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28.11.2016

11:10 Uhr

Das Einmaleins der Bankenregulierung

Der große Zank um die Finanzaufsicht

VonYasmin Osman

Die USA und Europa sind tief zerstritten: Welche Regeln sollen global für Banken gelten? Die wichtigsten Finanzaufseher diskutieren darüber in Chile. Das Ergebnis könnte höhere Zinsen für europäische Bankkunden bedeuten.

Die Regulierungsexperten des Basler Bankenausschusses treffen sich am Montag und Dienstag in Santiago de Chile, um sich auf neue Vorschriften bei der Risikokalkulation für Banken zu einigen. dpa

Blick auf Londons Finanzdistrikt Canary Wharf

Die Regulierungsexperten des Basler Bankenausschusses treffen sich am Montag und Dienstag in Santiago de Chile, um sich auf neue Vorschriften bei der Risikokalkulation für Banken zu einigen.

FrankfurtIn den kommenden beiden Tagen blickt die Finanzwelt nach Santiago, der Hauptstadt Chiles. Dort treffen sich die Mitglieder des mächtigen Basler Bankenausschusses, um neue Regeln für Banken festzulegen. Was technisch klingt, kann große Auswirkungen für Bankkunden und die Branche haben. Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum müssen Banken eigentlich überwacht werden?

Kaum ein Sektor wird so streng reguliert und überwacht wie die Bankenbranche. Das liegt daran, dass Bankpleiten so verheerende Folgen für eine Volkswirtschaft haben können. Schließlich geht es nicht allein um die Ersparnisse, die Menschen bei Geldhäusern deponiert haben. Banken organisieren außerdem den Zahlungsverkehr und damit die Lebensader jeder Volkswirtschaft: Überweisungen von einem zum anderen Konto oder die Möglichkeit, Geld abzuheben. Außerdem versorgen sie die Wirtschaft mit Krediten, die in Europa eine weit größere Rolle spielen als etwa in den USA. Das alles tun die Banken mit sehr wenig Kapital, wenn man sie mit Industrieunternehmen vergleicht. Deshalb dürfen relativ wenig Fehler passieren und die Regulierung ist angesichts der Folgen einer Bankpleite entsprechend streng.

Ist es für mich als Bankkunde gut oder schlecht, wenn Banken hart rangenommen werden?

Ein streng überwachtes Institut ist hauptsächlich sicherer und stabiler als ein unkontrollierter Finanzanbieter. Das ist schon deshalb wichtig, weil die bei der Bank deponierten Ersparnisse wirtschaftlich ein Kredit sind, die der Kunde seiner Bank gewährt. Im Falle einer Bankpleite muss ein Kunde daher darauf setzen, dass der Einlagenschutz auch wirklich funktioniert. Daher ist es besser, wenn gar nicht erst etwas passiert. Es gibt zwar immer wieder Fälle, bei denen sich Kunden oft zu Recht über ihre Banken beschweren. Doch ein Blick auf die Skandale am unkontrollierten grauen Kapitalmarkt zeigt, dass Banken in der Regel ziemlich zuverlässig sind. Die Kehrseite einer strengen Regulierung: Sie kostet Geld, das die Banken entweder über höhere Gebühren oder schlechtere Konditionen für Kunden wieder hereinholen müssen.

Die größten Banken Europas (nach Marktkapitalisierung)

Platz 10

Intesa Sanpaolo
Italien
28,472 Milliarden Euro

Stand: Anfang Juli 2016. Quelle: S&P Global Market Intelligence

Platz 9

Nordea Bank
Schweden
30,411 Milliarden Euro

Platz 8

Banco Bilbao
Spanien
32,701 Milliarden Euro

Platz 7

ING Groep
Niederlande
35,7527 Milliarden Euro

Platz 6

PAO Sberbank of Russia
Russland
40,396 Milliarden Euro

Platz 5

UBS Group
Schweiz

43,209 Milliarden Euro

Platz 4

Lloyds Banking Group

Großbritannien

46,368 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander

Spanien

49,393 Milliarden Euro

Platz 2

BNP Paribas

Frankreich

49,495 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC

Großbritannien

110,804 Milliarden Euro

Bei welchen Vorgaben jammern Banken besonders stark?

