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20.12.2012

11:36 Uhr

Commerzbank-Privatkundenchef

Kein Zeitdruck bei Filialumbau

Die Commerzbank will ihr schwächelndes Privatkundengeschäft auf Vordermann bringen. Vorstand Zielke sieht erste Erfolge der neuen Strategie. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass noch einige Hürden im Weg sind.

Martin Zielke ist Vorstand für das Privatkundengeschäft bei der Commerzbank. dpa

Martin Zielke ist Vorstand für das Privatkundengeschäft bei der Commerzbank.

FrankfurtDie Commerzbank will sich beim Umbau ihrer Filialstruktur nicht unter Zeitdruck setzen lassen. „Wir werden Ende nächsten Jahres die ersten Pilotfilialen nach dem neuen Modell auf den Weg bringen. Wir werden keine Marketing-Gags machen“, sagte der Privatkundenvorstand des Instituts, Martin Zielke, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa und in Frankfurt.

Die deutsche Nummer zwei hatte im November angekündigt, bis 2016 etwa eine Milliarde Euro in ihr schwächelndes Privatkundengeschäft stecken zu wollen. In einzelnen Filialen sollen Spezialisten zusammengezogen werden, zudem sind flexiblere Öffnungszeiten im Gespräch. Online-Angebote und klassische Filialbank sollen enger verzahnt werden.

„Natürlich werden wir auch über Arbeitszeiten sprechen. Wir müssen unser gesamtes Angebot am Bedarf der Kunden orientieren. Darüber werden und müssen wir mit den Arbeitnehmervertretern reden“, sagte Zielke. „Formelle Verhandlungen wollen wir ab Beginn nächsten Jahres führen.“

Stellenabbau in der Finanzbranche

Finanzbranche - Commerzbank

Die Commerzbank hat ihre neue Strategie für die kommenden Jahre bis 2016 vorgestellt. Details zu einem möglichen Stellenabbau nannte die Bank nicht. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte unter Berufung auf Kenner der Situation berichtet, die Commerzbank könne in den kommenden Jahren 5000 bis 6000 Stellen streichen. Dies entspräche in etwa einem Zehntel der Belegschaft.

Das Privatkundengeschäft eingeschlossen, will die Commerzbank bis 2016 insgesamt zwei Milliarden Euro investieren, wie Konzernchef Blessing erklärte. Zusätzlich solle es auch „Effizienzmaßnahmen“ geben, mit denen der Konzern seine Kosten „stabil“ halten wolle. Die Bank setze ihr „konsequentes Kostenmanagement“ fort.

Finanzbranche - Deutsche Bank

Zwei Monate waren die neuen Deutsche Bank-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain im Amt, da gaben sie Ende Juli bekannt, die Deutsche Bank werde 1900 Arbeitsplätze abbauen. Allein 1500 Stellen sollen im Investment-Banking wegfallen. Deutschland ist von den Streichungen allerdings nur geringfügig betroffen.

Finanzbranche - ING

Der niederländische Finanzkonzern ING hat im Quartal Juli bis September deutlich weniger Gewinn erzielt als von Analysten erwartet und den Abbau von 2350 Arbeitsplätzen angekündigt. Damit passe sich das Unternehmen dem unsicheren Marktumfeld an, teilte das Unternehmen mit.

Es gebe „ein hohes Interesse aller Beteiligten, die Gespräche konstruktiv und zügig, aber ohne zeitlichen Druck, zu führen“, erklärte Zielke. „Dass wir das Thema Öffnungszeiten angehen und unser Angebot in Richtung des Kundenbedarfs verändern müssen, das verstehen viele Mitarbeiter.“

Über das Ausmaß der vom Management angekündigten „Anpassung der Personalkapazitäten“ wollte sich Zielke weiterhin nicht konkret äußern. Spekuliert worden war über den Abbau von bis zu 6000 Stellen. Anleger hatten sich schon bei der Vorstellung der neuen Strategie Anfang November Konkretes gewünscht. Zielke betonte dagegen: „Für das Management wäre es leichter gewesen, mit einer konkreten Zahl zum Thema Stellenabbau in die Öffentlichkeit zu gehen. Wir halten es aber nicht für richtig, dies vor Beginn der Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern zu machen.“

Der Manager äußerte zugleich Verständnis für die entstandene Unruhe unter den Beschäftigten. „Natürlich führt so etwas auch zu Verunsicherung, das ist uns klar. Der gesamte Privatkundenvorstand ist deshalb in alle Regionen gegangen, um allen Führungskräften vor Ort unser Vorgehen persönlich zu erklären“, sagte Zielke. Seine Beobachtung: „Die Neuausrichtung der Bank und des Privatkundengeschäfts wird von einer großen Mehrheit der Mitarbeiter mitgetragen.“

Die neue Strategie zahle sich schon jetzt aus: Bis Jahresende seien rund 120.000 zusätzliche Kunden gewonnen worden. Ende des dritten Quartals waren es netto 90.000 Neukunden. Zielke führt das auch auf die Umstellung der Beratung und die Einführung des sogenannten Kundenkompasses zurück, mit dem standardisiert der Bedarf der Kunden erfasst wird.

„70 Prozent der Kunden, die mit dem Kundenkompass beraten werden, würden unsere Bank weiterempfehlen“, sagte Zielke. „Das ist eine unglaublich hohe Zahl.“ Der Privatkundenchef bekräftigte: „Wo es Sinn macht, bieten wir Fremdprodukte an.“ Das habe sich in der Baufinanzierung bewährt: „In der Baufinanzierung bekommt der Kunde ab Anfang 2013 in allen unseren Filialen das Beste aus rund 250 Angeboten.“

Die näheren Aussichten für das Geschäft mit Privatkunden sieht Zielke weiterhin jedoch eher pessimistisch: „Ich erwarte nicht, dass sich die Rahmenbedingungen kurzfristig ändern werden.“ Er rechne damit, dass auch 2013 herausfordernd bleiben werde.

Von

dpa

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