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02.12.2011

07:50 Uhr

Commerzbank

Operation Selbstständigkeit

Ist die Commerzbank noch zu retten? Diese Frage stellt sich die Branche und auch der Aufsichtsrat bei seiner heutigen Sitzung. Das Gremium muss entscheidende Weichen stellen. Welcher Weg führt um Staatshilfe herum?

Wie geht es weiter mit der Commerzbank? Der Aufsichtsrat berät heute. dpa

Wie geht es weiter mit der Commerzbank? Der Aufsichtsrat berät heute.

Frankfurt/DüsseldorfEs gab Zeiten, da war sich Martin Blessing seiner Sache ziemlich sicher: „Ich gehe da nicht noch mal hin“, hatte der Commerzbank-Chef auf die Frage geantwortet, ob sein Institut neuerliche Staatshilfen braucht. Oder wie wäre es mit „Ich finde es schöner, da auszusteigen als einzusteigen.“ Das sagte Blessing im April 2011 auf die Frage, wie es sich anfühle, den Staat nach Rückzahlung der Staatshilfe wieder loszuwerden. Inzwischen ist diese Selbstsicherheit aber gehörig ins Wanken geraten.

Vor drei Jahren musste die Bank in der Finanzkrise schon einmal mit 18 Milliarden Euro an staatlichen Kapitalspritzen gerettet werden. Das tat dem Institut weh, schließlich wurden die Gehälter stark begrenzt und die Dividende gekürzt. Bis vor wenigen Wochen war die Commerzbank auf einigermaßen gutem Weg, dem Staat die Hilfen zurückzuzahlen und sich von ihm zu befreien.

Der Aufsichtsrat der Commerzbank

Klaus-Peter Müller

Vorsitzender des Aufsichtsrats, 66 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 15.5.2008

Uwe Tschäge

43 Jahre, stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrats seit 30.5.2003, Bankkaufmann, von den Arbeitnehmern gewählt

Hans-Hermann Altenschmidt

49 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 30.5.2003, Bankkaufmann, von den Arbeitnehmern gewählt

Sergio Balbinot

52 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 6.11.2002, Managing Director Assicurazioni Generali S.p.A.

Burckhard Bergmann

67 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 15.5.2008, Ehemaliger Vorsitzender des Vorstands der Eon Ruhrgas

Nikolaus von Bomhard

54 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 16.5.2009, Vorsitzender des Vorstands Munich Re

Karin van Brummelen

57 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 15.5.2008, Bankkauffrau, von den Arbeitnehmern gewählt

Astrid Evers

48 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 30.5.2003, Bankkauffrau, von den Arbeitnehmern gewählt

Uwe Foullong

53 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 1.11.1994, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands, Bank- und Diplomkaufmann, von den Arbeitnehmern gewählt

Daniel Hampel

48 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 30.5.2003, Bankkaufmann, von den Arbeitnehmern gewählt

Otto Happel

63 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 7.5.1993, Unternehmer

Beate Hoffmann

50 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 6.5.2011, Bankfachwirtin, von den Arbeitnehmern gewählt

Hans-Peter Keitel

63 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 15.5.2008, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie

Alexandra Krieger

40 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 15.5.2008, Leiterin Referat Wirtschaft I Mitbestimmungsförderung Hans-Böckler-Stiftung, Bankkauffrau, von den Arbeitnehmern gewählt

Edgar Meister

70 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 16.5.2009, Rechtsanwalt

Ulrich Middelmann

66 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 1.4.2006, Ehemaliger stellv. Vorsitzender des Vorstands der Thyssen-Krupp

Helmut Perlet

63 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 16.5.2009, Ehemaliges Mitglied des Vorstands der Allianz SE

Barbara Priester

52 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 15.5.2008, Bankkauffrau, von den Arbeitnehmern gewählt

Mark Roach

55 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 10.1.2011, Gewerkschaftssekretär Verdi-Bundesverwaltung, von den Arbeitnehmern gewählt

Marcus Schenck

45 Jahre, Mitglied des Aufsichtsrats seit 15.5.2008, Finanzvorstand Eon

Doch nun kann davon keine Rede mehr sein – im Gegenteil. Eher scheint wahrscheinlich, dass die Commerzbank immer mehr in die Arme des Staates fliehen muss. Denn es sieht so aus, als ob die Eurohypo zumindest in Teilen in eine Bad Bank ausgelagert werden soll.

Auf der heutigen Aufsichtsratssitzung des Geldhauses wird die Eurohypo wohl das zentrale Thema sein. Eine Auslagerung von Teilen der Eurohypo in eine Bad Bank wäre auch eine Form staatlicher Hilfe. „Ob Blessing eine andere Wahl bleibt, ist sehr fraglich“, sagte ein Insider. Das Geldhaus lehnte bisher eine Stellungnahme ab.

Fest steht: Für die Commerzbank wird die Krisentochter Eurohypo zum Dreh- und Angelpunkt bei der Lösung der wachsenden Kapitalprobleme. Es gibt unterschiedliche Optionen, noch aber keine Festlegung auf einen bestimmten Weg. Zu den Denkmodellen zählt vor allem die Auslagerung in eine staatliche Abwicklungsbank, hieß es im Konzern. Die Bundesregierung möchte aber eine komplette Auslagerung verhindern, heißt es in Berliner Kreisen. Die Commerzbank liebäugelt jedoch bereits seit längerem mit der Auslagerung von Teilen.

Kommentare (9)

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anubis8888

02.12.2011, 10:01 Uhr

Einseitiger Artikel. Wie soll ein Kreditinstitut immer genau soviel Reserven vorhalten, wie der Staat sich ausdenkt, politisch zu manifestieren?! Das ist schlichtweg unmöglich. Das wäre genauso, wie von Autobauern zu verlangen, ab morgen auch auf der Beifahrerseite ein Lenkrad anzubringen - per Gesetz. Jeder Autobauer würde wohl ins straucheln geraten. Warum wird dieser Sachverhalt außer Acht gelassen und nicht beleuchtet!?

svebes

02.12.2011, 10:16 Uhr

Selbst Bankster müssen damit rechnen, dass gerade in schlechteren Zeiten genauer hingeschaut wird. Der Steuerzahler hat einmal die gierigen Strukturen der Bankenwelt stützen müssen - das lässt sich nur sehr schwer ein zweites Mal vermitteln. Bei dem Kommentar merkt man wie abgekoppelt diese Finanzbranche vom wirklichen Leben ist.

Account gelöscht!

02.12.2011, 10:25 Uhr

Falls die Bank nach 5 bis 10 Jahren sich erholt hat, kann man sicher sein, dass der jetzige Vorstand (und Klaus Peter Müller) sich damit brüsten wirde, wie gut sie waren. Die 18 Milliarden vom Staat, die Auslagerung der Eurohypo (biite nicht vergessen, wieviel Sektflaschen bei dem Kauf "strategischen" eröffnet wurden) auf Kosten der Steuerzahler - das wird alles unter dem Teppich gekehrt. Das nennt man selektive Wahrnehmung.

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