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24.03.2017

11:59 Uhr

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam

Hoher Verlust – höheres Chefgehalt

Die Credit Suisse lässt sich durch schlechte Geschäfte nicht von Gehaltserhöhungen abbringen. Konzernchef Tidjane Thiam bekam für 2016 deutlich mehr Lohn und Boni ein als im Vorjahr.

Mehr als 2,7 Milliarden Verlust hat die Bank in ihrer Bilanz stehen. Gehälter und Boni steigen trotzdem. dpa

Tidjane Thiam

Mehr als 2,7 Milliarden Verlust hat die Bank in ihrer Bilanz stehen. Gehälter und Boni steigen trotzdem.

ZürichNeue Rechtskosten unterstreichen den Kapitalbedarf der Credit Suisse. Die zweitgrößte Schweizer Bank gab am Freitag bekannt, dass sie sich mit einer weiteren US-Behörde im Streit um unsaubere Geschäften auf dem US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise geeinigt hat. Dafür muss sie zusätzlich 300 Millionen Franken zurückstellen, das Jahresergebnis 2016 wird nachträglich nach unten angepasst. Damit weitet sich der Fehlbetrag auf 2,7 Milliarden Franken aus - der zweite Milliardenverlust in Folge. Die Bank gab auch ihre Vorstandsbezüge bekannt: Konzernchef Tidjane Thiam verdiente 2016 mit 11,9 Millionen Franken (rund 11,1 Millionen Euro) deutlich mehr als im Vorjahr.

Credit-Suisse-Chef Thiam: „Breite Palette“ zur Kapitalbeschaffung

Credit-Suisse-Chef Thiam

„Breite Palette“ zur Kapitalbeschaffung

Der Chef der Schweizer Credit Suisse ist sich sicher: Die Großbank benötigt frisches Kapital. Der zuvor immer wahrscheinlicher gewordene Börsengang sei allerdings nicht die einzige Lösung, sagt Thiam.

Der höhere Verlust hinterlässt Spuren in der Bilanz. So beträgt die Kernkapitalquote zum Jahresende nur noch 11,5 Prozent, bisher hatte die Bank 11,6 Prozent ausgewiesen. Damit liegt die Credit Suisse nicht nur deutlich hinter den 13,8 Prozent des Erzrivalen UBS und den nach den Kapitalerhöhung erwarteten 14,1 Prozent der Deutschen Bank, sondern gehört weltweit zu den Schlusslichtern unter den vergleichbaren Häusern. Thiam bekräftigte kürzlich, dass die Bank zwei bis vier Milliarden Franken an zusätzlichen Kapital benötige. Die Bank analysiere noch, wie sie sich das Kapital beschaffen wolle.

Während die Bank ihre Kapitaldecke ursprünglich durch einen Teil-Börsengang des Schweizer Geschäfts stärken wollte, steht Insidern zufolge nun eine Kapitalerhöhung im Vordergrund. Die Bank erwäge ein beschleunigtes Orderbuch-Verfahren, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Kapitalerhöhung kann diese Methode schnell abgewickelt werden und richtet sich nur an Großanleger. Allerdings müsste die Credit Suisse dafür den Segen der Aktionäre einholen. In der Einladung zur Generalversammlung am 28. April fehlt allerdings ein entsprechender Antrag. Die Anleger atmeten auf, denn eine Kapitalerhöhung verwässert den Gewinn eines Unternehmens. Die Credit-Suisse-Aktie stieg um ein Prozent und schlug sich damit besser als der europäische Bankensektor insgesamt.

Auf der Aktionärsversammlung könnten die Eigner auch Thiams Salär aufs Tapet bringen. "Er hat für die Aktionäre keinen Wert geschaffen", erklärte Stephan Sola vom Broker Kepler Cheuvreux. Seit seinem Amtsantritt hat die Aktie über 40 Prozent an Wert verloren. Dabei gehört der Ivorer zu den bestverdienenden Managern der Schweiz. Ganz oben steht UBS-Lenker Sergio Ermotti 13,7 Millionen Franken. Der Chef der Deutschen Bank, die sich in einer ähnlichen Lage befindet wie die Credit Suisse, kam nur auf 3,8 Millionen Euro. Deutsche-Chef John Cryan verzichtete dabei auf seinen Bonus.

Kommentare (1)

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Herr Werner Schumann

24.03.2017, 09:44 Uhr

Ab einer gewissen Einkommenshöhe kann man agieren wie man möchte: Egal ob die Firma oder Gesellschaft, der man vorsteht, Gewinne oder Verluste macht: Für sich privat hat man ausgesorgt. Wenn ich nur einmal für eine Firma arbeiten würde die mich so bezahlt daß mir nach Steuern und Abgaben 500.000 EUR übrigbleiben, bin ich saniert und kann mich zur Ruhe setzen. Mit diesem in Hinterkopf kann ich eine Firma auch "gegen die Wand fahren" - mich stört das nicht. Und den Schmäh muß ich halt mal aushalten für einen bestimmten Zeitraum.
Was hat das alles mit Tidjane Thiam zu tun? Nun, genau um das geht es meiner Meinung nach. Hohes Einkommen trotz Verlust - privat hat er ausgesorgt. Also kann man den Rest auch aushalten, am Ende geht er halt. Es ist unerträglich.

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