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03.05.2016

10:03 Uhr

Commerzbank zum Quartal

Deutschlands Nummer zwei verdient nur noch halb so viel

Die Commerzbank hat in den ersten drei Monaten weniger verdient. Wegen der heftigen Marktschwankungen und der hartnäckig niedrigen Zinsen bricht der Gewinn der zweitgrößten deutschen Bank um mehr als die Hälfte ein.

Die zweitgrößte deutsche Bank legt für die ersten drei Monate des Jahres schwache Quartalszahlen vor. dpa

Commerzbank

Die zweitgrößte deutsche Bank legt für die ersten drei Monate des Jahres schwache Quartalszahlen vor.

FrankfurtErnüchterung bei der Commerzbank: Die Niedrigzinsen und die Flaute an den Kapitalmärkten haben Deutschlands zweitgrößter Bank zu Jahresbeginn schwer zu schaffen gemacht. Der Gewinn brach in den ersten drei Monaten um gut die Hälfte auf 163 (338) Millionen Euro ein, wie die Commerzbank am Dienstag mitteilte. Vor allem das Rückgrat der Bank, das Geschäft mit dem Mittelstand, und die Investmentbank, mussten heftige Einbußen hinnehmen.

Die bisher vom neuen Vorstandschef Martin Zielke geführte Privatkunden-Sparte hielt sich dagegen stabil. Der Milliardengewinn des Vorjahres ist in weite Ferne gerückt. Nach dem ersten Quartal sei es „deutlich ambitionierter geworden, das Konzernergebnis des Jahres 2015 zu erreichen“, erklärte die Bank. Trotzdem plant sie derzeit mit einer stabilen Dividende von 20 Cent.

Zielkes Vorgänger Martin Blessing hatte bereits auf seiner letzten Hauptversammlung vor zwei Wochen vor dem Gewinneinbruch im ersten Quartal gewarnt. Er traf die Investoren daher nicht unerwartet.

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Finanzvorstand Stephan Engels sprach am Dienstag von einem „ordentlichen operativen Ergebnis“. Dieses brach freilich noch stärker auf 273 Millionen Euro ein. Dabei musste die Bank für faule Kredite etwas weniger zurücklegen als ein Jahr zuvor. Das dürfte im Jahresverlauf nicht so bleiben. Für das Gesamtjahr rechnet die Bank mit einem moderaten Anstieg der Risikovorsorge.

Das Zinsumfeld habe sich durch die negativen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) nochmals verschärft, erklärte die Bank. Das habe vor allem die Mittelstandsbank getroffen, die nur noch 209 (364) Millionen Euro verdiente. Das erhöhe den Druck auf die Margen im Einlagengeschäft, während die Kreditnachfrage stagniert.

Um gegenzusteuern, will die Commerzbank mit ihren Firmenkunden verstärkt über alternative Anlagekonzepte sprechen. Auch an den Kapitalmärkten hielten die Kunden sich zurück. Operativ blieben im Investmentbanking daher nur noch 70 (250) Millionen Euro hängen.

Die Amtszeit von Commerzbank-Chef Blessing in Zitaten

2008: Übernahme Dresdner Bank

„Wir untermauern unseren Anspruch, die führende Bank in Deutschland zu werden.“ (Blessing am 1.9.2008 in Frankfurt zur am Vortag vereinbarten Übernahme der Dresdner Bank.)

2009: Vorsitzender des Vorstandes

„Das fällt unter die Überschrift 'Titel ohne Mittel', ansonsten hat sich nichts geändert.“ (Blessing am 8.5.2009 in Frankfurt zur Entscheidung des Aufsichtsrats vom Vortag, ihn vom „Sprecher des Vorstands“ zum „Vorsitzenden des Vorstands“ zu befördern.)

2010: Gemeinsame Marke

„So ein Silberbesteck können Sie doch lange benutzen – egal was für ein Logo drauf ist.“ (Blessing am 15.6.2010 in Frankfurt zu den Folgen der Umstellung von Commerzbank und Dresdner Bank auf eine gemeinsame Marke.)

2010: Finanzkrise

„Lob freut mich immer, man kriegt es heute als Banker nicht so oft.“ (Blessing am 24.9.2010 in Frankfurt zur Äußerung von Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), Blessing habe in der Finanzkrise zu jenen Bankern gehört, „die noch am ehesten zu Selbstkritik bereit waren“.)

2011: Aussteigen

„Ich finde es schöner da auszusteigen als einzusteigen.“ (Blessing am 6.4.2011 in Frankfurt auf die Frage, wie es sich anfühle, den Staat wieder loszuwerden.)

2011: Dresdner Bank

„Wie konnte man sich nur die zurechtgeschminkte Leiche Dresdner Bank auf den Bauch binden lassen?“ (Commerzbank-Aktionär Richard Mayer bei der Hauptversammlung am 6.5.2011 zur Übernahme der Dresdner Bank.)

2012: Schuldenschnitt Griechenland

„Die Freiwilligkeit bei dem Ding ist ja so, wie das Geständnis bei der spanischen Inquisition freiwillig war.“ (Blessing am 23.2.2012 zum von der Politik als „freiwillig“ bezeichneten Schuldenschnitt für die privaten Gläubiger Griechenlands.)

2012: Kursabsturz

„Dass die Aktionäre bei der Kursentwicklung bis zum Jahresende nicht happy waren, ist klar.“ (Blessing am 23.2.2012 zum Absturz des Commerzbank-Kurses im Jahr 2011.)

2012: Bilanz Blessing und Müller

„Seit 2008 haben Sie ihren gesunden Menschenverstand ausgeschaltet.“ (Aktionär Richard Mayer bei der Hauptversammlung am 23.5.2012 zur Bilanz von Blessing und Müller.)

2012: Ziele bis 2016

„Ich möchte eine Bank, der die Kunden vertrauen können.“ (Blessing am 8.11.2012 in Frankfurt zu den Zielen für Deutschlands zweitgrößtes Geldinstitut bis zum Jahr 2016.)

2012: Institut-Umbau

„Ich finde Marathonlauf am besten, wenn man selbst durchs Ziel kommt. Ich habe vor, den Lauf zu Ende zu laufen.“ (Blessing am 8.11.2012 in Frankfurt auf die Frage, ob er den erneuten Umbau das Instituts bis zum Ende verantworten will.)

2014: Rückhalt im Aufsichtsrat

„Dieser Aufsichtsrat steht hinter Herrn Blessing. Wir sind Gott dankbar, dass wir ihn haben.“ (Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller bei der Hauptversammlung am 8.5.2014 in Frankfurt.)

2015: Kapitalerhöhungen

„Sie sind der bislang ungekrönte König der Anteilsverwässerung.“ (Der Vizepräsident der Aktionärsvereinigung DSW, Klaus Nieding, bei der Hauptversammlung am 30.4.2015 in Frankfurt an die Adresse von Blessing mit Blick auf die bis dato zehn Kapitalerhöhungen in dessen Amtszeit seit 2008.)

2016: Bilanz-Vorlage

„Es ist nicht so, dass hier jetzt das Ende der Arbeit ausgebrochen ist.“ (Blessing bei der Bilanz-Vorlage am 12.2.2016 in Frankfurt.)

Im Privatkundengeschäft ist der Gewinn dagegen auf 191 (157) Millionen Euro gestiegen. Die Sparte, in der die Commerzbank im ersten Quartal netto 59.000 Kunden gewann, profitierte mit 44 Millionen Euro von einer Sonderausschüttung des deutschen Kreditkarten-Vermarkters Euro Kartensysteme.

Von

rtr

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