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10.09.2014

11:36 Uhr

Commerzbank-Studie

Der Mittelstand entdeckt das Online-Banking

VonLukas Bay

Deutschland hinkt beim Onlinebanking hinterher. Dabei sehen führende Banker große Potentiale für das mobile Geldgeschäft. Vor allem der Mittelstand regelt seine Finanzen immer häufiger im Netz, zeigt eine neue Studie.

Warum nicht mal im Netz? Immer mehr Mittelständler nutzen Online-Banking. gms

Warum nicht mal im Netz? Immer mehr Mittelständler nutzen Online-Banking.

DüsseldorfDie Deutschen galten beim Onlinebanking schon immer als besonders skeptisch – zum einen sind die Sicherheitsbedenken hierzulande hoch, zum anderen gilt auch das Filialnetz als besonders gut ausgebaut. Während in skandinavischen Ländern nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom längst über 80 Prozent aller Kunden das Onlinebanking nutzen, kommen die Deutschen gerade einmal auf einen Anteil von 47 Prozent –  und liegen damit sogar hinter vergleichbaren Industriestaaten wie Frankreich oder Großbritannien.

Doch langsam scheint sich die Skepsis der Deutschen zu legen: Während noch im Jahr 2004 nur etwa jeder Vierte bereit war, seine Geldgeschäfte im Netz zu erledigen, ist es heute schon fast jeder zweite Deutsche. „Immer weniger Menschen kommen in die Filialen“, stellte Theodor Weimer, Chef der Hypovereinsbank, zuletzt auch auf dem Handelsblatt-Bankentag fest.

„Während die Industrie über die Digitalisierung 4.0 spricht, sind wir noch ganz am Anfang“, gestand der Hypovereinsbank-Chef. Auch sein Institut stellt eine Veränderung im Nutzungsverhalten fest. „Natürlich hat die Filiale ihre Berechtigung, aber sie wird sich deutlich ausdünnen.“ Eine Erkenntnis, die längst auch in anderen Geldhäusern angekommen ist.

Wo der Mittelstand sein Geld anlegt

Sichteinlagen / Laufende Konten

Immerhin 86 Prozent aller Mittelständler lassen ihr Geld auf dem eigenen Konto liegen. Allerdings ihr Anteil deutlich gesunken. Im Vorjahr waren es noch 97 Prozent.

Quelle: Studie zum Finanzanlageverhalten und Finanzanlagebedürfnis mittelständischer Unternehmen von der Fachhochschule des Mittelstands

Festgeld / Termineinlagen

Auch beim Festgeld sind heutzutage keine hohen Zinsen mehr zu erwarten. Entsprechend sinkt die Nachfrage. Nur noch 82 Prozent legen ihr Geld mit Festgeldkonten oder Termineinlagen an, im Vorjahr waren es 87 Prozent.

Rentenfonds

Diese Anlageform hat im vergangenen Jahr rasant an Beliebtheit gewonnen. Mit 42 Prozent investierte fast jeder Zweite Mittelständler in Rentenfonds, im Vorjahr waren es gerade einmal 17 Prozent.

Gemischte Fonds

Wenn das Risiko steigt, hilft oft nur eine Differenzierung des Portfolios. Gemischte Fonds sind für 31 Prozent eine geeignete Anlageform (Vorjahr: 10 Prozent).

Aktienfonds

Während die Zinsen stagnieren, erreichen einige Aktienindizes neue Rekordhöhen. Darum wagen sich nun auch die Mittelständler an die Beteiligungen - 23 Prozent investieren in derartige Anlagen.

Geldmarktfonds

Auch die Geldmarktfonds sind wieder etwas stärker gefragt als im Vorjahr. Hier investieren 18 Prozent aller befragten Mittelständler.

Währungsanlagen

Die stagnierenden Wechselkurse sorgen für Verunsicherung. Keine Anlageform hat darum beim Mittelstand mehr Vertrauen eingebüßt. Nur noch 10 Prozent legen hier ihr Geld an, im Vorjahr waren es noch 31 Prozent.

Immobilienfonds

Die Immobilienkrise hat ihre Spuren hinterlassen. Nicht umsonst fragte kein einziger Mittelständler im Vorjahr nach Immobilienfonds. Dieses Jahr sind es immerhin rund zehn Prozent. Beruhigt sich die Lage?

Nachhaltige Anlage

Die Nachhaltigkeit bleibt auch bei der Geldanlage ein Trend - und wird damit auch interessant für den Mittelstand. Nach 5 Prozent im Vorjahr investiert mittlerweile jeder Zehnte Mittelständler in nachhaltige Geldanlageformen.

Alternative Anlagen

Gleiches gilt für die alternativen Anlagen, die vor allem in Niedrigzinsphasen an Attraktivität gewinnen. Sieben Prozent legen hier ihr Geld an, im Vorjahr waren es vier Prozent.

Garantiefonds

Auch die Garantiefonds sind zurück. Noch im Vorjahr hatte kein befragter Mittelständler in derartige Produkte investiert. Dieses Jahr sind es immerhin 7 Prozent.

Denn nicht nur das Bankingverhalten der Privatkunden hat sich verändert, auch kleine und mittelständische Unternehmen gehen häufiger ins Netz, das zeigt eine aktuelle Studie der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) und der Commerzbank. Rund 93 Prozent regeln ihren täglichen Zahlungsverkehr per Knopfdruck. Besonders bei kurzfristigen Anlagenformen steigt der Onlineanteil. Immerhin mehr als die Hälfte der 83 befragten Mittelständler, erledigen auch die Anlage von Tagesgeldern im Netz, bei Termingeldern sind es immerhin fast 40 Prozent.

„Dies unterstreicht den Trend zur integrierten Multikanalbank, in der einfache Geschäftsvorgänge online vorgenommen, komplexe Entscheidungen hingegen weiterhin durch eine fundierte Beratung unterstützt werden sollen“, sagt Martin Keller, Geschäftsbereichsleiter der Mittelstandsbank.

In Zeiten niedriger Verzinsung, sind die Unternehmen auch bereit, in Geldanlagen mit höherem Risiko und längerer Laufzeit zu investieren, damit die Verzinsung stimmt. „Mit dem erneut abgesenkten Zinsniveau durch die EZB entsteht der Wunsch nach höherer Rendite“, so Keller. Die befragten Unternehmen rechnen laut der Studie mit einer Mindestverzinsung von 2,83 Prozent.

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