Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.02.2014

09:10 Uhr

Commerzbank plant Riesen-Kreditverkauf

Blessings „Project Octopus”

Sie will sich endgültig von altem Ballast befreien: Die Commerzbank will offenbar spanische Immobilien-Kredite schnell abgeben. Bis Anfang März sollen Bieter noch Zeit haben.

Sein Unternehmen plant offensichtlich einen kleinen Befreiungsschlag: Commerzbank-Chef Martin Blessing, hier rechts neben seinem Finanzvorstand Stephan Engels. dpa

Sein Unternehmen plant offensichtlich einen kleinen Befreiungsschlag: Commerzbank-Chef Martin Blessing, hier rechts neben seinem Finanzvorstand Stephan Engels.

FrankfurtDie Commerzbank will offenbar Kredite im großen Stil abstoßen. Die Nummer zwei unter den deutschen Banken hat Kreisen zufolge für den 2. März eine Frist gesetzt, bis zu der Käufer indikative Gebote für die verbliebenen Immobilien-Kredite in Spanien abgeben sollen. Das Vorhaben trage den Namen „Project Octopus”. Ein Sprecher der Bank wollte keinen Kommentar abgeben.

Die Commerzbank ist gerade dabei, ihre Sparten für die Finanzierung von Immobilien und Schiffen abzuwickeln – um sich künftig stärker auf Bankdienstleistungen für Unternehmen und Privatkunden zu konzentrieren. Im Jahr 2009 hatte der Konzern mit Sitz in Frankfurt ein staatliches Hilfspaket im Umfang von 18,2 Milliarden Euro erhalten.

Das Geschäftsjahr 2013 der Commerzbank

Unter dem Strich

Die Bank erwirtschaftete Erträge in Höhe von 9,27 Milliarden Euro und erzielte ein operatives Ergebnis in Höhe von 725 Millionen Euro (2012: 1,17 Milliarden Euro). Der Gewinn nach Steuern betrug 78 Millionen Euro (-47 Millionen Euro im Jahr 2012).

Privatkunden

Mit modernen Filialen und einem runderneuerten Online-Banking will die Commerzbank im Privatkundengeschäft in die Spur finden. Das operative Ergebnis der Sparte lag 2013 mit 225 Millionen Euro fast exakt auf dem Vorjahreswert. Im vierten Quartal gab es ein operatives Plus von 60 Millionen Euro (nach 25 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum).

Mittelstandsbank

Im Geschäft mit Mittelstandskunden ist die Commerzbank einer der wesentlichen Akteure auf dem deutschen Markt. Das operative Ergebnis schrumpfte 2013 auf 1,1 Milliarden Euro (nach 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2012). Die Risikovorsorge – Rückstellungen für vom Ausfall bedrohte Kredite – lag bei 470 Millionen Euro. Im Jahr 2012 hatten Sondereffekte zu einer Risikovorsorge nahe null geführt.

Zentral- und Osteuropa

In diesem Segment ist vor allem das Engagement der Commerzbank in Polen erfasst. Die Tochter „mBank“ ist dort als Direktbank aktiv. Das operative Ergebnis lag 2013 bei 254 Millionen Euro und damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Die Bank Forum in der Ukraine hatte die Commerzbank 2012 bereits verkauft.

Kapitalmarktgeschäft

Im Segment „Corporates & Markets“ gab es einen Anstieg des operativen Ergebnisses auch wegen eines positiven Effekts bei der Bewertung eigener Verbindlichkeiten. Notieren die Anleihen von Banken an den Kapitalmärkten schwächer, hat das einen positiven Effekt auf die Bilanz – denn dann kann der Wert der Verbindlichkeiten niedriger angesetzt werden. Insgesamt kletterten das operative Ergebnis 2013 von 202 auf 778 Millionen Euro.

Interne „Bad Bank“

Im Segment „Non-Core Assets“ fasst die Bank Wertpapiere zusammen, die als Altlast aus der Finanzkrise gesehen werden oder aus der missglückten Übernahme der Immobilienbank Eurohypo stammen. Der Abbau der Positionen sei 2013 schneller voran gegangen als zunächst erhofft. Dei Bestände sollten auf 125 Milliarden Euro schrumpfen – tatsächlich landete die Bank bei 116 Milliarden Euro.

Commerzbank-Chef Martin Blessing hat derzeit gut lachen: Der Aktienwert hat sich seit Juli mehr als verdoppelt. Dahinter standen nicht zuletzt Spekulationen von Anlegern, die Bank bekomme ihre Finanzen in den Griff – nach fünf Kapitalerhöhungen in vier Jahren.

Bereits im Juli hatte die Commerzbank fünf Milliarden Euro an britischen Immobilienkrediten an Wells Fargo und Lone Star veräußert. Die Transaktion erfolgte mit einem 3,5-prozentigen Abschlag auf den Buchwert.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Nur-mal-so-am-Rande

20.02.2014, 12:37 Uhr

Es gehört sehr viel unternehmerisches und finanztechnisches Können dazu, faule Kredite mit noch mehr Verlust abzustoßen. Eigentlich müssten die Gehälter der Vorstandsmitglieder dafür erhöht werden.

th235

20.02.2014, 14:28 Uhr

Sale,
Wie kann man was verkaufen, was man nicht einmal unter Kontrolle hatte ???
Das die Coba an Wells Fargo und Lon Star mit 3,5 Prozent Abschlag verkaufte, wer daran glaubt wird selig.
Der Abschlag wird bedeutend höher liegen, als wie offiziell hier angegeben worden ist.
Steuertricks noch nicht mit einbezogen. Dass die Amerikaner sich mit diesem Abschlag zufrieden gegeben haben, wird stark bezweifelt.
Nun ja, wen die Journalisten des HB das Glauben, ist Ihnen dahin gestellt.

Account gelöscht!

20.02.2014, 17:36 Uhr

Jetzt wo die Investoren wissen,dass die Commerzbank unbedingt bis März verkaufen will oder muss,werden sie den Preis drücken.
Was ist in den letzten 12 Monaten nicht alles spekuliert worden,die Übernahme durch eine große ausländische Bank sollte laut "Insidern" schon im letzten Herbst abgeschlossen sein.Nichts ist passiert.Alles heiße Luft.Was bleibt ist ein KGV von 100-10 mal mehr als bei Banken üblich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×