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23.10.2014

13:16 Uhr

Dank Bonds und Alibaba

Milliardengewinn für Credit Suisse

Der Gewinn von Credit Suisse hat sich auf gut eine Milliarde Franken verdoppelt. Der Anleihehandel zieht an – und die Deutsche Bank schöpft Hoffnung. Bremsspuren finden sich jedoch in der Vermögensverwaltung.

Große Börsengänge wie der von Alibaba spülten Credit Suisse eine Menge Geld in die Kasse. dpa

Große Börsengänge wie der von Alibaba spülten Credit Suisse eine Menge Geld in die Kasse.

ZürichDer Aufschwung im Investmentbanking hat der Credit Suisse das beste Sommerquartal seit fünf Jahren beschert. Weil sich der Anleihehandel zusehends belebt und große Börsengänge wie der des chinesischen Online-Händlers Alibaba viel Geld in die Kasse spülten, konnte die zweitgrößte Schweizer Bank ihren Nettogewinn auf gut eine Milliarde Franken (rund 850 Millionen Euro) mehr als verdoppeln. Die Vermögensverwaltung kommt allerdings nicht richtig auf Touren. Zudem seien die Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht spurlos an der Bank vorübergegangen. Bank-Chef Brady Dougan mahnte daher auch zur Vorsicht. „Die jüngste Volatilität an den Märkten im Oktober hatte unterschiedliche Auswirkungen auf unser Geschäft“, sagte Dougan. „Während bestimmte Bereiche in beiden Divisionen davon profitierten, wurden andere belastet.“

Schon bei den großen US-Banken hatte sich gezeigt, dass das lukrative Kapitalmarktgeschäft langsam wieder in Fahrt kommt. Credit Suisse eröffnete nun die Berichtssaison der großen europäischen Finanzinstitute. Bei den Schweizern wurde das Ergebnis im dritten Quartal zwar auch durch eine niedrigere Bewertung der eigenen Schulden aufpoliert. Dennoch schnitt das Geldhaus besser ab, als von Analysten erwartet.

Rund lief es von Juli bis September vor allem im Anleihehandel. Mit einem Einnahmenplus von 50 Prozent ließen die Schweizer dabei mit Ausnahme von Goldman Sachs sämtliche US-Konkurrenten hinter sich. Der gesamten Branche hilft im Moment, dass die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) unterschiedliche geldpolitische Signale senden. Das sorgt bei Anleihen und Währungen für Kursausschläge und bringt Schwung in den Handel.

Größte Vermögensverwalter der Welt

Platz 10

Deutsche Bank (Deutschland)

380 Milliarden Dollar (Vorjahr: 387 Mrd. $)

Quelle der Angaben: PAM Insight Wealth Ranking. Stand jeweils Ende 2013 im Vergleich zu 2012.

Platz 9

HSBC (Großbritannien)

382 Milliarden Dollar (Vorjahr: 398 Mrd. $)

Platz 8

BNP Paribas (Frankreich)

383 Milliarden Dollar (Vorjahr 349 Mrd. $)

Platz 7

Raymond James Financial (USA)

454 Milliarden Dollar (398 Mrd. $)

Platz 6

Royal Bank of Canada (Kanada)

660 Milliarden Dollar (647 Mrd. $)

Platz 5

Credit Suisse (Schweiz)

887 Milliarden Dollar (Vorjahr: 862 Mrd. $)

Platz 4

Wells Fargo (USA)

1618 Milliarden Dollar (Vorjahr: 1200 Mrd. $)

Platz 3

Morgan Stanley (USA)

1909 Milliarden Dollar (Vorjahr: 1800 Mrd. $)

Platz 2

Bank of America (USA)

2002 Milliarden Dollar (Vorjahr: 1800 Mrd. $)

Platz 1

UBS (Schweiz)

2055 Milliarden Dollar (Vorjahr: 1747 Mrd. $)

Davon hat im dritten Quartal auch die Deutsche Bank profitiert, wie Reuters bereits Anfang Oktober aus Finanzkreisen erfahren hatte. Der deutsche Branchenprimus legt seine Zwischenbilanz am kommenden Mittwoch vor. Einen Tag vorher kommt die heimische Credit-Suisse-Konkurrentin UBS mit ihren Zahlen. Sie hat ihren Anleihehandel wegen des hohen Kapitalbedarfs seit der Finanzkrise zurückgefahren und konzentriert sich auf eine reine Maklerrolle für die Kunden. Mit Spannung wird daher erwartet, wie sie im Investmentbanking abgeschnitten hat.

Credit Suisse profitierte auch von einem boomenden Geschäft mit Kapitalmaßnahmen: So brachte allein der Rekord-Börsengang von Alibaba, wo die Bank einer der Hauptorganisatoren war, einen beträchtlichen Anteil am gesamten Gebührentopf von 300 Millionen Dollar ein. Die Deutsche Bank mischte hier ebenfalls federführend mit.

An der Börse entfachte die Quartalsbilanz jedoch keine Euphorie bei Investoren. Die Aktie notierte nur leicht im Plus. Grund hierfür könnte das Abschneiden der Vermögensverwaltung sein. Im Geschäft mit reichen Privatkunden sammelte Credit Suisse 7,4 Milliarden Franken an neuen Geldern ein, weniger als in den vorangegangenen Quartalen. Der Druck auf das Bankgeheimnis in Europa führte zu Abflüssen von weiteren 1,5 Milliarden Franken und ein einziger großer Schweizer Kunde zog 1,1 Milliarden Franken ab. Gleichzeitig verdient die Bank mit den Geldern von Quartal zu Quartal weniger.

Die zweite offene Flanke ist die Kapitaldecke. Die Milliardenbuße wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA im Frühjahrsquartal hat das Institut bei der Kapitalisierung auf einen der hintersten Plätze im Branchenvergleich zurückgeworfen. Im abgelaufenen dritten Quartal machte Credit Suisse mit einer Kernkapitalquote von 9,8 Prozent zwar leichte Fortschritte. Nach Einschätzung von Kepler-Cheuvreux-Analyst Dirk Becker ist die Auszahlung einer Bar-Dividende aber möglicherweise gefährdet.

Von

rtr

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