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10.05.2016

09:06 Uhr

Credit Suisse in Rot

Schlechtester Jahresstart seit der Finanzkrise

VonHolger Alich

Bei Credit Suisse schlägt nach dem ersten Quartal ein Minus im dreistelligen Millionenbereich zu Buche. Und dennoch hatten Experten bei der Schweizer Großbank noch mehr Verlust erwartet.

Die Bank leidet unter schlechten Marktbedingungen. dpa

Credit Suisse in Zürich

Die Bank leidet unter schlechten Marktbedingungen.

ZürichCredit-Suisse-Chef Tidjane Thiam hatte die Anleger bereits auf schlechte Zahlen eingestimmt: Schon vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen hatte er davor gewarnt, dass der „Januar der schlechteste Jahresstart aller Zeiten“ gewesen sei. Tatsächlich macht die zweitgrößte Schweizer Bank einen Netto-Verlust von 302 Millionen Franken. Analysten hatten aber mit Schlimmeren gerechnet. Sie hatten rund eine halbe Milliarde Nettoverlust erwartet. Die Aktie legte zu.

Im Vorjahresquartal hatte Credit Suisse noch einen Netto-Gewinn von rund einer Milliarde Franken ausgewiesen. Doch die Marktturbulenzen, unter anderem ausgelöst aus der Sorge vor einem Crash in China, haben allen Großbanken den Jahresstart vermiest. Auch bei UBS war der Quartalsgewinn um über 60 Prozent eingebrochen, der Lokalrivale verdiente aber im ersten Quartal immerhin noch 707 Millionen Franken.

Es war vor allem die Handelssparte Global Markets, die Credit Suisse in die roten Zahlen riss. Sie verlor vor Steuern 649 Millionen Franken und damit mehr als erwartet. Die Bank stellt dem entgegen, dass die beim Abbau der Risiken Fortschritte erziele. Vom Portfolio von Hochzins-Anleihen, das der Bank hohe Verluste beschert hatte, seien 79 Prozent abgebaut; unter anderem hatte Credit Suisse einen Teil des Portfolios verkauft.

Geringere Risiken haben der Bank erlaubt, dass die Kapitalposition sich trotz der Verluste nicht verschlechtert  - was eine große Sorge der Märkte war. Die harte Kernkapitalquote (CET1) blieb mit 11,4 Prozent stabil. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 11,3 Prozent gerechnet. 

Fortschritte erzielte die Bank auch beim Kostensenken. Von geplante 6000 zu streichenden Stellen seien 3500 bereits abgebaut. Von angestrebten Kostensenkungen von 1,4 Milliarden Franken habe die Bank „mehr als die Hälfte“ im ersten Halbjahr erzielen können, hieß es.

Die großen Rechtsrisiken der Investmentbanken (laut Moody's)

Barclays

Kapitalerhöhung 2008: Es geht um Ungereimtheiten bei der Kapitalerhöhung durch Investoren aus dem Nahen Osten, genauer um die Frage, ob gezahlte Gebühren korrekt veröffentlicht wurden. Altaktionäre blieben bei der Transaktion außen vor. Es ermitteln die britische Finanzaufsicht FCA, US-Justizministerium, SEC, und die britische Behörde für schwere Wirtschaftskriminalität SFO.

Handelssysteme: Hochfrequenzhändler sollen Einblicke in eigentlich anonyme Handelspositionen von anderen Kunden erhalten haben. Es ermitteln die US-Börsenaufsicht SEC und die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft.

HSBC

Geldwäsche: Geldwäsche-Vorwürfe und damit verbundene Sanktionsverstöße hält Moody`s für ein hohes Risiko für das britische Institut.

RBS

Verkauf toxischer US-Hypotheken: Die Royal Bank of Scotland hat dafür bereits 2,5 Milliarden Dollar zurückgelegt, Moody's hält aber eine endgültige Strafzahlung für wahrscheinlich, die „ein Vielfaches“ davon beträgt.

Deutsche Bank

Devisen: Es geht um Kursmanipulationen

Russlandgeschäft: Kunden sollen über die Russland-Tochter der Bank Schwarzgeld gewachsen haben.

Credit Suisse

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

UBS

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

Goldman Sachs

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

Die drei regionalen Einheiten – Asien, Schweiz, International – erzielten alle Vorsteuergewinne im Rahmen der Erwartungen. Die profitabelste Einheit ist weiterhin die Schweiz-Tochter, die neben Vermögensverwaltung auch gewisse Investmentbank-Dienstleistungen umfasst. Sie verdiente Vorsteuern 426 Millionen Franken und konnte damit ihr Ergebnis halten. Zudem erzielten alle Regionaleinheiten solide Neumittelzuflüsse von insgesamt zwölf Milliarden Franken, wenn auch weniger als im Vorjahreszeitraum (16,7 Milliarden).

Mit Blick auf das zweite Quartal blieb Credit Suisse vorsichtig. Zwar hätten die Monate März und April „erste Anzeichen einer vorläufigen Erholung der Aktivität“ erkennen lassen, aber „ungünstige Marktbedingungen und niedrige Kundenaktivität dürften auch im zweiten Quartal 2016 und möglicherweise darüber hinaus fortbestehen.“

Der Quartalsabschluss dürfte Anleger vor allem mit Blick auf die Eigenmittel-Ausstattung etwas beruhigen. Doch Credit Suisse muss noch einiges nachlegen, um allein den Verlust ihrer Aktie von über 35 Prozent seit Jahresanfang wieder aufzuholen.

 

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