Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.03.2013

16:50 Uhr

Commerzbank

Krombacher-Eigentümerin wird Aufseherin

Neue Gesichter im Aufsichtsrat der Commerzbank: Auf einem vorgezogenen Aktionärstreffen wird die Bank drei der zehn Aktionärsvertreter austauschen. Der Aufsichtsrat wird prominent verstärkt.

In den Aufsichtsrat der Commerzbank sollen drei neue Mitglieder einziehen. dpa

In den Aufsichtsrat der Commerzbank sollen drei neue Mitglieder einziehen.

FrankfurtDie Commerzbank tauscht drei der zehn Aktionärsvertreter im Aufsichtsrat aus. Auf der Hauptversammlung am 19. April sollen die Miteigentümerin der Krombacher Brauerei, Petra Schadeberg-Herrmann, und der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Markus Kerber, neu in das Gremium einziehen, wie die Commerzbank am Montag in der Einladung mitteilte. Dritter Neuling ist der ehemalige Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture, Karl-Heinz Flöther.

Die drei ersetzen den ehemaligen Bundesbank-Vorstand Edgar Meister, den Unternehmer Otto Happel (ehemals GEA) und den früheren E.ON -Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann. Aufsichtsratschef soll Klaus-Peter Müller bleiben, der Vorgänger von Vorstandschef Martin Blessing.

Kerber ist der Kandidat des Bankenrettungsfonds SoFFin für den Commerzbank-Aufsichtsrat. Der SoFFin besetzt zwei Mandate, seit er in der Finanzkrise 25 Prozent der Anteile an der Commerzbank übernommen hat. Der SoFFin lässt seine Beteiligung zwar im Mai im Zuge einer Kapitalerhöhung voraussichtlich auf weniger als 20 Prozent verwässern. Ihm stehen aber so lange zwei Sitze zu, wie er mehr als zehn Prozent an der Commerzbank hält.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Neben Kerber vertritt den SoFFin – und damit die deutsche Bundesregierung – der Vorstandschef der Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard, im Commerzbank-Aufsichtsrat. Meister scheidet mit fast 73 Jahren aus Altersgründen aus.

Der 49-jährige Kerber kommt aus der Bankenbranche. Von 2009 bis 2011 arbeitete er im Bundesfinanzministerium als Abteilungsleiter für finanzpolitische und volkswirtschaftliche Grundsatzfragen und später auch für internationale Finanz- und Währungspolitik. Die Commerzbank ist für die mittelständisch geprägte deutsche Industrie als größter Kreditgeber wichtig.

Auch auf der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat kommt es zu einem Wechsel. Verdi-Vorstandsmitglied Beate Mensch löst Uwe Foullong ab, dem sie bei Verdi vor zwei Jahren als Leiterin des Fachbereichs Finanzdienstleistungen gefolgt war.

Das Aktionärstreffen war um einen Monat vorgezogen worden, um eine 2,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung zu beschließen, mit der die Commerzbank die verbliebenen Stillen Einlagen des SoFFin und des Versicherers Allianz von zusammen 2,4 Milliarden Euro tilgen will. Die neuen Aktien sollen den Aktionären von Mitte Mai bis Anfang Juni angeboten werden. Der SoFFin will die ihm zustehenden Papiere umgehend wieder auf den Markt werfen. Im Zuge der Kapitalerhöhung will die Commerzbank je zehn Aktien zu einer zusammenzulegen. Der Aktienkurs ist mit 1,20 Euro so tief, dass die Bank die neuen Papiere nicht über dem rechnerischen Nennwert von einem Euro ausgeben könnte. Das aber ist nach dem Aktiengesetz verboten. Nach der Zusammenlegung dürfte der Ausgabepreis bei maximal sieben Euro liegen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×