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23.07.2015

09:35 Uhr

Credit Suisse

Schweizer Bank soll krisensicher werden

Die zweitgrößte Schweizer Bank konnte im zweiten Quartal einen stabilen Gewinn verbuchen. Für den neuen Vorstandschef Tidjane Thiam fängt die Arbeit aber gerade erst an: Er will die Bank krisensicher machen.

Trotz guter Ergebnisse: Credit Suisse hat mit einem schweren Marktumfeld zu kämpfen. Besonders die Bondmärkte erweisen sich als Ertragsbremse. dpa

Credit Suisse agrees to pay 150 million Euro to settle tax evasio

Trotz guter Ergebnisse: Credit Suisse hat mit einem schweren Marktumfeld zu kämpfen. Besonders die Bondmärkte erweisen sich als Ertragsbremse.

ZürichDie Schweizer Großbank Credit Suisse hat im zweiten Quartal von einem guten Geschäft mit reichen Kunden und in Asien profitiert. Dadurch konnte die Schwäche in anderen Geschäftsfeldern und Regionen ausgeglichen werden. Der Gewinn vor Steuern im fortgeführten Geschäft sei um zwei Prozent auf 1,81 Milliarden Schweizer Franken (rund 1,72 Mrd Euro) gestiegen, teilte die Bank am Donnerstag in Zürich mit.

Unter dem Strich stand ein Überschuss von 1,05 Milliarden Franken. Das ist überraschend: Analysten hatten mit einem Gewinn von knapp 800 Millionen Franken gerechnet. Einem guten Vermögensverwaltungs- und Aktiengeschäft stand eine schwächere Entwicklung der Anleihenmärkte gegenüber.Im Vorjahresquartal hatte die Bank wegen einer Milliardenstrafe rote Zahlen geschrieben.

Die größten Verwalter privater Vermögen

Der Markt für Vermögensverwalter

Der Markt für Verwalter privater Vermögen hat ein Volumen von 20,6 Billionen Dollar.
Die zehn größten Vermögensverwalter beherrschen davon 47 Prozent. Allein die UBS kommt auf einen Marktanteil von 9,9 Prozent.

In diesem Ranking nicht berücksichtigt: Vermögensverwalter, die sich nicht auf vermögende Privatkunden fokussieren, wie Blackrock.

Quelle: Scorpio Partnership

Die dynamischsten Vermögensverwalter

Das schnellste Wachstum unter den Vermögensverwaltern legte die BMO Financial Group aus Kanada hin. Durch Übernahmen wuchs das verwaltete Vermögen um 80 Prozent auf 326,4 Milliarden Dollar.

Unter den Top 10 Vermögensverwaltern wuchs JPMorgan Chase & Co. am schnellsten. Die Amerikanier steigerten das verwaltete Vermögen um 19 Prozent auf 428 Milliarden Euro.

Platz 10

Goldman Sachs, USA
Verwaltetes Vermögen: 363 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 10 Prozent

Platz 9

HSBC, Großbritannien
Verwaltetes Vermögen: 365 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 4,5 Prozent

Platz 8

BNP Paribas, Frankreich
Verwaltetes Vermögen: 371 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 6,2 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 6,3 Prozent

Platz 7

J.P.Morgan Chase & Co., USA
Verwaltetes Vermögen: 428 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 18,6 Prozent

Platz 6

Citi Bank, USA
Verwaltetes Vermögen: 551 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr: Keine Angaben, da die Bank ihre Berechnungsgrundlagen geändert hat.

Platz 5

Royal Bank of Canada, Kanada
Verwaltetes Vermögen: 704 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 4,6 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 13,8 Prozent

Platz 4

Credit Suisse, Schweiz
Verwaltetes Vermögen: 884 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 0,5 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 10,6 Prozent

Platz 3

Bank of America Merill Lynch
Verwaltetes Vermögen: 1,98 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 6,3 Prozent

Platz 2

Morgan Stanley, USA
Verwaltetes Vermögen: 2,03 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 6,1 Prozent

Platz 1

UBS, Schweiz
Verwaltetes Vermögen: 2,04 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 3,5 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 15 Prozent

Quelle: Scorpio Partnership

Im Vorjahresquartal hatte eine milliardenschwere US-Geldbuße wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung das Institut tief in die roten Zahlen gedrückt. Nun kündigte der seit Anfang Juli amtierende Vorstandschef Tidjane Thiam an, die Risiken im Investmentbanking weiter reduzieren zu wollen. Der Nachfolger des umstrittenen Brady Dougan und Ex-Chef des britischen Versicherers Prudential will noch vor Jahresende eine neue Strategie und ein neues Geschäftsmodell festlegen, die auf profitables und nachhaltiges Wachstum ausgerichtet sein sollen.

„Dadurch soll sichergestellt werden, dass unsere Ergebnisse weniger volatil sind und sich das festgelegte Geschäftsportfolio auch in einem sehr herausfordernden Umfeld als widerstandsfähig erweist”, erklärte der Ivorer, der vom britischen Versicherer Prudential zu Credit Suisse wechselte, am Donnerstag. Die Bank überprüfe auch Veränderungen im Geschäftsportfolio.Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge lotet er derzeit bei Investoren die Bereitschaft für eine Übernahme im Bereich Vermögensverwaltung aus.

Gebremst wurde Credit Suisse von der Flaute im Anleihenhandel. Viele Anleger gingen angesichts des griechischen Schuldendramas und des Einbruchs an den chinesischen Börsen in Deckung. Zudem ist unsicher, ob die US-Notenbank Fed tatsächlich noch in diesem Jahr die Zinswende einläutet. Entsprechend verdienten die Schweizer im Anleihengeschäft fünf Prozent weniger als vor Jahresfrist. Bei US-Konkurrenten wie JP Morgan oder Goldman Sachs lahmte das Geschäft allerdings noch stärker. Die Deutsche Bank, die im Anleihengeschäft zu den führenden Häusern zählt, will ihre Zahlen am 30. Juli vorlegen.

Verschuldungsquote (Leverage Ratio) ausgewählter Banken

UBS

5,6 Prozent

(nach Schweizer Vorgaben, inkl. Puffer-Kapital)

Lloyds Banking

4,9 Prozent

HSBC

4,8 Prozent

Crédit Agricole

4,2 Prozent

Royal Bank of Scotland

4,2 Prozent

ING

4,1 Prozent

Commerzbank

3,7 Prozent

Deutsche Bank

3,4 Prozent

Quelle

Quelle: Unternehmen

Stand: 31.12.2014

(außer Deutsche Bank und UBS, Stand: 31.3.2015)

Zum aktuellen Geschäftsverlauf schlug Credit Suisse vorsichtige Töne an. Die Dynamik in Asien, in der Vermögensverwaltung und im Aktiengeschäft hätten angehalten. "Die schwächere Entwicklung der Anleihenmärkte im Juni setzte sich allerdings auch im Juli fort, und das dritte Quartal ist gewöhnlich saisonal bedingt schwächer", erklärte Finanzchef David Mathers.

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