Es gibt unterschiedliche Punkte, über die sich die Institute beklagen. Besonders viel Ärger macht die Frage, wie viel Eigenkapital eine Bank eigentlich benötigt, um ihr Geschäft betreiben zu dürfen. Dazu muss man wissen, dass Banken mit einer Kapitaldecke operieren dürfen, die weitaus dünner ist als bei Industrieunternehmen üblich. Bei der Commerzbank und der Deutschen Bank liegt sie in Relation zum Geschäftsvolumen irgendwo zwischen drei und vier Prozent. Da bleibt nicht viel Spielraum für Fehler. Im Moment ärgern sich Banken vor allem darüber, dass sie bei der Kalkulation ihrer Risiken eingeschränkt werden sollen: Bislang gilt, dass sich der Kapitalbedarf einer Bank danach orientiert, wie riskant ihr Geschäft ist. Je höher das Risiko, desto mehr Kapital ist nötig. Wie hoch das Risiko genau ist, berechnen die Banken mit eigenen Methoden. Nun fürchten sie, dass Einschränkungen auf diesem Gebiet sie doch zu einer deutlich dickeren Kapitaldecke zwingen.

Es gibt viele verschiedene Aufseher und Gremien. Wer ist wofür zuständig?

Bei den großen Banken der Eurozone sieht die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) nach dem Rechten. Sie kontrolliert, ob Bankmanager zuverlässig sind, die Geldhäuser ihre Risiken realistisch einschätzen und auch sonst alle Regeln einhalten. Sie schreibt den Banken auch oft vor, wie viel Eigenkapital sie über das gesetzliche Minimum hinaus vorhalten müssen. Die Europäische Bankenaufsicht EBA, die bislang in London angesiedelt ist, sorgt für möglichst einheitliche Standards in der gesamten EU. Nationale Behörden wie Bundesbank und Bafin kümmern sich darüber hinaus um kleinere Banken, sind aber zusätzlich in die Überwachung der Großinstitute im Rahmen der EZB-Aufsicht eingebunden. Eine wichtige Rolle spielt darüber hinaus der Basler Bankenausschuss, der versucht, weltweite Mindeststandards für Banken zu entwickeln.

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Stefan Ingves ist der Gouverneur der Riksbank. Im Interview erklärt er, warum eine „E-Krona“ als elektronische Währung für Schweden wichtig wäre – und weshalb er sich für strenge Reformen für Banken einsetzt.

Und was genau ist jetzt der Basler Bankenausschuss?

Dieses Gremium ist bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) angesiedelt, einer Art Notenbank der Notenbanken. Hier treffen sich Notenbanker und Bankenaufseher aus 27 Nationen, um global verbindliche Mindeststandards für Banken zu vereinbaren. Derzeit geht es darum, sich auf Methoden zu einigen, wie Banken ihre Risiken kalkulieren dürfen. Die großen, wichtigen Beschlüsse sind durchnummeriert und tragen Namen wie „Basel I“, „Basel II“ oder auch „Basel III“.

Das Gremium tagt ab heute in Santiago (Chile). Vorsitzender ist Stefan Ingves, der Präsident der schwedischen Zentralbank. Im Interview mit dem Handelsblatt hat er deutlich gemacht, dass ein heftiger Streit um Kapitalvorgaben bis Ende des Jahres beigelegt werden dürfte. „Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt; und es ist meine Aufgabe dies sicherzustellen“, sagte er in dem Gespräch.

Kommentare (8)

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Frau Brigitte Hüffel

28.11.2016, 11:25 Uhr

Wenn man diesen Artikel liest, bekommt man Angst um seine paar Spargroschen. Danke für diesen sehr bedenklichen stimmenden Artikel.

Frau Pia Paff

28.11.2016, 11:35 Uhr

Das ist alles Panikmache!!! Da glaube ich nichts. Mein Depot fährt derzeit 16% Rendite.

Rainer von Horn

28.11.2016, 12:32 Uhr

Europas Banken machen die derzeitigen EZB-Negativ- und -Niedrigzinsen zu schaffen. Gleichzeitig werden innerhalb mehrerer Jahre die Eigenkapitalvorschriften verschärft. Insgesamt gesehen erschwert man hier in Europa den Banken das Geschäft, was sich in rückläufigen Betriebsergebnissen niederschlägt.
Da haben es US-Banken besser: in den USA sind die Zinsen höher in Europa und gleichzeitig hat man schon bei Basel-II schon nicht mehr mitgemacht, geschweige denn bei Basel-III oder IV. Die Vorschläge des Baseler Ausschusses sorgen so eben nicht für global gleiche Wettbewerbsbedingungen.

Die Folge: amerikanische Baniken sind deutlich profitabler als europäische Banken, deren Entwicklung lanmgsam aber sicher an jene deutscher Versorger erinnert..,.... Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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