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11.09.2014

09:14 Uhr

Commerzbank und Co.

Mehrere Banken senken Dispo-Zinsen

Nach der Absenkung des EZB-Leitzins wollen gleich mehrere Banken ihre Dispozinssätze senken. In der vergangenen Woche hatte die Europäische Zentralbank (EZB) überraschend den Leitzins für die Eurozone erneut gesenkt.

Auch die Commerzbank will ihre Dispozinsen senken. dpa

Auch die Commerzbank will ihre Dispozinsen senken.

BerlinNach der erneuten Senkung des Leitzinses für die Eurozone wollen mehrere Banken einem Bericht zufolge ihre Dispozinssätze leicht senken. Die Deutsche Bank und die Berliner Bank planten, die jeweiligen Sätze am Montag um 0,1 Prozentpunkte zu senken, berichtete die „Bild“-Zeitung am Donnerstag. Kunden müssten dann noch maximal 11,7 Prozent Zinsen für die Kontoüberziehung zahlen. Die Commerzbank reduziere im Laufe des Monats den Zinssatz von 11,4 auf 11,25, die Norisbank von 11,15 auf 11,05 Prozent. Auch Postbank und Santander Consumer Bank planen demnach Senkungen.

In der vergangenen Woche hatte die Europäische Zentralbank (EZB) überraschend den Leitzins für die Eurozone erneut gesenkt. Er liegt jetzt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Bereits nach der vorangegangenen Zinssenkung Anfang Juni hatten einige Banken ihre Zinssätze für Dispokredite leicht gesenkt. Allerdings verlangten im Juli einer Studie zufolge viele Banken trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase immer noch zweistellige Dispozinsen.

Zwölf ereignisreiche Bafin-Jahre

Mai 2002

Die Bafin heißt vollständig Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. 2002 entsteht sie durch die Zusammenlegung der Bundesaufsichtsämter für das Kreditwesen, den Wertpapierhandel und das Versicherungswesen. Erster Präsident: Jochen Sanio.

Juni 2003

Die Anschläge des 11. September bringen die Mannheimer Lebensversicherung AG in Schieflage. Die Bafin erarbeitet eine Auffanglösung – später übernimmt die Protektor Lebensversicherung AG das Unternehmen.

März 2005

Der Phoenix Kapitaldienst GmbH untersagt die Bafin ihre Geschäfte. Die Finanzaufsicht hatte von Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung von Treuhandgeldern in Höhe von 680 Millionen Euro erfahren.

März 2006

Die Bafin muss feststellen, dass einer ihrer Beamten Geld veruntreut hat – jahrelang. Der Mitarbeiter wird später zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der Schaden für die Behörde liegt bei 6,4 Millionen Euro.

2007

Juli: Die IKB Deutsche Industriebank AG macht Probleme, im Zuge der weltweiten Finanzkrise gerät die Bank ins Trudeln. Die Bafin organisiert einen Rettungsschirm, der mehrmals erweitert wird, bevor die staatliche KfW ihre Anteile an die Lone-Star-Gruppe überträgt.

August: Nun bekommt auch die Landesbank Sachsen Probleme, die Bafin befürchtet einen Liquiditätsengpass. Später übernimmt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Institut.

2008

Februar: Die Bafin überprüft die Hypo Real Estate (HRE). Das Institut kann nur mit Hilfe der privaten Finanzwirtschaft und erheblicher Staatsunterstützung stabilisiert werden.

Frühjahr: Die WestLB AG, die BayernLB sowie die HSH Nordbank AG beantragen beim Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung die Gewährung von Garantien.

April: Die Bafin ordnet ihre Führung neu. Nachdem bislang Präsident Sanio die Behörde allein leitete, werden ihm nun vier Exekutivdirektoren zur Seite gestellt: Sabine Lautenschläger für die Bankenaufsicht, Karl-Burkhard Caspari für die Wertpapieraufsicht, Thomas Steffen für die Versicherungsaufsicht und Michael Sell für Querschnitts- und Verwaltungsaufgaben.

2011

Januar: Das Europäische System der Finanzaufsicht nimmt seine Arbeit auf. Auch die Bafin ist beteiligt und Mitglied in Gremien und Arbeitsgruppen. Außerdem entsendet sie Mitarbeiter in die europäischen Behörden.

Dezember: Präsident Jochen Sanio geht in den Ruhestand, Nachfolgerin wird Elke König. Im Direktorium sitzen neben König die Exekutivdirektoren Raimund Röseler für die Bankenaufsicht, Gabriele Hahn für Querschnitts- und Verwaltungsaufgaben, Felix Hufeld für die Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht und Karl-Burkhard Caspari für Wertpapieraufsicht und Asset-Management.

2014

Große Aufgabe: Die 2300 Bafin-Mitarbeiter kontrollieren 1880 Banken, 680 Finanzdienstleister, 600 Versicherer, 30 Pensionsfonds, 5900 inländische Fonds und 77 Kapitalanlagegesellschaften. Allerdings wird die Bafin im Zuge der Europäischen Bankenunion Anfang 2016 ihre Zuständigkeit für deutsche Großbanken verlieren.

Dispo- und Überziehungszinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, dieses aber weiter belastet wird. Zunächst gewährt die Bank in der Regel einen Dispositionskredit - kurz: Dispokredit oder Dispo. Dieser ermöglicht eine begrenzte Überziehung. Limit sind oft zwei oder drei Monatsgehälter. Für Überziehungen in diesem Rahmen gilt der Dispozinssatz. Wird das Konto weiter überzogen, fallen Überziehungszinsen an. Diese liegen in der Regel mehrere Prozentpunkte höher.

Die Praxis der Banken steht dabei seit Langem in der Kritik. Bundesverbraucherminister Heiko Maas (SPD) forderte kürzlich, Banken müssten ihren Kunden ein Beratungsgespräch anbieten, wenn diese über längere Zeit teure Dispokredite nutzen. Zugleich verlangte er mehr Transparenz. Die Höhe der Dispozinsen müsse auch im Internet vergleichbar sein, verlangte der Minister.

Von

afp

Kommentare (2)

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Frau Dagmar Kohlrausch

11.09.2014, 12:20 Uhr

Augenwischerei! Ein Dispokredit macht im Computerzeitalter Null Arbeit für eine Bank. Grenze eingeben, bei weiterer Überziehung leuchtet eine Alarmlampe auf und die Banker kümmern sich darum. Für diese Art der Nullleistung über 11% Zinsen zu verlangen, ist schlicht und einfach Wucher!

Herr Bankmensch Insider

12.09.2014, 11:44 Uhr

Dieser Kommentar zeigt Ihre Unkenntnis. Aber Diskussionen über das Thema Dispozinsen machen ohnehin keinen Sinn.

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