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13.03.2012

10:11 Uhr

Credit Default Swaps

NRW-Bank groß im Geschäft mit Derivaten

ExklusivZockende Förderbank: Die NRW-Bank ist einer der größten deutschen Emittenten von Kreditausfallversicherungen. Griechische Staatsanleihen, bei denen der Versicherungsfall nun eingetreten ist, gehören nicht zum Programm.

Die Konzernzentrale der NRW.BANK in Düsseldorf. dpa

Die Konzernzentrale der NRW.BANK in Düsseldorf.

DüsseldorfDie Zentrale der NRW-Bank liegt weit entfernt von den globalen Finanzzentren dieser Welt. Zwischen dem Düsseldorfer Kaiserteich und der Kavalleriestraße gelegen, unterstützt die Förderbank von Nordrhein-Westfalen das Bundesland „bei seinen struktur- und wirtschaftspolitischen Aufgaben“, wie sie es selbst beschreibt: zinsgünstige Finanzierung für Unternehmen, Wohnraum- und Infrastrukturprojekte sowie Umweltschutz.

Da wundert es, dass sich in der Bilanz der NRW-Bank ein Anlageinstrument findet, das der Laie eher bei einem der in London, Frankfurt oder New York ansässigen Kreditinstitute vermuten würde: Kreditausfallversicherungen, Credit Default Swaps oder kurz CDS genannt. Die Düsseldorfer Förderbank gehört sogar zu Deutschlands größten Verkäufern von Kreditderivaten.

Die NRW-Bank hatte Ende 2010 – neuere Zahlen liegen nicht vor – Kreditderivate in Höhe von 22,7 Milliarden Euro verkauft. Im Vorjahr dürfte das Volumen dieser Garantien etwa ebenso hoch gewesen sein. „Mit einem stabilen Nominalvolumen von ungefähr 25 Milliarden Euro besitzt die NRW-Bank eines der größten CDS-Portfolios unter deutschen Banken“, schreibt die Ratingagentur Moody's in einem Report vom 20. Dezember 2011. Das alles bei einer Bank, die 17,7 Milliarden Euro Eigenkapital vorzuweisen hat.

Warum verkauft eine regionale Förderbank in Deutschland im großen Stil Kreditderivate? Es ist ein alles andere als risikoloses Geschäft. 2008 musste der US-Versicherungskonzern AIG vom Staat gerettet werden, weil er zu viele dieser Pleiteversicherungen für Anleihen der US-Investmentbank Lehman Brothers verkauft hat. Und die österreichische Auffangbank des Gemeindefinanzierers Kommunalkredit, KA Finanz AG, braucht derzeit auch deshalb neues Geld vom Steuerzahler, weil sie mit Kreditderivaten andere Anleger gegen eine Pleite Griechenlands versichert hat. Das Kerngeschäft einer Förderbank sieht anders aus.

Bei der NRW-Bank heißt es, CDS seien seit 2006 als Teil des Investment-Portfolios der Bank genutzt worden. „Die NRW-Bank ist eine haushaltsunabhängige Förderbank. Das heißt, zur Finanzierung ihres öffentlichen Auftrags erwirtschaftet sie ihre eigenen Erträge“, sagt eine Sprecherin. „Das tut sie im Wesentlichen im Rahmen ihrer risikoarmen Kapitalmarktstrategie.“

Kommentare (14)

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MKC

13.03.2012, 07:24 Uhr

Nur die Unfähigkeit der BaFin, Regierung und Aufsichtsrat erlaubt eine Förderbank solche Risiken einzugehen - mit meinem Steuergeld!

PowerplayAC

13.03.2012, 07:40 Uhr

Aha! Endlich bekomme ich die Erklärung dafür, warum die NRW-Bank - als angebliche "Förderbank" - bei Existenzgründern und Kleinunternehmern null Risiko eingehen will und nur Projekte finanziert, die jeder andere auch mit Geld zuwerfen würde.

Die zocken lieber mit dem Staatsgeld, als Ihre gesetzliche Kernaufgabe zu erfüllen. Sollte da nicht mal jemand aus der Politik rechtzeitig aufräumen? Es ist doch wieder nur eine Frage der Zeit, bis diese Analphabeten einer weiteren Staatsbank den Steuerzahler für das eigene Unvermögen bluten lassen.

cityboy

13.03.2012, 07:48 Uhr

wenn man sich die bilanzen anderer landesbanken und ansieht, dann sieht es ähnlich aus. was will man auch erwarten, wenn in den aufsichtsräten politiker und andere nichts-hören-nichts-sehen-sichts-sagen-typen sitzen. wann wacht die bankenaufsicht endlich auf.

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