus dem Fenster gelehnt“

Blessing "hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Äußerungen seit Oktober, die Commerzbank werde keine Staatshilfe beantragen", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie könnten erklären, dass die Regeln mitten  im Spiel geändert wurden, aber sie werden alles versuchen, bevor sie nochmals staatliche Hilfe annehmen müssen."

Die große Gefahr

Blessing hat sich dazu verpflichtet, keine staatlichen Hilfen mehr anzunehmen, obwohl die Commerzbank unter Druck steht, ihr Kapital auszuweiten, um striktere Vorschriften zu erfüllen. Doch sollte die EBA ihre Kapitalanforderungen deutlich anheben, dürfte die Commerzbank beim Rettungsfonds Soffin um Hilfen ersuchen müssen.

Das neue Ziel: Notwendiges Kapitalniveau erreichen

Die Commerzbank muss dringend Maßnahmen ergreifen, um das Kapitalniveau auf den von der EBA geforderten Wert zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter anderem den Rückkauf hybrider Anleihen und die Auslagerung von Staatsanleihen in eine sogenannte "Bad Bank".

Soffin reaktivieren

Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds Soffin aufgelegt. Der hat Milliardensummen in die Finanzbranche, die Tore für neue Hilfen aber Ende 2010 geschlossen. Doch unter Umständen wird das zurückgenommen; der Soffin könnte der Eurohypo also vielleicht zur Verfügung stehen.

Erneute Staatshilfe vermeiden

Natürlich will die Commerzbank wenn es irgendwie geht verhindern, erneut die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits angekündigt hat die Bank Pläne, die risikogewichteten Aktiva um bis zu 30 Milliarden Euro zu verringern.

Sorgenkind Eurohypo

Zudem hat das Institut die Kreditvergabe bei der Hypothekentochter Eurohypo vorübergehend einzustellen. Für die Tochter sucht die Commerzbank zudem nach Kaufinteressenten, auch eine Übernahme durch den Staat ist im Gespräch, wie aus unterrichteten Kreisen verlautete.

Hohen Verlust in Kauf nehmen

Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Die Bank erwägt eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.

Verkauf strategischer Beteiligungen

Nun prüft die Commerzbank auch den Verkauf nicht strategischer Beteiligungen. Nur die Anteile an der Comdirect Bank und der polnischen BRE Bank stehen nicht zur Disposition. Damit will die Commerzbank bis Mitte 2012 die Kapitalanforderungen der EBA bis Mitte 2012 erfüllen.

Aktienkurs im Sinkflug

Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der zweiten Jahreshälfte 2011 um 56 Prozent eingebrochen. Damit zeigte die Aktie im deutschen Benchmarkindex Dax die schlechteste Performance. 2012 ging es aber wieder aufwärts.

Doch das ist eine Mammutaufgabe, die nach Ansicht von Experten ohne den Staat nur schwer zu lösen ist. Zumal Kopper, bezweifelt, ob das notwendige zusätzliche Eigenkapital der Banken überhaupt beschafft werden könne: „Ich sehe nicht, dass der Kapitalmarkt das hergibt.“ Daher führt die zweitgrößte deutsche Bank nach Informationen aus Finanz- und Koalitionskreisen intensive Gespräche mit der Bundesregierung, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Szenario 1: Direkte Beteiligung

Der Bankenrettungsfonds SoFFin soll für systemrelevante Banken wie die Commerzbank 2012 wieder geöffnet werden. Mit einer Kapitalspritze käme der Bund leicht auf eine Mehrheit: Schon jetzt hält der SoFFin 25 Prozent an der Commerzbank, die an der Börse gerade noch sechs Milliarden Euro wert ist.

Schon mit einer von dem Fonds finanzierten Kapitalerhöhung von drei Milliarden Euro käme der Bund auf 50 Prozent der Anteile - mindestens. Denn nach dem Willen der EU sollen Staaten Bank-Anteile mit einem Abschlag bekommen. Doch unter dem Nennwert von einem Euro darf ein Unternehmen neue Aktien nicht ausgeben. Derzeit notiert die Commerzbank-Aktie mit 1,20 Euro nur knapp darüber.

Kommentare (37)

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Bankster

14.12.2011, 07:59 Uhr

Die Regierung ist die Volksvertretung und Angestellte des Volkes. Das Volk will den Trümmerhaufen Commerzbank nicht retten. Die Regierung entwendet Volksvermögen tut Sie es doch!

Diebstahl, Unterschlagung, Konkursverschleppung etc. ist eine kriminelle Tat und von der Staatsanwaltschaft anzuklagen!
Der Strafantrag muss dann vom Volk gestellt werden.

Grundschueler

14.12.2011, 08:15 Uhr


Vorschlag Nr. 4: Aktivierung und Ausweis der Personalaufwendungen im Investmentbanking als Spielervermögen entsprechend der Vorgehensweise im Profi-Fußball. Aktiviert wird dabei die von der Bafin erteilte Spielerlaubnis und nicht etwa, wie man beim immateriellen Vermögenswert Spielerwert vermuten könnte, das Humankapital.

anonym

14.12.2011, 08:31 Uhr

Mitten in der Finanzkrise muss sich ein Finanzminister
doch einmal mit (insbesondere Vertretern von Banken mit großem Geschäftsfeld im Inland) zusammensetzen und Szenarien und Auswirkungen politischer Beschlüsse besprechen und diese dann in der EU zu beeinflussen versuchen. Er kann doch nicht wild populistischem Aktionismus hinterherlaufen, der in Krisen noch verschärfend wirkt.

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