Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.04.2013

15:10 Uhr

Commerzbank

Volle Deckung, Herr Blessing!

VonSebastian Ertinger

Aktienkurs im Keller, kein Gewinn zum Jahresauftakt und auch noch eine Kapitalerhöhung: Commerzbank-Aktionäre sind gebeutelt. Die Führungsspitze trifft der Zorn der Anteilseigner.

Commerzbank-Chef Martin Blessing und Chef-Aufseher Klaus-Peter Müller. dpa

Commerzbank-Chef Martin Blessing und Chef-Aufseher Klaus-Peter Müller.

FrankfurtBuhrufe schallen durch die Messehalle in Frankfurt am Main. Die Commerzbank hat ihre Aktionäre zur Hauptversammlung geladen. Das Treffen barg schon im Voraus viel Stoff für Streit. Da entzünden schon Kleinigkeiten den Unmut der versammelten Anteilseigner.

So erwähnt Aufsichtsratschefs Klaus-Peter Müller in seiner einleitenden Litanei, dass der Deckel für die Managergehälter zum abgelaufenen Jahr aufgehoben wurde – und erntet verächtliche Buhrufe aus dem voll besetzten Saal. Später beklagt es ein Redner als Unanständigkeit, dass kein Glas Wasser am Sprecherpult bereitstehe.

Den Unwillen der Aktionäre schürt aber hauptsächlich die Kapitalerhöhung, über die Müller heute abstimmen lässt. Die Hauptversammlung wurde eigens vorgezogen, damit die Anteilseigner über den Schritt abstimmen können. Vorstandschef Martin Blessing will weitere Milliarden der Staatshilfe zurückzahlen. Das Geld soll nun der Verkauf von Aktien einspielen. Den Großteil der insgesamt 18,2 Milliarden Euro Staatshilfe hat das Geldhaus bereits zurückgezahlt. Allein aus einer Kapitalerhöhung 2011 kamen mehr als elf Milliarden Euro zusammen.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

„Wir wollen die Weichen für den Einstieg in den Ausstieg des Staates aus der Commerzbank stellen“, wirbt Blessing vor den Aktionären um sein Unterfangen. „Das sind wir dem Steuerzahler schuldig.“ Doch die Anteilseigner zeigen sich skeptisch. Kein Wunder, der Zeitpunkt ist denkbar schlecht. Für das Jahr 2012 meldete die Bank einen mageren Gewinn von sechs Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch mehr als 600 Millionen.

Die Ankündigung der Kapitalerhöhung schickte den ohnehin schon darbenden Aktienkurs weiter in den Keller. Die Notierung ist seit 2008 um weit mehr als 90 Prozent eingebrochen. Und eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht: Blessing tritt mit leeren Händen vor die Aktionäre. In den ersten drei Monaten des Jahres hat die zweitgrößte deutsche Bank rote Zahlen geschrieben. Grund dafür seien Kosten von einer halben Milliarde Euro für den geplanten Abbau von bis zu 6000 Arbeitsplätzen, führt Blessing als Grund an. Operativ sei die Bank aber „solide“ ins neue Jahr gestartet, hebt Blessing hervor.

Doch den Aktionären reicht das nicht. Und ihrem Unwillen wollen sie Luft verschaffen: bis zur Schließung der Rednerliste am Mittag hatten sich 57 Sprecher angemeldet. Die Versammlung zieht sich in die Länge, bis über die Kapitalerhöhung abgestimmt wird. Kritische, und sogar polemische Angriffe auf Vorstand und Aufsichtsrat ernten ungewöhnlich viel Beifall unter den 4400 Aktionären.

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rechner

19.04.2013, 13:09 Uhr

Handelsblatt berichtet
--------------------------
Die Führungsspitze trifft der Zorn der Anteilseigner.
--------------------------

Dieser Zorn ist etwa 5 Jahre verspätet.

Denn das Duo des Grauens - Aufsichtsratsvorsitzender Müller und Vorstandsvorsitzender Blessing - haben bereits 2008 mit der Übernahme der maroden Dresdner Bank 95% der Aktionärsvermögens vernichtet.

Und ohne die Staatsrettung der Commerzbank wären es 100% gewesen.

Es ist ein Zeichen für die bodenlose Qualität des Aktionariats der Commerzbank - überwiegend institutionelle Anleger - daß diese beiden Milliardenvernichter sich immer noch in Amt und Würden befinden und weiter Millionen abkassieren dürfen.

...

Und was kann man daraus lernen?

1. Aktionärsdemokratie funktioniert auch nicht besser als Massendemokratie.

2. Man muß sich auch seine Mitinvestoren ganz genau angucken.

3. "Publikumsaktie" heißt in Wahrheit meistens: keine wirksame Kontrolle des Vorstands.

Cassandra

19.04.2013, 13:27 Uhr

Und mit 25%+1 Aktien steckt der Steuerzahler noch mit Milliardenverlusten über Jahre hinweg im größten Dax Verlierer. Keine Dividende und stattdessen fortlaufende Aktionärsenteignungen dank Verwässerungen in zig Kapitalerhöhungen. Mittlerweile sind wir schon fast beim Pennystockniveau angekommen. Risiko eines Totalverlustes nicht ausgeschlossen. Was bekommt der Steuerzahler für dieses unfreiwillige Aktionärsrisiko???

Totes und dank Inflation immer wertloser werdendes Steuerkapital, das hier in einer schrumpfenden nationalen Bank in Aktien festhängt. Eine wirkliche politische Schande - anstatt das Steuergeld der wirklichen Wirtschaft und den Bürgern zu Gute kommt, wird es verschwendet.

Und das nur um eine dringend benötigte und längst überfällige Bereinigung des überdimensonierten europäischen Bankensektors noch ein paar Jahre hinauszuschieben, mit fatalen Folgen für die Allgemeinheit, die die Kosten für diese künstliche Geld-Beatmung nicht mehr überlebensfähiger Zombiebanken in ganz Europa bezahlen darf.

Wann ist endlich Schluss damit?

Account gelöscht!

19.04.2013, 13:32 Uhr

Liebe Bürger und Aktionäre,

lassen sie sich immer schön knicken und in den .......

Dies ist Alles was man Ihnen erlaubt.

P.S. Noch eine Millionbonus zum Dessert?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×